Shopping in Biella

Wer morgens in Biella unterwegs ist, trägt abends Käse vom Feinkosthändler nach Hause, vielleicht ein Stück Stoff vom Wollhändler, selten beides aus demselben Laden. Die Stadt versorgt sich selbst bei Lebensmitteln, beim Bäcker, beim Metzger – das funktioniert. Wer aber ein Paar Markenturnschuhe oder ein Designersofa sucht, schaut schon beim Suchen aus der Stadt hinaus. Biella ist kein Shoppingziel. Es ist eine Stadt, in der Einheimische wissen, wo was ist – und Besucher das nicht merken.

Einkaufsstraßen

Die Via Italia ist die Ader, auf der sich Biella zwischen neun und zwölf Uhr sortiert. Keine besonders breite Straße, aber dicht: Rentner mit Einkaufsrollern, Mütter mit Kinderwagen, dazwischen ein Espresso an der Bar. Die Läden hier sind nicht spektakulär – Schuhe, Haushaltswaren, eine Apotheke, ein Optiker. Wer gegen zehn Uhr die Straße hinaufläuft, sieht die Stadt bei der Arbeit: kurze Gespräche vor der Tür, ein Winken rüber, ein Tütchen wird gereicht. Das ist Biella unter der Woche.

Luxus & Designer

Wer in Biella ein gutes Hemd von Zara, Massimo Dutti oder ein Paar Schuhe von Geox will, fährt nach Turin. Die Strecke sind etwa sechzig Kilometer, mit dem Auto kaum mehr als eine Stunde. Dort wartet die Via Roma mit allem, was hier fehlt. Die Bielleser machen das nicht ungern – ein Samstag in Turin ist für viele kein Aufwand, sondern ein Ausflug. Was sie in Biella selbst kaufen: Stoff. Wolljacken. Dinge, für die andere nach Biella fahren.

Viertel & Boutiquen

Im alten Piazzo, dem hoch gelegenen Stadtteil, gibt es einen kleinen Laden, den man leicht übersieht – keine Werbung, kein Schild das schreit, nur eine offene Tür und der Geruch von altem Holz und Käse. Einheimische kennen solche Stellen auswendig. Der Piazzo ist ohnehin kein Touristenviertel im üblichen Sinne: Die Leute dort oben kaufen beim Nachbarn, beim Bekannten, beim Mann, der seit zwanzig Jahren dieselbe Ecke hat. Besucher laufen daran vorbei, weil es kein Schild gibt, das sie aufhält.

Märkte & Spezialitäten

Dienstags und freitags steht auf dem Piazza Vittorio Veneto ein Markt – kein großes Spektakel, aber verlässlich. Gemüsehändler aus dem Umland, ein Stand mit Arbeitskleidung, einer mit Haushaltstextilien. Die Frauen, die hier einkaufen, kennen die Händler beim Namen und verhandeln nicht – sie fragen einfach nach dem Besten der Woche. Wer frisches Gemüse außerhalb der Markttage sucht, geht zu einem der kleinen Lebensmittelläden in den Wohnvierteln. Die haben keine Auslage, aber immer etwas Gutes hinten.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man aus Biella hinaus Richtung Vigliano Biellese oder weiter nach Vercelli – dort gibt es die üblichen großen Elektronikmärkte, ausreichend Parkplatz, genug Auswahl. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will: Wer nur schauen möchte, bleibt in Biella. Sportschuhe kaufen viele inzwischen online, aber wer sie anfassen will, fährt ebenfalls raus oder nutzt den Samstagsausflug nach Turin gleich für beides. Biella hat keinen eigenen Fachmarkt dieser Größe.

Besonderheiten

Das eigentliche Pfund, mit dem Biella wuchert, ist Wolle. Die Region hat seit Jahrhunderten Textilindustrie – und wer weiß, wo er klingeln muss, kauft Stoffe, Decken oder Hemden direkt bei den Produzenten. Lanifici im Umland, manche mit kleinem Werksladen, verkaufen Qualitäten, die in Mailänder Boutiquen das Dreifache kosten. Einheimische fahren dorthin vor Weihnachten oder wenn Besuch aus Deutschland kommt. Man kauft dort nicht spontan – man kennt jemanden, der jemanden kennt. Das ist Biella in einem Satz.