Ala di Stura – Gemeinde in Italien
Gemeinde in Italien
Das Stura-Tal schiebt sich von Turin aus schmal und entschlossen in die Cottischen Alpen hinein, und wer ihm genug folgt, landet irgendwann in Ala di Stura – einem Dorf, das auf knapp 1000 Metern sitzt und den Fels so nah spürt, dass er im Winter die Sonne wegschneidet. Gerade mal 200 Menschen leben hier das ganze Jahr. Die Häuser stehen dicht, der Sturabachbach rauscht dazwischen, und wenn morgens der erste Lastwagen den Hang hochfährt, kennt das ganze Dorf seinen Fahrer. Keine Kulisse, kein Aufputz – das Tal ist einfach, wie es ist.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
Die Pfarrkirche San Giacomo steht im Ortskern, massiv und ohne viel Zierrat, wie es sich für ein Alpendorf gehört, das jahrhundertelang mit dem Winter verhandelt hat. Wer nach einem Museum sucht, fährt nach Turin. Aber im Dorf selbst gibt es etwas Selteneres: alte Steinhäuser mit Laubengängen, die man nirgendwo restauriert hat und die deshalb noch wirklich aussehen, wie sie immer aussahen. Ein paar davon stehen halb leer. An der Dorfmauer beim Bachübergang wächst Moos zwischen den Fugen – niemand hat das geplant, niemand stört es.
Natur & Umgebung
Das Tal engt sich über Ala di Stura weiter ein und öffnet sich dann plötzlich in wilde Hochlagen. Der Weg zum Lago della Rovina führt durch Lärchenwald, der im Oktober leuchtend gelb brennt. Weiter oben, jenseits der Baumgrenze, liegen Grasmatten, Geröll, und im Sommer noch Schneeflecken in den Nordscharten. Das Gelände verlangt gute Schuhe und Orientierung – wer hier mit Sneakers aufbricht, merkt schnell, dass das Tal es ernst meint. Für Alpinisten öffnen sich Routen zu den Gipfeln der Ciamarella-Gruppe, die ernsthaft und wenig überlaufen sind.
Essen & lokale Spezialitäten
Die piemontesische Küche des Tals ist keine Küche der Raffinesse, sondern der Kälte. Polenta mit Fontina oder mit Hasenfleisch, das stundenlang geschmort wurde – das sind die Teller, die hier auf den Tisch kommen. In den wenigen Agriturismo-Betrieben rund um Ala di Stura bestellt man nicht à la carte, sondern isst, was der Tag ergibt. Lokaler Käse kommt von Almen weiter oben, und man kauft ihn am besten direkt, wenn man beim Aufstieg einem Hirten begegnet. Eine Bar im Dorfkern öffnet früh, schließt nach dem Mittagessen, öffnet vielleicht wieder.
Praktische Infos
Von Turin fährt man über die Staatsstraße SS460 durch Lanzo Torinese ins Tal – knapp 50 Kilometer, aber die letzten 20 kurvieren sich zügig. Ein Auto ist Pflicht; ein Linienbus fährt zwar vereinzelt, aber nach Alpentakt, nicht nach Reiseplan. Übernachten kann man in kleinen Pensionen oder Ferienwohnungen, die man besser vorab bucht, weil es davon schlicht nicht viele gibt. Die beste Zeit liegt zwischen Juni und September, wenn die Pässe offen sind. Im Winter ist das Dorf ruhig bis zur Stille – das ist kein Fehler, sondern sein Charakter.
Häufige Fragen
Kann man Ala di Stura als Tagesausflug von Turin aus machen?
Ja, die Fahrt dauert unter einer Stunde. Wer früh startet, hat genug Zeit für eine Wanderung und ein Mittagessen, bevor das Tal am Nachmittag wieder im Schatten liegt.
Gibt es Möglichkeiten für Familien mit Kindern?
Die Bachläufe im Tal sind im Sommer flach genug zum Planschen, und die unteren Wanderwege verlangen keine alpine Erfahrung. Für Kleinkinder bleibt der Aktionsradius begrenzt, aber ein Nachmittag am Wasser funktioniert gut.
Ist das Gebiet auch im Winter interessant?
Wer Schneeschuhwandern mag oder einfach ein leeres Tal sucht, findet es hier. Skigebiet gibt es keines in Ala di Stura selbst – dafür ist Lanzo oder Usseglio der richtige Anlaufpunkt.
Fazit
Dieses Dorf ist nichts für jemanden, der Abwechslung im Stundenrhythmus braucht. Aber wer ein piemontesisches Alpental ohne Après-Ski-Betrieb, ohne Souvenirläden und ohne Inszenierung erleben will, findet hier genau das. Wanderer, die das Schweigen der Hochlagen der Bequemlichkeit vorziehen, und alle, die Turin kennen und wissen wollen, was hinter der Stadt in die Berge führt – für die ist Ala di Stura ein echter Treffer. Man kommt nicht, weil es bekannt ist. Man kommt, weil es das Gegenteil davon ist.