Corigliano-Rossano – Gemeinde in Italien
Gemeinde in Italien
Zwei Städte, eine Gemeinde – das ist das Grundrätsel von Corigliano-Rossano. Erst 2018 zusammengelegt, tragen sie ihren Zwist noch heute im Namen. Rossano klebt am Hang der Sila Greca, der kalabrische Steinstaub in den Gassen riecht nach altem Kalk und Oregano. Corigliano liegt etwas tiefer, mit Blick auf die Ionische Küste. Dazwischen rollen Olivenhaine und Likorishgewächse. Diese Gegend produziert mehr Süßholz als irgendwo sonst in Europa – wer das nicht weiß, versteht den Geruch der Luft hier nicht.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
In Rossano Alta steht die Cattedrale di Maria Santissima Achiropita – ein Bau, der innen kühler wirkt als draußen die Sonne vermuten lässt. Das angeschlossene Museo Diocesano bewahrt den Codex Purpureus Rossanensis, ein byzantinisches Evangelienbuch aus dem 6. Jahrhundert, auf lila gefärbtem Pergament mit goldenen und silbernen Lettern – UNESCO-Weltdokumentenerbe. Wer die Seiten sieht, begreift, dass Rossano einmal ein religiöses Machtzentrum war. In Corigliano thront das Castello Ducale über der Altstadt, außen mächtig, innen spärlich restauriert. Die Abbazia del Patire hängt einsam im Wald oberhalb Rossanos – ein normannisch-byzantinisches Mosaikzeugnis, das man nur mit eigenem Auto erreicht.
Natur & Umgebung
Im Norden beginnt die Sila Greca, ein hügeliges Vorland mit Eichenwäldern und stillen Schotterwegen. Wer früh morgens läuft, begegnet eher einem Schäfer als einem anderen Wanderer. Im Süden liegt der Ionische Strand – flach, sandig, im Juli überfüllt, im Mai fast leer. Der Übergang ist abrupt: fünfzehn Minuten Fahrt trennen Bergkühle von Küstenhitze. Am Fiume Corigliano wachsen wilde Likoriszpflanzen direkt am Ufer. Wer hier durchläuft, kaut unwillkürlich auf einem Zweig.
Essen & lokale Spezialitäten
Liquirizia di Calabria – das Süßholz dieser Region trägt das DOP-Siegel und schmeckt intensiver als jedes Bonbon aus dem Norden. Auf dem Markt in Corigliano kauft man es roh oder als schwarze Paste. In den Trattorie der Altstädte landet Fileja, ein handgerolltes Nudelstück, auf dem Tisch – mit Nduja-Sugo, der die Lippen brennt. Dazu trinkt man Cirò, den Rotwein aus benachbarten Weinbergen, der rauer ist als sein Ruf und besser als sein Preis vermuten lässt. Wer morgens früh aufsteht, findet an der Bar am Rossaner Hauptplatz einen Caffè, der keinen Aufpreis braucht.
Praktische Infos
Die nächste Autobahn-Ausfahrt liegt an der A2 bei Sibari, dann noch zwanzig Minuten landeinwärts. Mit dem Zug hält man in Corigliano-Rossano Scalo, dem Bahnhof an der Küste – von dort braucht man ein Auto, die Altstädte liegen höher. Mai und September sind die vernünftigen Monate: Die Hitze fehlt noch, die Massen auch. Übernachten kann man in kleinen B&Bs in Rossano Alta, wo die Gassen am Abend nach Holzrauch riechen. Wer nur das Museo Diocesano besuchen will, plant zwei Stunden ein – und fährt ausgeruht hin, der Codex verlangt Aufmerksamkeit.
Häufige Fragen
Brauche ich unbedingt ein Auto?
Ja. Rossano Alta, Corigliano und die Abbazia del Patire liegen weit auseinander und schlecht verbunden. Wer ohne Auto kommt, sieht vor allem den Küstenstreifen.
Wie lange sollte ich einplanen?
Zwei volle Tage reichen für die Kernpunkte. Ein dritter Tag lohnt sich, wenn man die Sila Greca erkunden oder den Strand in Ruhe genießen will – nicht beides an einem Tag versuchen.
Ist der Codex Purpureus wirklich zugänglich oder oft geschlossen?
Das Museum hat geregelte Öffnungszeiten, die sich saisonal ändern. Vor der Anreise direkt beim Museo Diocesano di Rossano anrufen oder die aktuelle Website prüfen – kleine Häuser in Kalabrien halten eigene Rhythmen.
Fazit
Corigliano-Rossano ist nichts für jemanden, der eine fertig kuratierte Reise erwartet. Wer aber bereit ist, zwischen zwei unterschiedlichen Städten mit einer gemeinsamen Verwaltung und sehr verschiedenen Charakteren zu navigieren, wird belohnt: mit einem der bedeutendsten mittelalterlichen Handschriften Europas in einem fast stillen Museum, mit Küche die nicht für Gäste zurechtgebogen wurde, und mit einer Küstenlandschaft die noch atmet. Kalabrien gibt sich nicht von selbst – aber es gibt sich denen, die nachfragen.