Borgia – Gemeinde in Italien

Gemeinde in Italien

Die Provinz Catanzaro, Kalabrien, kurz vor der Küste des Ionischen Meeres – hier liegt ein kleines Dorf, das einen großen Namen trägt. Wer durch Borgia fährt, riecht zuerst den Eukalyptus, der die Straßen säumt, und sieht dann die Silhouette des normannischen Schlosses über dem Dorf. Die eigentliche Geschichte dieser Gemeinde spielt sich jedoch ein paar Kilometer tiefer ab, wo Scolacium, eine der bedeutendsten Römer- und Byzantinerstädte Kalabriens, aus Olivenhainen herausragt. Borgia ist der stille Bewacher eines außerordentlich alten Erbes.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Das Castello Normanno-Svevo steht auf einem Hügel über dem Dorf und wacht seit dem Mittelalter über das Tal. Die Mauern sind rau, das Mauerwerk wechselt zwischen normannischen und späteren Schichten. Unten, im Parco Archeologico di Scolacium, wandert man zwischen Olivenbäumen durch ein römisches Amphitheater, dessen Stufen noch klar erkennbar sind. Die Basilica di Santa Maria della Roccella ragt dort aus dem Boden – ein byzantinisches Kirchenruinengebäude aus dem 11. Jahrhundert, halb zerfallen, halb Skulptur. Das Museo Nazionale di Scolacium bewahrt Fundstücke direkt am Ausgrabungsort. Die Chiesa di San Nicola di Bari im Dorfkern öffnet dienstags vormittags, wenn die alte Sakristafrau die schwere Holztür aufschließt.

Natur & Umgebung

Borgia sitzt auf einer Hügelzunge zwischen dem Ionischen Meer und dem Hinterland der Sila-Ausläufer. Nach Osten fällt das Land sanft ab – zehn Minuten Fahrt, und man steht an langen, leeren Stränden bei Squillace. Die Küstenlinie hier ist flach, das Wasser im Frühsommer noch glasklar und kaum besucht. Nach Westen beginnt das Kalabrien der Schluchten und Wälder. Olivenhaine prägen die unmittelbare Umgebung, alte Bäume mit verdrehten Stämmen, durch die im April das Licht fällt wie durch Kirchenfenster. Wanderwege sind nicht ausgeschildert – man fragt im Dorf oder folgt den Trampelpfaden.

Essen & lokale Spezialitäten

Kalabrien kocht scharf und ehrlich. In Borgia selbst gibt es eine kleine Bar, wo morgens das Cornetto warm ist und der Espresso dunkel und kurz. Wer mittags essen will, fährt ins nahegelegene Squillace oder sucht eine Agriturismo in den Hügeln. Auf dem Tisch landen 'Nduja – die streichfähige, feurige Salami der Region – auf Brot oder in der Pasta. Dazu Pecorino aus der Provinz, eingelegte Auberginen in Öl, frischer Schwertfisch von der Küste. Den lokalen Cirò-Wein aus der benachbarten Küstenregion bekommt man überall in kleinen Flaschen ohne Etikett.

Praktische Infos

Catanzaro Lido ist der nächste Bahnhof, etwa 15 Kilometer entfernt. Ohne eigenes Auto kommt man in Borgia kaum wirklich an – Busse fahren selten und mit kalabrischer Freiheit gegenüber Fahrplänen. Die beste Reisezeit ist Mai bis Juni: Die Olivenhaine blühen noch nicht, die Hitze ist erträglich, der Parco Scolacium ist frisch und leer. August ist heiß und laut, die Küste füllt sich mit Städtern aus Catanzaro. Übernachten geht am besten in einem der Agriturismi zwischen Borgia und Squillace – einfach, günstig, und morgens riecht es nach Tomaten und Holzfeuer.

Häufige Fragen

Kann ich den Parco Archeologico di Scolacium einfach so besuchen, oder brauche ich eine Reservierung?

Eine Reservierung braucht man normalerweise nicht. Der Park hat feste Öffnungszeiten, die sich saisonal ändern – montags ist oft geschlossen. Am besten vorher kurz die offizielle Website des Museo Nazionale di Scolacium checken oder telefonisch nachfragen, denn kalabrische Öffnungszeiten sind zuweilen flexibel.

Gibt es in Borgia selbst Restaurants, oder muss ich in die Umgebung fahren?

Borgia ist klein. Eine feste Restaurantszene gibt es nicht im Dorf selbst. Wer gut essen will, fährt nach Squillace oder sucht gezielt nach einem Agriturismo in den Hügeln – dort ist das Essen oft hausgemacht und die Portionen großzügig.

Lässt sich Borgia gut mit anderen Orten in Kalabrien kombinieren?

Ja, gut sogar. Squillace mit seiner Altstadt liegt direkt nebenan. Catanzaro ist in 20 Minuten erreichbar. Wer die Sila-Hochebene sehen will, fährt von hier aus bergwärts. Borgia eignet sich als ruhige Basis für das mittlere Kalabrien – man muss nicht jeden Abend zurückkehren, aber man kann.

Fazit

Wer nach Kalabrien fährt, um Ausgrabungen in Olivenhainen zu erleben und dabei niemanden zu treffen, ist in Borgia richtig. Das ist kein Ort für einen Ausflugstag von der Küste, sondern für jemanden, der versteht, dass die beste archäologische Stätte Kalabriens in einem Dorf liegt, das kaum jemand kennt. Familien mit Kindern, Geschichtsinteressierte und alle, die Kalabrien abseits der üblichen Küstenroute suchen, finden hier etwas Echtes. Wer ein Hoteldorf mit Abendunterhaltung sucht, fährt weiter.