Shopping in Arezzo

Wer in Arezzo morgens losfährt, hat meistens eine klare Route im Kopf. Brot und Aufschnitt holt man in einer der kleinen Alimentari in der Altstadt – nicht im Supermarkt, auch wenn es einen gibt. Abends liegt Käse vom Käsehändler in der Tasche, manchmal ein Stück Bistecca von der Chianina-Fleischerei. Was man hier vergeblich sucht: Große Flagship-Stores, internationale Modeketten, eine lebendige Galeriestraße. Wer H&M oder Zara will, fährt weg. Die meisten Arezzo-Bewohner nehmen das gelassen hin.

Einkaufsstraßen

Der Corso Italia ist die Ader, auf der sich alles verdichtet. Keine besonders breite Straße – wer mit dem Kinderwagen kommt, kämpft. Zwischen neun und zwölf füllt sie sich langsam: Frauen mit Einkaufsnetz, Schüler auf dem Weg zum Tabacchi, Rentner vor der Bar mit dem besten Espresso der Gegend. Die Geschäfte sind eine Mischung aus kleinen Boutiquen, Schuhhändlern und dem unvermeidlichen Telefonladen. Samstags wird es eng – die Straße gehört dann nicht mehr den Einheimischen allein.

Luxus & Designer

Wer ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Tod's will, fährt nach Florenz. Von Arezzo aus sind das keine vierzig Minuten mit dem Zug – und der Zug fährt oft. In Florenz kauft man dann auf der Via Tornabuoni oder in den Geschäften rund um den Ponte Vecchio, was man in Arezzo schlicht nicht findet. Manche fahren auch nach Perugia, besonders für Schuhe. Arezzo selbst hat gute lokale Boutiquen – aber wer ein Label im Kopf hat, sitzt abends im Zug zurück.

Viertel & Boutiquen

Hinter dem Duomo wird es ruhiger – und genau dort kaufen viele Einheimische ein, was Besucher nicht sehen. Ein kleiner Gemüsehändler, dessen Ware auf dem Bürgersteig steht. Eine Fleischerei, in der man keine Nummer zieht, sondern einfach wartet, bis man dran ist. Wer Besucher mitbringt, führt sie zum Piazza Grande – die Einheimischen hingegen kennen die Querstraßen, wo ein Haushaltswarenladen seit zwanzig Jahren dieselben Töpfe verkauft und der Besitzer jeden Stammkunden beim Namen kennt.

Märkte & Spezialitäten

Der große Antikenmarkt auf der Piazza Grande ist bekannt – und er ist real. Jeden ersten Sonntag im Monat stehen dort Händler aus ganz Toskana, der Platz füllt sich früh, und wer Möbel, Silberbesteck oder alte Landkarten sucht, kommt auf seine Kosten. Frisches Gemüse kauft man dort allerdings nicht. Dafür gibt es einen kleineren Wochenmarkt, der sich um den Piazza Sant'Agostino versammelt – Händler mit Tomaten, Zucchini, früh geerntetem Obst. Wer gegen elf kommt, nimmt, was übrig ist.

Einkaufszentren & Outlets

Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man zum Einkaufszentrum außerhalb – das Centro Commerciale Le Chianine liegt südlich der Stadt, gut mit dem Auto erreichbar. Mediaworld für Technik, Decathlon-ähnliche Angebote für Sport. Die Fahrt lohnt sich an einem Werktagnachmittag – samstags staut es sich auf der Zufahrt. Wer keinen Wagen hat, nimmt den Bus, aber der fährt nicht immer günstig. Die Leute hier kennen die Öffnungszeiten auswendig und planen den Ausflug wie eine kleine Expedition.

Besonderheiten

Arezzo ist Goldstadt – das ist kein Marketingbegriff, das sitzt tief. In der Via Seteria und den umliegenden Gassen haben die Goldhändler und kleinen Juweliere ihre Ateliers. Einheimische kaufen hier Trauringe, Taufkettchen, Schmuck zur Kommunion. Man kennt den Goldschmied persönlich, hat vielleicht schon der Großmutter dabei geholfen, hier einzukaufen. Die Preise sind günstiger als in Florenz, die Qualität dieselbe. Wer an einem Dienstagvormittag durch diese Gassen geht, sieht Männer in Kitteln, die mit Lupen arbeiten – kein Touristenspektakel, sondern Handwerk.