Parco Fluviale del Picentino
Der Geruch kommt zuerst. Feuchtes Moos, nasse Steine, Minze, die irgendwo am Ufer wächst und die du nicht siehst, nur riechst. Dann das Geräusch: der Picentino, der über Kalkfelsen drückt und ein dauerhaftes, tiefes Rauschen erzeugt, das sich in die Brust legt. Im Juli, wenn die Campania unter 37 Grad ächzt, sinkt die Temperatur hier im Tal spürbar ab. Kein Klimagerät schafft das.
Geschichte
Die Mühlen verraten alles. Entlang des Picentino stehen Ruinen von Getreidemühlen, die in der mittelalterlichen Epoche die Dörfer der Umgebung versorgten. Mahlstein gegen Mahlstein. Fisciano war kein Dorf der Krieger, sondern der Händler und Müller. Das Wasser war Kapital. Lokale Überlieferungen berichten von einer Quelle flussaufwärts, die Heilkräfte besitzen soll. Hirten brachten kranke Tiere dorthin. Ob das stimmte, weiß niemand. Aber die Quelle existiert noch, und das Wasser ist eiskalt.
Erleben
Im April explodiert das Tal. Schlehendorn blüht, Farne schieben sich durch den Schotter, und der Fluss führt Wasser, das von den Monti Picentini kommt und grün schimmert. Im August ist es stiller am Ufer, die Schulkinder aus Salerno sind weg, nur einzelne Fischer stehen knietief im Fluss. Der frühe Morgen gehört dem Nebel, der aus dem Wasser steigt und die Pappeln verschluckt. Um 7 Uhr bist du allein.
Insider-Tipp
Die Einheimischen aus Fisciano parken nicht am Haupteingang. Sie fahren auf der Strada Provinciale 30 ein Stück weiter, biegen beim alten Steinhaus links ab und erreichen das Ufer ohne den asphaltierten Weg. Dort, wo der Picentino eine Kurve macht, liegt eine flache Felsterrasse. Darauf sitzen im Sommer Familien aus dem Ort und grillen. Mittwochnachmittag ist ruhig. Sonntag nicht. Und wer gut schaut, findet im Fluss noch Flusskrebse unter den Steinen.
Besuchstipp
Feste Schuhe, kein Sandalen-Experiment. Wer im Mai kommt, erlebt den vollsten Wasserstand und die dichteste Vegetation gleichzeitig. Drei Stunden mindestens einplanen, nicht wegen der Distanz, sondern wegen der Steine, auf denen man sitzt und das Wasser zählt. Am Ende sitzt du auf einer Felsplatte, Füße im Picentino, und weißt nicht mehr, ob eine oder zwei Stunden vergangen sind.
Häufige Fragen
Ist der Parco Fluviale del Picentino auch für Kinder geeignet?
Ja, aber mit Einschränkungen. Das Flussufer hat flache Abschnitte, die sicher sind. Im Frühjahr führt der Picentino allerdings deutlich mehr Wasser und hat stärkere Strömungen. Für Kinder unter zehn Jahren sind die Sommerwochen ab Ende Juni besser geeignet, wenn der Wasserstand niedrig und der Fels begehbar ist.
Gibt es markierte Wanderwege im Parco Fluviale del Picentino?
Einige Pfade sind mit einfachen Holzschildern markiert, aber verlasse dich nicht darauf. Karten aus dem Netz sind oft veraltet. Die zuverlässigste Orientierung ist der Fluss selbst. Flussaufwärts gehen, Flussabwärts zurück. Wer weiter in die Monti Picentini will, braucht eine aktuelle Kompasskarte der Region Salerno.
Kann man im Parco Fluviale del Picentino schwimmen?
An einigen Stellen ja. Besonders flussaufwärts gibt es natürliche Becken, die tief genug sind. Das Wasser kommt direkt aus dem Gebirge und ist auch im August kalt. Wer empfindlich auf Kälte reagiert, geht nur bis zu den Knien. Wer das aushält, hat einen der klarsten Flüsse der ganzen Provinz Salerno für sich.
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