Wer in Erba morgens die Haustür aufmacht, hat es nicht weit. Der Bäcker um die Ecke, der Metzger zwei Straßen weiter – das reicht für den Alltag. Die Einkaufstasche am Abend ist voll mit Brot, Aufschnitt, vielleicht einer Flasche Wein vom Getränkehändler am Ortsrand. Was fehlt: ein großes Kaufhaus, ein Flagshipstore, eine Schuhkette mit Auswahl. Wer Marken sucht oder Technik, plant einen Ausflug. Das weiß hier jeder, und das stört die meisten nicht.
Einkaufsstraßen
Die Via Alessandro Volta ist die Ader, durch die Erba pumpt. Kein breiter Boulevard, keine Palazzi – aber zwischen neun und zwölf Uhr passiert hier alles. Frauen mittleren Alters steuern gezielt die kleinen Geschäfte an, Männer stehen vor dem Bar-Eingang mit dem Espresso in der Hand. Ein Optiker, ein Schlüsseldienst, eine Tabaccheria mit langer Schlange am Morgen – das ist das Zentrum. Touristen laufen vorbei, weil nichts glänzt. Einwohner kommen, weil alles da ist.
Luxus & Designer
Wer in Erba ein Hemd von Canali oder Schuhe von Tod's kaufen will, fährt nach Como. Das sind zwanzig Minuten mit dem Auto, die Straße kennt jeder. Como hat die Geschäfte, die Erba nicht braucht – oder sich nicht leistet. Wer es noch ernster meint, nimmt den Zug nach Mailand. Dort öffnen die großen Namen ihre Türen auf der Via Montenapoleone. Erba schickt seine Leute dorthin ohne Bedauern: für besondere Anlässe gehört die Reise dazu.
Viertel & Boutiquen
Im Ortsteil Albavilla, keine zehn Minuten von der Mitte entfernt, kaufen Einheimische bei Händlern, die kein Schild nach außen hängen. Ein kleiner Weinladen, dessen Besitzer jeden Stammkunden beim Namen kennt – wer neu reinkommt, fühlt sich kurz wie ein Eindringling. Besucher aus der Stadt suchen hier nichts, weil die Fassaden nichts versprechen. Genau deshalb kommen die Einwohner. Wer einmal den richtigen Chiavennasca vom Comer See gefunden hat, kauft ihn nirgendwo anders.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs gehört der Markt auf der Piazza Mercato zu Erba wie der Espresso um acht. Gemüsehändler aus dem Umland stellen ihre Kisten auf, daneben Textilwaren und Haushaltsartikel. Eine ältere Frau mit Rollwagen, der Rentner, der jede Woche dieselbe Standbesitzerin begrüßt – das Publikum kennt sich. Wer Donnerstag schläft, kauft das Gemüse eben beim kleinen Lebensmittelladen im Viertel. Frisch ist es dort auch – nur ohne das Treiben, ohne das Feilschen, ohne das Gefühl, dass der Dienstag schon vorbei ist.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen neuen Kühlschrank oder Laufschuhe fährt man nach Mariano Comense oder direkt nach Cantù, wo die großen Elektronikhändler und Sportgeschäfte sitzen. Eine Viertelstunde auf der Schnellstraße, Parkplatz vorhanden – das ist der Deal. Wer Zeit hat, fährt am Samstagvormittag, wenn die Auswahl groß und die Verkäufer nicht zu beschäftigt sind. Der Rückweg führt manchmal noch durch Erba, wo man beim Metzger hält – weil man schon mal unterwegs ist, und weil der Metzger zu Hause besser ist als jeder Supermarkt auf der Strecke.
Besonderheiten
Der Comer See liegt zehn Minuten entfernt, und das schmeckt man. Agone – der kleine Fisch aus dem See – bekommt man in Erba beim Fischhändler, der seine Ware direkt aus Sala Comacina bezieht. Geräuchert, eingelegt in Öl, oder frisch zum Braten: das kaufen Einheimische zum Sonntag, zu Weihnachten, zu Ostern. Kein Supermarkt führt ihn in dieser Qualität. Wer einmal wissen will, warum die Leute hier mit dem Comer See aufwachsen, kauft diesen Fisch – und kocht ihn langsam.