Morgens geht hier fast niemand in den Supermarkt. Die Frau vom Eckhaus kauft ihr Brot beim Fornaio, der schon um sieben aufhat, und die Fischhändler am Hafen kennen ihre Stammkunden beim Namen. Was in der Einkaufstasche am Abend fehlt: internationale Modemarken, Designerläden, ein Kaufhaus. Wer das sucht, fährt nach Lecce oder Taranto. Brindisi versorgt sich selbst mit dem, was täglich gebraucht wird – der Rest ist Entscheidung, nicht Mangel.
Einkaufsstraßen
Der Corso Garibaldi ist die Straße, auf der sich zwischen neun und zwölf Uhr alles abspielt. Keine breite Prachtstraße – eher ein langer, leicht abfallender Korridor zwischen Altstadt und Hafen. Vormittags schieben sich Rentner, Mütter mit Kinderwagen und Schüler auf dem Weg zur Schule aneinander vorbei. Die Läden hier sind keine Ketten: Schreibwaren, ein Optiker, eine Boutique mit Damenmode im Fenster, das seit drei Jahren dasselbe Kleid zeigt. Wer hier einkauft, grüßt den Inhaber.
Luxus & Designer
Wer in Brindisi ein gutes Paar Schuhe von Geox oder ein Hemd von einem bekannten italienischen Label sucht, fährt nach Lecce. Das sind knapp vierzig Kilometer – eine halbe Stunde auf der Schnellstraße. Lecce hat das, was Brindisi nicht hat: eine Via Trinchese mit echten Markenketten, ein dichteres Angebot an gehobener Mode, mehr Auswahl bei Schuhen und Accessoires. Die Brindisini fahren das nicht ungern – Lecce ist ohnehin ein Ausflug wert, und den Einkauf nimmt man dann gleich mit.
Viertel & Boutiquen
Wer im Rione Casale oder in den Gassen hinter der Cattedrale einkauft, braucht keine Schilder. Der Metzger dort hat kein Schaufenster, das sich lohnt zu fotografieren – aber sein Fleisch kommt vom Bauern aus dem Inland, und die Stammkundschaft steht schon um acht Uhr vor der Tür. Besucher laufen durch diese Gassen, ohne zu stoppen. Einheimische wissen, dass es die kleinen Läden ohne Aushängeschild sind, bei denen man fragt, was heute gut ist – und eine ehrliche Antwort bekommt.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags gibt es in Brindisi einen Straßenmarkt. Wer früh kommt, findet Gemüse aus der Murgia, Zwiebeln aus dem Salento, manchmal Feigen, die noch warm von der Sonne sind. Die Händler kennen ihre Ware – und sagen es, wenn etwas nicht gut ist. Zwischen den Gemüseständen: Haushaltswaren, Kleidung, Stoffe. Das Markttreiben ist laut, schnell und ehrlich. Wer mittags kommt, findet leere Kisten und nasse Gehwege. Der Markt wartet nicht.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man raus – an den Stadtrand Richtung Superstrada, wo die großen Elektronikmärkte und Möbelhäuser stehen. Euronics gibt es dort, auch ein paar Möbelketten. Die Fahrt dauert keine zwanzig Minuten, aber ohne Auto ist es umständlich. Sportschuhe kaufen die jüngeren Brindisini oft lieber in Lecce oder online – die Auswahl vor Ort bei Intersport oder ähnlichen Läden ist da, aber nicht groß. Der Stadtrand-Ausflug lohnt sich, wenn man weiß, was man will.
Besonderheiten
Das Adriatische Meer liegt vor der Tür – und das schmeckt man. Die Fischhändler am alten Hafen verkaufen Ricci di Mare, Seeigel, die anderswo tiefgefroren im Regal liegen. Hier kommen sie morgens aus dem Wasser. Dazu: die lokale Burrata aus dem Entroterra, die in keinem Supermarkt so frisch landet wie direkt beim Caseificio am Stadtrand. Zu Weihnachten kauft man Cartellate – frittiertes Gebäck mit Feigensirup – beim Pasticciere, der das Rezept seit drei Generationen nicht verändert hat.