Domus de Maria – Gemeinde in Italien
Gemeinde in Italien
Ganz unten, wo Sardinien ins Meer fällt – das ist Domus de Maria. Die Gemeinde sitzt im äußersten Süden der Insel, zwischen Cagliari und dem Capo Spartivento, und wirkt an einem Dienstagvormittag im Mai wie stillgelegt: ein paar Männer vor der Bar, ein Hund im Schatten, die Luft schwer von Macchia und Salzwind. Rund 1.700 Menschen leben hier, viele davon von der Landwirtschaft. Das Dorf selbst interessiert kaum jemanden. Die Küste hingegen – die zieht einen hinunter, bevor man überhaupt ausgepackt hat.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
Die Spiaggia di Chia ist der eigentliche Grund, warum die meisten überhaupt hierher kommen: weißer Sand, türkisblaues Wasser, dahinter Sanddünen mit Wacholderbüschen. Oben auf dem Felsen thront die Torre di Chia – ein aragonesischer Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, den man in zehn Minuten erklimmt und von dem aus man die gesamte Küstenlinie überblickt. Die Laguna di Chia dahinter ist ein Flachwassersee, wo im Frühherbst Flamingos rasten – orange Licht, rosa Vögel, absolutes Schweigen. Die Spiaggia Tuerredda liegt ein Stück weiter östlich, noch ruhiger, schwerer zu erreichen. Und wer auf den Hügeln über dem Meer nach Ruinen sucht, findet bei Bithia die Reste einer phönizisch-punischen Siedlung direkt am Wasser – Steine, die ins Meer rutschen, seit Jahrhunderten.
Natur & Umgebung
Die Landschaft hier ist roh. Granite Hügel fallen steil zur Küste ab, dazwischen Macchia – Rosmarin, Zistrose, Mastix – die in der Mittagshitze regelrecht dampft. Wer wandert, folgt am besten dem Küstenpfad zwischen Chia und Tuerredda: sandig, manchmal steil, immer mit Meerblick. Im Frühling blühen die Küstenhänge lila und gelb. Im Sommer badet man in Buchten, für die man anderswo Eintritt zahlen würde. Die Laguna di Chia ist auch ornithologisch interessant – wer früh morgens hingeht, hat sie mit den Flamingos für sich allein.
Essen & lokale Spezialitäten
Sardische Küche bedeutet hier: Bottarga – getrockneter Meeräschenrogen, der über Pasta gerieben wird wie Parmesan – und gebratener Meeräsche aus den Lagunen der Umgebung. Im Ort selbst gibt es wenig, was auf Karte gedruckt ist. Wer gut essen will, fährt an die Küste zur Strandbar oder zu einem der kleinen Agriturismi in den Hügeln, wo der Wirt selbst das Schwein geschlachtet hat. Cannonau aus dem Sulcis – kräftig, tanninreich, nach Erde und dunklen Beeren – gehört zum Abend wie das letzte Licht über dem Wachturm.
Praktische Infos
Der Flughafen Cagliari liegt rund 50 Kilometer entfernt – mit dem Mietwagen ist man in einer knappen Stunde in Chia. Ohne Auto ist man aufgeschmissen: Bus geht, aber selten. Übernachten kann man in Strandhotels direkt bei Chia, in Ferienwohnungen im Dorf oder in Agriturismi in den Hügeln. Die beste Reisezeit ist Mai bis Mitte Juni und September – Wasser warm genug, Strände noch atembar. Im Juli und August ist Chia voll, vor allem mit Sarden aus Cagliari, die jeden Quadratmeter Strand kennen und entsprechend selbstbewusst belegen.
Häufige Fragen
Kann ich Chia und Tuerredda an einem Tag kombinieren?
Ja, aber nicht stressfrei. Zwischen beiden Stränden liegen etwa 8 Kilometer Küste. Mit dem Auto parkt man an beiden Stellen separat und plant dazwischen eine Wanderstunde ein. Wer beide Strände in Ruhe erleben will, braucht zwei Tage.
Sind die Ruinen von Bithia wirklich zugänglich?
Teilweise. Der Zugang ist nicht abgesperrt, aber auch nicht ausgeschildert. Man findet die Stätte auf einem Hügel neben dem gleichnamigen Strand – ein paar Mauern, ein Tempelunterbau, alles windgefegt und unbewacht. Nichts Museales, aber atmosphärisch stark.
Lohnt sich ein Besuch außerhalb der Sommersaison?
Unbedingt. Im April liegt noch Schnee auf dem Gennargentu, aber in Chia blüht die Macchia, die Strände gehören einem allein, und die Flamingos sind in der Lagune. Die meisten Unterkünfte haben allerdings ab Oktober geschlossen – vorher recherchieren.
Fazit
Wer Sardinien als Badeinsel abgehakt hat und glaubt, Chia kenne er vom Foto – der irrt. Dieser Küstenstreifen hat eine eigene Wucht: alte Steine, stille Lagunen, Wasser in Farben, für die Fotografen keine Kalibrierung finden. Domus de Maria ist nichts für den, der Stadtleben sucht oder ein Abendprogramm braucht. Es ist etwas für den, der morgens früh aufsteht, zum Turm hochläuft und versteht, warum die Phönizier hier geblieben sind.