Morgens geht in Crema fast niemand in den Supermarkt. Wer Brot will, läuft zur Bäckerei – und zwar zur eigenen, die er seit Jahren kennt. Die Einkaufstasche am Abend ist klein und gezielt: Käse vom Händler im Zentrum, Wurst vom Metzger, vielleicht noch etwas Gemüse. Was hier fehlt, sind große Modeketten und Elektronikhändler. Wer einen Drucker oder Markenjeans sucht, fährt weg. Die Cremenser wissen das und planen es ein.
Einkaufsstraßen
Die Via Mazzini ist die Ader, auf der Crema wirklich pulsiert. Sie ist nicht breit, aber zwischen neun und zwölf Uhr gehört sie niemandem allein. Rentner stoppen vor der Bar, Mütter schieben Kinderwagen an Schaufenstern vorbei, ein Lieferwagen blockiert kurz die halbe Gasse. Die Läden hier sind keine Ketten – ein Schreibwarenhändler, ein Optiker, ein Schuhladen mit dem gleichen Inhaber seit dreißig Jahren. Wer einmal grüßt, wird beim nächsten Mal erkannt.
Luxus & Designer
Wer in Crema ein Hemd von Canali oder Schuhe von Tod's kaufen will, packt die Tasche und fährt nach Mailand – eine Stunde mit dem Zug. Das ist kein Problem, sondern Normalzustand. Bergamo ist näher und hat eine gute Auswahl in der Città Alta und in den Galerien am Bahnhof. Viele fahren trotzdem nach Mailand, weil sie dort den Nachmittag dranhängen. Was Crema selbst bietet, sind kleine Herrenmodegeschäfte im Zentrum – handverlesene Auswahl, persönliche Beratung, keine Umkleideschlange.
Viertel & Boutiquen
Wer in Crema wohnt, kennt die kleinen Läden rund um den Duomo, die kein Reiseführer erwähnt. Ein Feinkostladen in einer der engen Gassen hinter dem Dom hat Öffnungszeiten, die kein Tourismusbüro kennt – aber die Stammkundschaft weiß, wann der Inhaber da ist. Besucher laufen meistens auf der Hauptachse und verpassen diese Seite. Die Einheimischen kaufen dort ihre Pasta, ihren Wein, ihren Parmesan – nicht weil es billiger ist, sondern weil sie dem Händler trauen.
Märkte & Spezialitäten
Dienstags und samstags findet auf der Piazza Duomo und den umliegenden Gassen der Wochenmarkt statt. Samstags ist er größer und lauter. An den Tischen liegt fast alles: Gemüse aus der Region, Arbeitskleidung, Haushaltswaren, günstiger Schmuck. Die ältere Frau mit dem Gemüsestand kommt aus einem Dorf in der Nähe – was sie nicht mehr hat, ist ausverkauft. Wer Basilikum vom Vortag kaufen will, kommt zu spät. Am Dienstagvormittag ist der Markt ruhiger, dafür parkt man leichter.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man nach Cremona oder Crema selbst hat einen kleinen Gewerbebereich am Stadtrand mit einem Einrichtungsmarkt und einem Elektronikhändler – aber die Auswahl ist begrenzt. Wer vergleichen will, fährt nach Cremona, zwanzig Minuten südlich, oder nimmt den längeren Weg nach Brescia. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will. Wer ohne Plan hingeht, kommt mit dem falschen Gerät zurück.
Besonderheiten
Crema steht in der Lombardei für eines: Mostaccino. Dieses dunkle, gewürzte Gebäck gibt es in der Form, wie es die lokalen Konditoreien herstellen, nirgendwo sonst. Die Pasticcerie im Zentrum verkaufen ihn das ganze Jahr, aber im Herbst und zur Weihnachtszeit kaufen die Cremenser ihn kistenweise – als Geschenk, als Mitbringsel, einfach zum Kaffee. Wer einmal in der Schlange vor einer der alten Konditoreien gestanden hat, versteht, warum diese Stadt auf dieses Gebäck stolz ist.