Alberobello – Gemeinde in Italien

Gemeinde in Italien

Wer die Biegung der Landstraße nimmt und plötzlich diese weißen Kegelspitzen aus dem Olivengrün der Murgia herausragen sieht, hält unwillkürlich an. Alberobello liegt im Herzen Apuliens, Valle d'Itria, und es sieht aus wie nirgendwo sonst auf der Erde. Über 1.500 Trulli – jene runden Steinhäuser mit grauen Konusdächern und kalkweißen Wänden – drängen sich auf zwei Hügeln zusammen. Das ist kein Freilichtmuseum. Hier brennt abends Licht hinter den kleinen Fenstern, hängt Wäsche auf den Terrassen, schimpft jemand auf einen verspäteten Lieferanten.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Das Rione Monti ist das Herz der Stadt: Hunderte Trulli fallen die Hanglange hinunter, die Gassen dazwischen so schmal, dass zwei Menschen mit Rucksäcken kaum aneinander vorbeikommen. Das Rione Aia Piccola gegenüber ist ruhiger, wohnlicher – hier leben noch echte Familien, und auf den Stufen sitzt mittags die Nonna mit ihren Bohnen. Der Trullo Sovrano am oberen Ortsrand ist der einzige zweistöckige Trullo Apuliens, mit echten Zimmern und einer Wendeltreppe aus Stein. Die Chiesa di Sant'Antonio thront über dem Rione Monti – ein Gotteshaus als Trullo, gebaut 1926, innen schlicht, außen völlig irre schön.

Natur & Umgebung

Die Murgia dei Trulli ist kein Gebirge, aber auch keine flache Einöde. Sanfte Kalksteinhochflächen, Olivenhaine so alt, dass die Stämme sich selbst zu verknoten scheinen, dazwischen Trockensteinmauern, die niemand mehr zählen kann. Zwischen Alberobello und Locorotondo zieht ein Wanderweg durch die Valle d'Itria, vorbei an verlassenen Trulli, die langsam ins Gestrüpp versinken. Das Meer bei Polignano a Mare ist eine gute Stunde entfernt. Im Frühjahr blühen die Mandelbäume weiß über den roten Lehmwegen – das riecht man schon von weitem.

Essen & lokale Spezialitäten

In den Trattorie rund um den Rione Aia Piccola kommt Orecchiette mit Cime di Rapa auf den Tisch, das Bittergemüse aus eigenen Gärten, nicht aus der Tiefkühltruhe. Dazu Burrata, die hier wirklich noch nach Milch schmeckt, und Friselle, die harten Brotscheiben, die man im Wasser einweicht und mit Tomaten belegt. Auf dem kleinen Wochenmarkt verkauft ein alter Mann Taralli in einer Papiertüte – gebacken mit Fenchelsamen, warm, etwas ölig. Der lokale Primitivo ist dunkel und schwer, trinkt sich beim Mittagessen im Schatten aber erstaunlich leicht weg.

Praktische Infos

Mit dem Auto kommt man am besten von Bari, etwa eine Stunde südlich. Es gibt eine Bahnverbindung über die Ferrovie del Sud Est ab Bari oder Taranto, langsam, aber die Fahrt durch die Weinberge und Olivenhaine der Murgia ist es wert. Übernachten im Trullo ist möglich und kein Gimmick – viele sind als B&Bs ausgebaut, kühl im Sommer durch die dicken Steinwände. Mai und Oktober sind die besten Monate: Das Licht ist weich, die Hitze erträglich, die Gruppen kleiner. August ist heiß und voll – wer Stille sucht, fährt dann woanders hin.

Häufige Fragen

Kann man in einem echten Trullo übernachten oder sind das nur Kulissen?

Man kann wirklich darin schlafen. Viele Trulli im Ort sind als Ferienwohnungen oder kleine B&Bs vermietet, mit allem Komfort – die Steinmauern halten im Sommer die Hitze draußen, im Winter die Kälte rein, also Schlafsack nicht vergessen.

Ist Alberobello nur einen Tagesausflug wert oder lohnt eine längere Reise?

Ein Tag reicht für die Sehenswürdigkeiten, zwei Tage geben dem Ort seinen Rhythmus. Wer die Umgebung – Locorotondo, Ostuni, Cisternino – mitnimmt, braucht eine Woche und bereut keine Minute.

Was kostet der Eintritt in die wichtigsten Trulli?

Das Rione Monti und Rione Aia Piccola sind frei zugänglich, es sind öffentliche Straßen. Für den Trullo Sovrano zahlt man einen kleinen Eintrittsbetrag, wenige Euro, der sich für das Innere lohnt. Die Kirche Sant'Antonio ist kostenlos.

Fazit

Alberobello ist keine Erfindung des Tourismus – es ist ein echter Ort, der zufällig so aussieht, als hätte ihn jemand für ein Märchenbuch gezeichnet. Wer Apulien verstehen will, kommt hierher, aber wer nur Fotos schießen und weiterfahren will, verpasst das Eigentliche. Für Architekturverliebte, für Menschen die früh aufstehen und die leeren Gassen vor dem Frühstück alleine haben wollen, für alle die langsam reisen – dieser Ort zahlt Geduld mit Stimmung zurück, die sich schlecht erklären, aber gut erinnern lässt.