Anacapri – Gemeinde in Italien
Gemeinde in Italien
Oben auf Capri liegt eine andere Welt. Während unten in der Piazzetta die Designer-Boutiquen glänzen und Yachten auf Reede schaukeln, atmet Anacapri stiller, weißer, fast griechisch. Die Häuser ducken sich hinter Bougainvillea-Vorhänge, die Gassen riechen nach Zitronenblüte und warmem Stein. Wer die Standseilbahn aus Capri hinaufnimmt, merkt es sofort: die Luft ändert sich, das Tempo auch. Anacapri ist kein Rückzugsort für alle, aber für alle, die Capri lieben und gleichzeitig Abstand vom Spektakel brauchen, ist es die eigentliche Insel.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
Am Rand der Piazza Vittoria hängen die Sessellifte der Seggiovia Monte Solaro – einzelne rote Stühle, die einen 589 Meter über den Meeresspiegel tragen. Oben auf dem Monte Solaro dreht sich der Blick um 360 Grad: Golf von Neapel, Vesuv, an klaren Tagen bis Sizilien. Wer die Villa San Michele betritt, steht im ehemaligen Heim von Axel Munthe – schwedischer Arzt, Geschichtenerzähler, Sammler. Der Garten fällt steil zur Meeresküste ab. Die Grotta Azzurra liegt auf Meereshöhe am Nordwestfelsen: ein Ruderboot, ein tiefer Atemzug, und man gleitet in kobaltblaues Licht.
Natur & Umgebung
Felsen, Kiefern, Meer – alles auf engem Raum. Vom Monte Solaro aus führt ein Wanderweg durch Macchia-Gestrüpp und Stille bis zur Punta Carena im Südwesten, wo der älteste Leuchtturm Italiens auf weißem Kalkstein steht. Schwimmen ist an felsigen Plattformen möglich, etwa bei Punta Carena selbst – kein Sandstrand, aber glasklares Wasser, das grün aufleuchtet, wenn die Sonne drauf trifft. Im Frühjahr blühen wilde Kapern aus den Mauern. Im September hängt die Luft noch warm, aber die Insel gehört wieder sich selbst.
Essen & lokale Spezialitäten
Auf Capri wächst die beste Zitrone Italiens – die Limone di Capri, dickschalig, intensiv. In Anacapri landet sie als Limoncello in jedem Regal, aber auch als Granita an der Bar. Wer mittags sitzt, bestellt Insalata Caprese: hier kein Kompromiss beim Büffelmozzarella. Ravioli alla caprese, gefüllt mit Caciotta und Majoran, stehen auf fast jeder Karte – der Duft gibt den Takt vor. Auf dem kleinen Markt dienstags in der Via Caprile kaufen Einheimische Gemüse und Käse. Die Trattorien rund um die Piazza Vittoria kochen ehrlich, ohne Terrassen-Aufschlag auf die Aussicht.
Praktische Infos
Capri erreicht man per Fähre oder Tragflächenboot von Neapel, Sorrent oder Positano. Von der Anlegestelle in Marina Grande fährt die Standseilbahn direkt nach Capri-Ort, von dort Busse nach Anacapri – eng, laut, zuverlässig. Wer übernachten will, bucht früh: Die Unterkünfte sind begrenzt, die kleinen Pensionen im Dorfkern füllen sich rasch. Mai und September sind die ehrlichsten Monate – das Licht ist weich, die Fähren noch nicht überfüllt. Im Juli und August pulsiert die Insel an ihren Grenzen. Wer Ruhe sucht, kommt nicht im August an.
Häufige Fragen
Muss ich von Anacapri aus extra nach Capri-Ort fahren, um etwas zu erleben?
Nein. Monte Solaro, Villa San Michele und die Grotta Azzurra liegen alle in Anacapri oder direkt erreichbar. Wer die Piazzetta sehen will, fährt kurz runter – aber Anacapri trägt sich selbst.
Kann man die Grotta Azzurra auch bei Wellengang besuchen?
Nein. Bereits leichter Seegang schließt den Eingang. Der Besuch hängt am Wetter und am Wasserstand. Wer nur einen Tag hat, plant morgens ein und rechnet mit Absage.
Ist Anacapri günstiger als Capri-Ort?
Spürbar, ja. Weniger Designerläden, kleinere Hotels, Trattorien ohne Laufkunden-Aufschlag. Arm wird man trotzdem nicht. Capri bleibt Capri.
Fazit
Wer Capri als Kulisse sucht – Yacht, Aperol, Instagram – fährt nach unten in den Ort. Wer die Insel als Ort begreifen will, bleibt oben. Anacapri ist für Menschen, die früh aufstehen, bevor der erste Fähranleger kommt, die einen Nachmittag auf dem Solaro verbringen und abends in einer kleinen Trattoria Ravioli essen, ohne auf die Uhr zu schauen. Es ist kein Geheimtipp mehr – aber es ist noch kein Spektakel. Dieser schmale Grat macht es aus.