Lauriano – Gemeinde in Italien

Der Po macht hier eine große Kurve, und genau in dieser Kurve liegt Lauriano – ein piemontesisches Dorf, das sich nicht aufplustert. Rund 1.700 Einwohner, die Provinz Turin hinter sich, den Fluss vor sich. Wer von der Staatsstraße abbiegt, sieht zuerst Rebzeilen auf sanften Hügeln, dann Backsteinhäuser, dann den Kirchturm. Das Dorf lebt von Wein und Stille. Kein großes Bahnhofsschild, keine Schilder für Reisebusse. Wer hier ankommt, hat aktiv nach Lauriano gesucht – oder ist zufällig richtig abgebogen.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Die Pfarrkirche San Giovanni Battista steht auf dem höchsten Punkt des Dorfes und schaut auf den Po hinunter. Innen: einfaches Kirchenschiff, kühles Licht, ein paar Heiligenbilder, die Generationen von Laurianer Müttern in die Augen geschaut haben. Auf der Piazza davor sitzt dienstags der Kastanienverkäufer im Winter, im Sommer trinken die alten Männer dort Espresso aus winzigen Tassen. Etwas außerhalb der Ortschaft erinnern mittelalterliche Mauerreste an eine ehemalige Befestigung – heute überwachsen, kaum beschildert, aber zu Fuß erreichbar. Wer hier nach einem Museum sucht, fährt nach Turin.

Natur & Umgebung

Der Po ist der eigentliche Hauptdarsteller. Das Flussufer bei Lauriano gehört zu den ruhigsten Abschnitten des Unterlaufs – kein Hafen, keine Promenade, nur flaches Wasser, Pappeln und Sand. Radfahrer nutzen den Argine, den Flussdamm, als langen ebenen Korridor in beide Richtungen. Im Frühjahr blühen die Hügel zwischen Weinzeilen durch. Im Herbst liegt Nebelgeruch über dem Fluss bis in den Mittag. Wer früh morgens am Ufer steht, sieht Fischreiher und kaum sonst jemanden. Das Monferrato-Hügelland fängt keine zwei Kilometer hinter dem Dorf an.

Essen & lokale Spezialitäten

Die Hügel um Lauriano liefern Freisa und Grignolino – beides rote Piemonteser Charakterweine, die kein internationales Marketing brauchen und deshalb kaum im Ausland landen. Lokale Cantinen verkaufen direkt ab Hof. Zum Wein gehört Bagna Cauda, die heiße Sardellen-Knoblauch-Butter-Sauce, in die man rohes Gemüse taucht – ein Herbst- und Wintergericht, das in dieser Gegend ernst genommen wird. In der Bar am Dorfplatz gibt es mittags Tramezzini und hausgemachte Tajarin, dünne Eiernudeln mit Ragù. Wer Parmesan kauft, fährt zum Markt nach Chivasso, zwölf Kilometer westwärts.

Praktische Infos

Mit dem Auto dauert die Fahrt von Turin rund vierzig Minuten über die SS590 Richtung Casale Monferrato. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird es kompliziert – ein Bus fährt, aber selten. Die beste Reisezeit ist Oktober, wenn die Weinlese läuft und die Luft nach Most riecht. Übernachtungsoptionen im Dorf selbst sind dünn; ein Agriturismo auf den Hügeln bietet Zimmer und Frühstück mit Blick auf Rebzeilen. Wer mehr Auswahl braucht, bucht in Chivasso oder Casale Monferrato und fährt nach Lauriano als Tagesausflug. Ein Auto ist kein Komfort, sondern Voraussetzung.

Häufige Fragen

Kann man in Lauriano direkt beim Winzer Wein kaufen?

Ja, einige Familienbetriebe auf den umliegenden Hügeln verkaufen Freisa und Grignolino direkt ab Cantina. Klingeln, fragen, Geduld mitbringen – Schilder hängen nicht überall, aber die Einwohner wissen, wer gerade Flaschen verkauft.

Gibt es eine Möglichkeit, den Po hier zu überqueren?

Eine Fähre – traghetto – verbindet Lauriano saisonal mit dem südlichen Ufer. Die Fahrzeiten sind unregelmäßig und hängen vom Wasserstand ab. Verlässlicher ist die Brücke in Chivasso.

Lohnt sich ein Abstecher, wenn man ohnehin durch Piemont fährt?

Wenn die Route sowieso an der SS590 entlangführt und man zwei Stunden übrig hat – ja. Ein Glas Wein am Flussufer, kurzer Spaziergang, weiterfahren. Wer Tage einplant, braucht echtes Interesse an Stille und Wein.

Fazit

Lauriano ist kein Pflichtprogramm und macht auch keinen Hehl daraus. Das Dorf richtet sich an niemanden, der anreist – und gerade das macht es aufrichtig. Wer piemontesischen Wein am Ursprungsort trinken will, wer Po-Landschaft ohne Rummel sucht, wer Lust hat auf einen Ort, der seinen Dienstagvormittag ohne Rücksicht auf Besucher verbringt: für den stimmt Lauriano. Wer Programm, Führungen und geöffnete Museen erwartet, fährt besser nach Asti oder direkt nach Turin.