Die Lauben (Portici) – historische Laubengänge
Mitten im Sommer regnet es in Bozen – und auf der Hauptstraße bleibt kein Mensch nass. Das ist kein Zufall und kein modernes Stadtplanerglück. Rund 50 Arkaden ziehen sich durch die Altstadt, manche kaum zwei Meter breit, andere weit genug für einen Marktstand, ein Gespräch, einen Streit. Wer hier läuft, läuft in einem System, das seit dem Mittelalter funktioniert – und kaum jemand fragt, warum die Bögen alle unterschiedlich hoch sind.
Lichthof unter den Lauben in Bozen – Blick in einen der historischen Innenhöfe © Bartleby08, CC BY 4.0
Geschichte
Im 13. Jahrhundert wuchs Bozen zur Handelsstadt heran. Die Kaufleute, die von der Etsch hinauf nach Nordeuropa zogen, brauchten Schutz – vor Regen, vor Sonne, vor Konkurrenten. Die Stadt verordnete: Wer neu baut, baut mit Laube. Erdgeschoss öffentlich, Obergeschoss privat. In der Kommunalzeit entstanden so Block für Block jene gemauerten Gänge, die keine einheitliche Handschrift tragen. Jeder Bauherr interpretierte die Pflicht anders. Manche Bögen sind spitz wie Kathedralgotik, andere flach wie Kaufmannsnüchternheit. Das Ergebnis ist kein Ensemble – sondern ein Archiv aus Einzelentscheidungen.
Erleben
Wer durch die Lauben geht, geht unter anderen Decken. Auf wenigen hundert Metern wechseln Kreuzgratgewölbe, einfache Flachdecken und verwitterter Kalkstein einander ab. Die Bögen werfen je nach Sonnenstand scharfe oder weiche Schatten auf den Gehweg. Innen riecht es nach altem Putz und frischem Espresso – denn viele der Lokale öffnen direkt in die Laube hinein. Der Übergang von Außen zu Innen existiert hier kaum. Die Stadt ist gleichzeitig Dach und Straße.
Insider-Tipp
Die engste und am wenigsten fotografierte Passage liegt in der Silbergasse, kurz vor der Kreuzung zur Dominikanerkirche. Dort drücken sich die Bögen auf unter zwei Meter Breite zusammen – und der Laubengang fühlt sich plötzlich wie ein Korridor an, nicht wie eine Straße. Am frühen Morgen, kurz nach sieben, wenn die Händler ihre Rollläden hochziehen, steht man in einem Licht, das diagonal durch die Bögen fällt. Kein Besucher, kein Gedränge. Nur Bozen beim Aufwachen.
Besuchstipp
Komm um halb acht morgens in die Lauben, wenn die Bäcker aus den Seitentüren Kartons schleppen und das Licht von Osten flach durch die Bögen schneidet. Dann siehst du, wie der Stein verschiedene Farben hat – grau, gelblich, fast rosa. Setz dich an den kleinen Tisch vor dem Café Rössl an der Laubengasse. Einen Cappuccino bestellen, nach oben schauen. Die Decke über dir wurde von einem Kaufmann aus dem 14. Jahrhundert bezahlt.
Häufige Fragen
Wie lange brauche ich, um Die Lauben (Portici) – historische Laubengänge vollständig zu erkunden?
Der Hauptstrang von der Mustergasse bis zur Dominikanerkirche ist in 20 Minuten abgelaufen. Wer aber in die Seitengassen abbiegt, etwa in die Silbergasse oder die Bindergasse, und die Unterschiede zwischen den Bögen bewusst wahrnimmt, braucht gut eine Stunde. Kombiniert mit einem Stopp am Obstmarkt nebenan wird daraus ein halber Vormittag.
Sind Die Lauben (Portici) – historische Laubengänge auch bei Regen einen Besuch wert?
Gerade dann. Regen ist hier kein Hindernis, sondern der Beweis, dass das System noch immer funktioniert. Während außen der Pflasterstein glänzt, bleibt der Boden unter den Bögen trocken. Der Kontrast zwischen nassem Licht und trockenem Gewölbe lässt die Konstruktion besonders plastisch wirken.
Was unterscheidet Die Lauben (Portici) – historische Laubengänge von ähnlichen Laubengängen in Bologna oder Padua?
In Bologna sind die Portici weitgehend einheitlich – ein staatliches Planungsprojekt. In Bozen ist das Gegenteil wahr: Jeder Bogen erzählt von einem anderen Besitzer, einer anderen Epoche, einem anderen Geldbeutel. Diese Uneinheitlichkeit ist kein Mangel, sie ist die eigentliche Qualität des Ensembles.
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