Bono – Gemeinde in Italien
Gemeinde in Italien
Mitten im Herzen Sardiniens, wo die Provinz Sassari in die Nuoro-Region übergeht, liegt Bono auf rund 700 Metern Höhe – und die Luft riecht hier nach Kork und Harz. Das Dorf klammert sich an die Flanken des Goceano-Bergmassivs, umgeben von alten Korkeichenwäldern, die man tatsächlich rauschen hört, wenn der Wind kommt. Rund 3.500 Menschen leben hier, viele davon in Familien, die seit Generationen Schafe halten oder Holz verarbeiten. Wer von Sassari hierher fährt, merkt: Die Insel hat viele Gesichter, und dieses ist kein touristisches.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
Die Chiesa di San Michele Arcangelo steht im alten Ortskern, mit einer Fassade aus dunkelgrauem Trachytstein, der im Abendlicht fast violett wirkt. Wer anklopft, findet vielleicht die Küsterin, die ohne Eile aufschließt. Außerhalb von Bono, auf einem Basalthügel, erhebt sich das Castello di Burgos – eine normannisch-aragonesische Ruine, die über das gleichnamige Nachbardorf wacht. Direkt darunter dehnt sich die Foresta di Burgos aus, ein dichter Staatsforst mit alten Eichen und Korkeichenstämmen, die aussehen wie von Hand gedrechselt. Der Nuraghe Loelle liegt abseits einer Schotterstraße – keine Absperrung, kein Schild, nur Steine, Stille und Macchia-Duft.
Natur & Umgebung
Das Goceano-Massiv gibt dem Ort seinen Rücken. Die Hügel drumherum sind nicht dramatisch – sie sind ausdauernd grün, auch im Sommer, weil die Höhenlage Feuchtigkeit hält. Wanderwege führen durch Korkeichenbestände, an denen man die rotgeschälten Stämme nach der Ernte sieht, orange wie frische Wunden. Der Lago Cucchinadorza liegt wenige Kilometer entfernt und liegt meistens still da, ohne Motorboote. Wer früh morgens in den Wald geht, trifft auf Hirsche – keine Seltenheit im Burgos-Forst, wo Tiere mehr Platz haben als Menschen.
Essen & lokale Spezialitäten
Hier isst man Agnello alla brace, Lamm direkt von der Glut, mit nichts als grobem Salz und Zeit. In den kleinen Bars im Ortszentrum steht morgens Seadas auf der Theke – frittierte Teigtaschen mit Schafskäse und Honig, noch warm. Der Pecorino Sardo aus der Region ist kein Supermarktprodukt: Er reift in Kellern, riecht nach Schaf und Gras, und man kauft ihn am besten direkt bei einem der kleinen Produzenten am Ortsrand. Cannononau wird hier nicht zelebriert, sondern einfach getrunken – ein Glas zum Mittagessen, selbstverständlich.
Praktische Infos
Mit dem Auto ist Bono über die SS128bis von Sassari in knapp einer Stunde erreichbar. Ohne eigenes Fahrzeug wird es schwierig – Busse fahren, aber selten. Übernachten kann man in kleinen Agriturismi in der Umgebung; wer im Dorf selbst schlafen will, fragt am besten in der Bar nach – irgendjemand vermietet immer ein Zimmer. Die beste Reisezeit ist April bis Juni und September: Die Hitze fehlt, die Wälder leuchten. Im August füllt sich auch Bono mit sardischen Familien, die aus den Küstenstädten zurückkommen – und dann riecht es abends nach Grill.
Häufige Fragen
Kann man Nuraghe Loelle einfach so besichtigen?
Ja. Es gibt keine Eintrittskasse und keine festen Öffnungszeiten. Eine Schotterpiste führt hin, das letzte Stück geht man zu Fuß. Festes Schuhwerk reicht, mehr braucht es nicht.
Ist die Foresta di Burgos frei zugänglich?
Weitgehend ja. Forstwege sind begehbar und befahrbar. In den Sommermonaten gelten Brandschutzregeln, manche Bereiche werden dann gesperrt – am besten vorher beim Gemeindebüro kurz nachfragen.
Was ist das nächste größere Zentrum, wenn ich etwas brauche?
Sassari liegt rund 70 Kilometer nordwestlich und hat alles. Wer Richtung Süden fährt, erreicht Nuoro in etwa einer Stunde – dort gibt es auch das bemerkenswerte Museo Etnografico Sardo, falls man nach Kultur sucht, die über die Region erklärt.
Fazit
Wer Sardinien zwischen Strand und Postkarte kennt, versteht in Bono, was das Innere der Insel wirklich ist: hartnäckig, still, eigensinnig schön. Dieser Ort eignet sich nicht für drei Tage Programm – er eignet sich für Menschen, die einen Nuraghen alleine besuchen wollen, Pecorino direkt beim Schafhalter kaufen und abends ohne Plan durch einen Korkeichenwald laufen. Wer das sucht, findet hier mehr als genug. Wer eine Strandliege erwartet, fährt zwei Stunden weiter zur Küste.