Wer hier wohnt, teilt sein Einkaufen in zwei Welten. Brot, Gemüse, Kaffee – das regelt man vor Ort, schnell, ohne Auto. Die Einkaufstasche am Abend ist voll mit dem, was der Händler um die Ecke hatte: ein Stück Pecorino, frische Pasta, vielleicht ein paar Tomaten vom Stand draußen. Aber wer ein neues Hemd oder Schuhe braucht, fährt. Ercolano hat wenig Kleidungsläden – und die Einwohner wissen das. Sie planen Neapel ein wie andere Leute einen Supermarkt einplanen.
Einkaufsstraßen
Der Corso Resina ist die Straße, auf der sich alles abspielt – nicht schön, aber lebendig. Morgens zwischen neun und zwölf drängeln sich hier Lieferwagen vor kleinen Läden, Rentner kaufen beim Gemüsehändler, Mütter schieben Kinderwagen um ausgeladene Kisten herum. Die Gehsteige sind schmal, die Läden offen, die Gespräche laut. Ein Metzger, ein Bäcker, eine Bar mit vier Tischen – das alles auf wenigen hundert Metern. Wer den Corso kennt, braucht für den Alltag kaum woanders hin.
Luxus & Designer
Für ein gutes Hemd oder Schuhe mit einem bekannten Namen fährt man nach Neapel – das ist keine Diskussion, das ist Gewohnheit. Die Circumvesuviana bringt einen in zwanzig Minuten in die Stadt, und wer aussteigt, läuft zur Via Toledo oder in die Galleria Umberto I. Dort gibt es Läden, die in Ercolano schlicht nicht existieren. Manche fahren auch ins Centro Commerciale in Portici – schneller, weniger schön, aber praktisch für alles, was man zuhause nicht findet.
Viertel & Boutiquen
Unterhalb der Ausgrabungen gibt es Gassen, in die kein Reiseführer zeigt. Dort kaufen Einwohner bei kleinen Händlern, die kein Schild brauchen, weil jeder sie kennt. Ein Laden verkauft Haushaltswaren – Töpfe, Wäscheleinen, Glühbirnen – so vollgestellt, dass man sich seitlich durch die Regale dreht. Besucher laufen daran vorbei, weil sie die Ausgrabungen suchen. Einheimische halten dort kurz an, kaufen, was sie brauchen, und gehen weiter. Kein Aufwand, kein Theater.
Märkte & Spezialitäten
Am Corso Resina findet sich wochenweise ein kleiner Straßenmarkt, auf dem vor allem Kleidung und Haushaltswaren wechseln – günstig, bunt, laut. Gemüse kauft man aber eher beim festen Stand als auf dem Markt: Ein Händler stellt morgens seine Kisten auf den Gehweg, die Ware kommt aus der Umgebung, und wer früh kommt, bekommt die besten Tomaten. Spät am Vormittag ist vieles weg. Das ist kein System, das ist Gewohnheit – und wer sie kennt, kauft besser.
Einkaufszentren & Outlets
Einen Kühlschrank kauft in Ercolano kaum jemand. Für Elektrogeräte fährt man nach Portici oder direkt nach Neapel – dort gibt es die großen Elektromärkte, und die Fahrt mit dem Auto dauert keine Viertelstunde. Wer Sportschuhe will, fährt ebenfalls dorthin, denn die kleinen Läden vor Ort führen keine großen Marken. Die Fahrt lohnt sich, sobald man mehr als ein, zwei Sachen braucht – dann macht man einen Nachmittag daraus und erledigt alles auf einmal.
Besonderheiten
Direkt am Rand der Ausgrabungen verkaufen einzelne Händler lokale Spezialitäten, die anderswo so nicht auftauchen: in Öl eingelegtes Gemüse aus Familienbetrieben, getrocknete Tomaten von Hängen des Vesuvs, Limoncello aus privater Herstellung. Wer die richtigen Leute fragt, findet jemanden, der Wein aus dem eigenen Garten abfüllt – ohne Etikett, ohne Laden. Einheimische kaufen das zu Festtagen oder wenn Verwandte aus Deutschland zu Besuch kommen. Es ist kein Touristenangebot. Es ist etwas, das man nur bekommt, wenn man hier wohnt.