Colonno – Gemeinde in Italien

Gemeinde in Italien

Zwischen Como und Menaggio klebt Colonno förmlich an der Westseite des Comer Sees – die Häuser stapeln sich den Hang hinauf, als hätten sie schlicht keinen anderen Platz. Rund 500 Einwohner, eine schmale Uferstraße, dahinter sofort der Fels. Das Licht hier ist anders als in Como: weicher, von Wasser und Stein reflektiert. Wer morgens früh am Ufer steht, sieht die Isola Comacina im Dunst schwimmen, kaum hundert Meter vom Ufer entfernt. Das ist Colonno – kein Ziel, das man ansteuert, sondern eines, bei dem man bleibt.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Die Chiesa di Sant'Eufemia duckt sich ins Ortsgefüge, ihre Fassade kaum von der Gasse zu unterscheiden – wer nicht sucht, läuft vorbei. Am Ufer öffnet sich der Blick zur Isola Comacina, der einzigen Insel des Comer Sees, mit ihren Ruinen aus dem frühen Mittelalter. Ein Fährmann bringt Besucher hinüber. Wer den Weg nach Ossuccio findet, steht vor dem Sacro Monte – 14 Kapellen ziehen sich den Hügel hinauf, jede mit bemalten Terrakottafiguren, die Bibelszenen ins Drama treiben. Darunter liegt das Santuario della Beata Vergine del Soccorso, still und von alten Zypressen bewacht.

Natur & Umgebung

Der Rücken der Berge fällt hier fast senkrecht in den See. Wer wandert, nimmt den Sentiero del Viandante – einen alten Überlandweg, der oberhalb der Ortschaft entlangführt und Blicke über den gesamten mittleren Seearm freigibt. Im Sommer springen Einheimische vom Ufer direkt ins klare Wasser. Die Vegetation ist mediterran und rau zugleich: Oleander, Feige, Moos auf nassem Kalkstein. Im Frühjahr blühen die Ufer, der Wind bringt Pollengeruch aus den Villengärten von Lenno und Tremezzo herüber. Die Stille zwischen zwei Fähren ist vollständig.

Essen & lokale Spezialitäten

Am See isst man Lavarello – ein Felchen, der hier gebraten oder mariniert auf den Tisch kommt, mit Zitrone und wenig Schnickschnack. Dazu ein Weißwein aus der Oltrepò Pavese, kühl und herb. In Colonno selbst ist die Auswahl klein; wer mittags hungrig wird, fährt fünf Minuten nach Lenno oder Sala Comacina, wo kleine Restaurants direkt am Wasser liegen und die Wirtin noch selbst in der Küche steht. Den Morgen beginnt man an der Bar mit einem Espresso, der zu heiß kommt und trotzdem schnell getrunken ist. So ist das hier.

Praktische Infos

Die Fährlinie ComoColico hält in Colonno – das ist der bequemste Weg, und gleichzeitig die schönste Ankunft überhaupt. Mit dem Auto kommt man über die SS340, die Uferstraße ist eng und im Sommer staugeplagt. Übernachtungen gibt es in kleinen Pensionen und Ferienwohnungen direkt am See; wer mehr Auswahl will, bucht in Menaggio oder Lenno. Die beste Zeit ist Mai oder September: Das Licht ist goldener, die Straße ruhiger, die Einheimischen weniger genervt. Im August ist der See voll, die Fähren brauchen doppelt so lang.

Häufige Fragen

Kann man von Colonno direkt zur Isola Comacina gelangen?

Ja. Von Sala Comacina, wenige Minuten entfernt, fährt ein kleines Fährboot zur Insel. Im Sommer mehrmals täglich, außerhalb der Saison seltener – am besten vorher prüfen.

Lohnt sich der Sacro Monte auch bei schlechtem Wetter?

Ja, sogar besonders. Die Kapellen haben etwas Versunkenes, das Nebel noch verstärkt. Der Weg durch die Kastanien wird rutschig, festes Schuhwerk ist Pflicht.

Gibt es Möglichkeiten zum Schwimmen direkt in Colonno?

Das Ufer ist steinig und ohne Badeinfrastruktur – Einheimische springen einfach rein. Wer einen Sandstrand erwartet, ist hier falsch. Wer das Wasser liebt wie es ist, ist genau richtig.

Fazit

Colonno ist nichts für Menschen, die eine Liste abarbeiten wollen. Es ist ein Ort für alle, die eine Woche lang das Gleiche tun möchten: morgens Kaffee, mittags Boot, abends Fisch. Wer den Comer See kennt und das Übliche satt hat – die großen Villen, die Menschenmengen in Varenna, das Selbstdarstellungsprogramm in Bellagio – findet hier einen anderen Rhythmus. Klein, still, manchmal etwas abweisend. Aber das Licht auf dem Wasser am frühen Abend, wenn die letzte Fähre vorbeizieht und die Wellen gegen die Steine schlagen: Das gibt es nur einmal pro Tag. Und man will es jeden Tag sehen.