La Bollente (Acqua bollente)
Eine alte Frau hält eine leere Plastikflasche unter einen Steinbogen. Das Wasser dampft. Es riecht nach Schwefel, nach Ei, nach Erde. Kinder springen zurück. Männer in Anzügen schauen auf die Uhr und gehen trotzdem näher ran. Mitten auf einem unscheinbaren Platz in Acqui Terme brodelt seit Jahrtausenden heißes Wasser aus dem Boden – 75 Grad, das ganze Jahr, ohne Pause.
Geschichte
Die Römer wussten genau, was hier sprudelte. Sie bauten Aquae Statiellae um diese Quelle herum – eine Kurstadt, keine Garnison. Im 19. Jahrhundert, zur Zeit des Risorgimento, entschied die Stadtverwaltung, der Quelle ein würdiges Gesicht zu geben. 1879 entstand der klassizistische Pavillon aus weißem Stein, ein kleiner Rundbau mit Säulen, der die Quelle fasst ohne sie zu zähmen. Gezahlt hat die Gemeinde. Wer dagegen war, ist nicht überliefert. Das Wasser interessierte sich ohnehin nicht für Meinungen.
Erleben
Morgens kommen die Acquesi mit Flaschen und Kanistern. Kein Ritual, keine Zeremonie – einfach Gewohnheit. Mittags leert sich der Platz kurz, die Hitze drückt. Gegen vier Uhr nachmittags setzt Bewegung ein: Schulkinder, Rentner auf Bänken, ein Hund der den Dampf beschnuppert und sofort zurückweicht. Abends wird der Pavillon von unten beleuchtet. Das Wasser dampft dann sichtbarer, der Platz wirkt kleiner, intimer. Der Schwefelgeruch bleibt immer.
Insider-Tipp
Einheimische trinken das Wasser tatsächlich – nicht als Spektakel, sondern weil sie glauben, es hilft dem Magen. Die leeren PET-Flaschen in der Rinne verraten, wer regelmäßig kommt. Kaum ein Besucher schaut auf die gepflasterten Abflussrinnen rund um den Pavillon: Das Wasser läuft dort offen ab, warm, und wer die Hand hineinhält, versteht sofort, warum die Römer hier eine Stadt gebaut haben. Diese Rinnen erzählen mehr als jede Infotafel.
Besuchstipp
Komm kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Der Dampf steigt dann orange ins Licht. Setz dich auf die steinerne Bank direkt links vom Pavillon, Blickrichtung Säulen. Die Bar Nazionale an der Piazza serviert einen Vermentino aus dem Monferrato – trink ihn dort, riech den Schwefel, und frag dich, wie viele Menschen an genau dieser Stelle schon dasselbe getan haben.
Häufige Fragen
Kann ich das Wasser von La Bollente (Acqua bollente) wirklich trinken?
Ja, das Wasser ist trinkbar und wird von Einheimischen regelmäßig getrunken. Es ist stark mineralisiert und schmeckt deutlich nach Schwefel. Wer empfindlichen Magen hat, sollte es bei einem kleinen Schluck belassen. Eigene Flasche mitbringen – es gibt keinen Becher vor Ort.
Wann ist La Bollente (Acqua bollente) geöffnet?
Der Brunnen läuft rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Der Platz ist öffentlich zugänglich, der Pavillon von außen jederzeit sichtbar. Abends lohnt sich der Besuch besonders wegen der Beleuchtung – der Dampf wird dann sichtbar und das Wasser glänzt im warmen Licht.
Wie heiß ist das Wasser bei La Bollente (Acqua bollente) wirklich?
Konstant rund 75 Grad Celsius. Nicht gefühlt heiß – tatsächlich kochend heiß. Wer die Hand ins Wasser hält, verbrennt sich sofort. Die Rinnen rund um den Pavillon führen das Wasser ab und sind ebenfalls noch deutlich warm. Kinder unbedingt im Blick behalten.
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