Giovo – Gemeinde in Italien
Gemeinde in Italien
Hoch über Trient, wo die Straße durch enge Serpentinen ins Val di Cembra klettert, beginnt Giovo. Die Gemeinde verteilt sich auf mehrere Fraktionen – Faedo, Giovo Pinè, Palù, Lavis di Giovo – jede mit eigenem Gesicht, zusammengehalten von Weinbergen und Fichtenwald. Faedo gilt unter Weinkennern längst als Geheimtipp: Hier wächst Müller-Thurgau auf Höhenlagen, die anderswo kaum jemand für Weinbau nutzen würde. Kein Badeort, kein Skiressort – Giovo ist Trentino im Arbeitsanzug, mit Aussicht.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
Die Chiesa di San Giorgio in Giovo Pinè steht auf einem Hügelrücken, als hätte jemand sie extra hingestellt um das Tal zu überblicken – innen schlicht, außen aus dem hellen Stein der Region, morgens mit langem Schatten auf den Weinreben. Die Panoramaterrasse in Faedo zeigt das Etschtal wie auf einer Landkarte, klarer Morgen vorausgesetzt. Das Weinbaugebiet Faedo–Val di Cembra zieht sich an steilen Terrassenhängen entlang – Müller-Thurgau-Reben auf Porphyrgestein, kein romantischer Postkartenblick, sondern ehrliche Berglandwirtschaft. Die Erdpyramiden von Segonzano stehen wenige Kilometer entfernt im Cembra-Tal: Dutzende spitze Erdtürme mit Steinkappe, ruhig, seltsam, fast außerirdisch.
Natur & Umgebung
Das Val di Cembra schneidet tief in die Porphyrberge – steile Hänge, schmale Talsohle, der Avisio-Fluss unten im Schatten. Um Giovo öffnet sich die Landschaft etwas, Wald wechselt mit Weinterrassen, dazwischen alte Feldwege. Wer wandert, findet Routen zum Cembraviaduct, dem alten Eisenbahnviadukt, oder hinauf zu Almen mit Blick bis zu den Dolomiten. Im Frühjahr blühen die Hänge, im Oktober leuchtet das Laub zwischen den letzten Trauben. Radfahren auf den Höhenstraßen ist nichts für Untrainierte – aber wer tritt, wird belohnt.
Essen & lokale Spezialitäten
Faedo macht keinen Hehl daraus, dass hier der Wein regiert. Müller-Thurgau vom Weingut Endrizzi oder von Gino Pedrotti kauft man direkt vor Ort, kein Supermarkt nötig. Die Küche ist Trentiner Hausmannskost: Canederli in brodo, Polenta mit Pilzen aus dem Wald dahinter, Speck aus der Region. Eine Bar im Ortskern öffnet früh, der Cappuccino kommt heiß, die Männer stehen draußen auch wenn es noch kühl ist. Wer mittags gut essen will, fragt nach dem Tagesmenü – kein laminiertes Touristending, sondern was gerade da ist.
Praktische Infos
Trient ist die nächste große Stadt, rund 15 Kilometer entfernt. Mit dem Auto fährt man über die SS612 ins Val di Cembra – Kurven einkalkulieren. Ein Bus verbindet Giovo mit Lavis und Trient, aber der Takt ist dünn, ein eigenes Fahrzeug ist ehrlich gesagt sinnvoll. Übernachten: kleine Agriturismos in Faedo, einige Ferienwohnungen in den Fraktionen, nichts Großes. Beste Reisezeit ist Mai bis Oktober – der September riecht nach Most und frisch gepresstem Traubenmost, die Weinlese läuft, die Hänge stehen voll.
Häufige Fragen
Kann man in Giovo Wein direkt beim Winzer kaufen?
Ja, besonders in Faedo. Einige Weingüter verkaufen direkt ab Hof, am besten vorher kurz anrufen – spontanes Anklopfen klappt manchmal, aber nicht immer.
Sind die Erdpyramiden von Segonzano von Giovo aus gut erreichbar?
Mit dem Auto in etwa zwanzig Minuten durch das Cembra-Tal. Ein Parkplatz am Eingang des Wanderwegs, dann zu Fuß rund eine halbe Stunde bergauf bis zu den Türmen.
Gibt es in Giovo etwas für Kinder?
Die Erdpyramiden begeistern fast jeden unter zwölf Jahren zuverlässig. Dazu Waldwege, Bäche, Wiesen – wer Kinder mit Naturinteresse dabei hat, braucht kein Programm zu buchen.
Fazit
Giovo ist nichts für jemanden der Abwechslung im Stundentakt braucht. Aber wer Weinkultur ernst nimmt, Berglandschaft ohne Menschenauflauf schätzt und sich gern selbst eine Route zusammenstellt, findet hier ein Trentino das noch nicht für Außenstehende optimiert wurde. Faedo allein – mit seinen Terrassen, dem Ausblick, den kleinen Weingütern – rechtfertigt die Fahrt. Der Rest kommt obendrauf, leise und ohne Ankündigung.