Wer in Camogli morgens einkaufen geht, trägt abends Brot, Fisch und vielleicht eine Flasche Wein nach Hause. Der Bäcker kennt die Stammkunden beim Namen, der Fischhändler unten am Hafen weiß, was heute Nacht aus dem Netz gekommen ist. Kleidung, Elektronik, Möbel – das kauft hier niemand. Dafür fährt man nach Recco oder Genua. Camogli versorgt sich mit dem, was täglich gebraucht wird, und lässt den Rest bewusst woanders liegen.
Einkaufsstraßen
Die Via della Repubblica ist nicht die hübscheste Straße im Ort – aber zwischen neun und zwölf Uhr passiert hier alles. Die Einheimischen schieben sich aneinander vorbei, grüßen, bleiben stehen. Vor der Bar trinken zwei Männer ihren Espresso im Stehen. Eine Frau kauft Gemüse, redet dabei mit dem Verkäufer, kauft dabei noch etwas anderes. Die Straße ist schmal, die Häuser hoch, das Licht kommt erst gegen elf durch. Touristen laufen meistens direkt Richtung Hafen – und verpassen genau das.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd oder Schuhe einer bekannten Marke sucht, fährt nach Genua. Das ist keine große Sache – mit dem Zug dauert es rund dreißig Minuten, und man steigt direkt ins Zentrum. Auf der Via XX Settembre stehen die Läden dicht an dicht: von mittelpreisig bis gehobene Marke. Wer etwas Besonderes sucht, fährt in die Galleria Mazzini. Camogli hat dafür keinen Platz und will ihn auch nicht – das ist keine Lücke, das ist eine Entscheidung.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Hafen, weg von der Promenade, gibt es Gassen, in die sich kaum ein Besucher verirrt. Dort kennt man einen kleinen Laden, der Haushaltsware verkauft – Putzmittel, Glühbirnen, Küchengerät. Die Besitzerin sitzt seit Jahren hinter dem Tresen und weiß, was jeder Haushalt im Ort braucht. Kein Schild, das nach außen wirbt. Kein Schaufenster, das einlädt. Einheimische gehen dort hin, weil sie schon immer dort hingegangen sind – und weil die Preise stimmen.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs kommt ein kleiner Markt in den Ort – nicht groß, aber verlässlich. Ein paar Stände mit Gemüse, Obst, manchmal Oliven oder Käse aus der Region. Die Händler kennen ihre Kundschaft, die Kundschaft kennt die Händler. Wer dienstags frisches Gemüse braucht, geht in einen der kleinen Läden in der Via della Repubblica – oder fragt nach, ob jemand im Umland direkten Kontakt zu einem Bauern hat. Das kommt vor, und es funktioniert.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine braucht, fährt nach Recco oder direkt nach Genua. Recco liegt keine zehn Minuten entfernt und hat Läden, die Haushaltsgeräte führen. Für große Elektronikmärkte oder Sportgeschäfte mit breiter Auswahl lohnt sich Genua – dort gibt es alles, was man in einem größeren Einkaufszentrum erwartet. Die meisten Camogliesi machen das einmal im Jahr, wenn es nötig wird, planen die Fahrt bewusst ein und erledigen dann gleich mehrere Dinge auf einmal.
Besonderheiten
Der Fisch vom Hafen ist das Ehrlichste, was Camogli zu verkaufen hat. Morgens legen die Boote an, und wer früh genug da ist, kauft direkt. Keine Verpackung, kein Supermarktlicht – nur das, was in der Nacht gefangen wurde. Dazu kommt das Focaccia aus den örtlichen Bäckereien: außen knusprig, innen weich, mit mehr Olivenöl, als man denkt. Beides kaufen Einheimische hier und nirgendwo sonst. Nicht weil es romantic klingt, sondern weil es anderswo schlicht schlechter schmeckt.