Colosso di San Carlo Borromeo (San Carlone)
Du stehst auf einer Plattform, die sich im Innern einer Bronzeschädeldecke befindet, und schaust durch die Augenhöhlen eines Heiligen hinaus auf den Lago Maggiore. Zwanzig Meter unter dir glitzert das Wasser. Der Blick durch diese zwei schmalen Schlitze verändert alles – plötzlich begreifst du, dass dieser kolossale Mann aus Metall nicht die Landschaft überragt, sondern sie bewacht.
Blick von unten auf Gewand und Arm des Sancarlone in Arona © Alessandro Vecchi, CC BY-SA 3.0
Geschichte
Das Projekt begann 1614, kurz nach der Heiligsprechung von Carlo Borromeo, dem Erzbischof von Mailand, der während der Pest von 1576 unter den Sterbenden blieb. Der Auftraggeber war Federico Borromeo, sein Cousin und Kardinal, der ein sichtbares Zeichen der Gegenreformation brauchte. Der Bildhauer Giovan Battista Crespi, genannt Il Cerano, entwarf die Statue im Stil des Barocks. Fertiggestellt wurde sie erst 1698 von Bernardo Falconi. Der Sockel birgt eine kaum beachtete Kapelle, deren Fresken direkt auf Carlo Borromeos Pestarbeit anspielen.
Erleben
Komm an einem Dienstagmorgen im Oktober. Dann bist du fast allein auf dem bewaldeten Hügel. Das Herbstlicht trifft den grün oxidierten Bronze-Mantel von schräg hinten und gibt der Figur etwas seltsam Atmenderes. Von unten, von der Seepromenade in Arona aus, wirkt er fast still. Doch je näher du kommst, desto stärker kippt das Verhältnis – der Heilige wächst und du schrumpfst, Schritt für Schritt, ganz konkret.
Insider-Tipp
Die wenigsten Besucher wissen, dass man tatsächlich in den Statuen hineinsteigen kann – durch eine enge Wendeltreppe im Sockel, hoch bis in den Kopf. Wer schmal genug ist, erreicht die Schulterpartie. Dort, im Torso, sind die einzelnen Bronze-Segmente mit einfachen Nieten verbunden, sichtbar wie bei einem antiken Schiff. Der Schlosserhandwerk-Charakter dieser Riesenstatue ist von innen viel deutlicher als jede kunsthistorische Beschreibung es je vermitteln könnte.
Besuchstipp
Kein Audioguide nötig – nimm stattdessen eine halbe Stunde für den Aufstieg durch den Wald und lass den Kopf frei. Danach gehst du die Via Cavour in Arona hinunter, setzt dich ins Caffè del Porto direkt am See und bestellst einen Aperol mit Blick auf die Statue. Von dort sieht sie winzig aus. Das Größenverhältnis im Kopf sortiert sich von selbst.
Nahaufnahme des Gesichts und Kopfes der Kolossalstatue des San Carlo in Arona © Gianni Careddu , CC BY-SA 4.0
Häufige Fragen
Kann man wirklich in den Colosso di San Carlo Borromeo (San Carlone) hineingehen und bis zum Kopf aufsteigen?
Ja, sofern die Statue geöffnet ist – was saisonal variiert, meist April bis Oktober. Der Aufstieg führt durch eine enge Metalltreppe im Inneren des Sockels und der Figur bis auf Schulterhöhe. Wer unter 1,70 Meter ist und keine Platzangst kennt, kommt problemlos durch.
Wie lange brauche ich für einen Besuch des Colosso di San Carlo Borromeo (San Carlone) inklusive Aufstieg?
Rechne mit 90 Minuten: 20 Minuten Fußweg vom Parkplatz durch den Wald, 30 Minuten für den Innenaufstieg und die Aussicht, den Rest für die Kapelle im Sockel und den Abstieg. Wer nur von außen schaut, kommt mit 45 Minuten aus.
Was kostet der Eintritt zum Colosso di San Carlo Borromeo (San Carlone) und ist eine Voranmeldung nötig?
Der Eintritt für den Innenaufstieg kostet aktuell rund 4 Euro, der Zugang zum Gelände darunter ist frei. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, aber an Wochenenden im Sommer bildet sich mittags eine Schlange – wer vor 10 Uhr kommt, geht ohne Warten hinein.
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