Livinallongo del Col di Lana – Gemeinde in Italien

Der Arabba-Pass liegt im Hinterland, die Sellajoch-Straße dreht sich an den Felswänden hoch – und mittendrin liegt Arabba, das Hauptdorf von Livinallongo del Col di Lana, auf knapp 1600 Metern. Die Gemeinde gehört zur ladinischen Sprachgemeinschaft, und das spürt man sofort: Die Ortsschilder stehen auf Deutsch, Italienisch und Ladinisch, die Einheimischen wechseln mid-sentence zwischen allen dreien. Wer hier ankommt, steht zwischen Marmolada-Gletscher und Sella-Türmen. Der Horizont ist nirgends flach. Kein Weg ist hier zufällig – alles führt entweder bergauf oder bergauf.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Der Col di Lana, 2462 Meter hoch, ist kein gewöhnlicher Gipfel. Hier sprengten österreichische Pioniere 1916 die gesamte Bergkuppe weg, um italienische Stellungen zu vernichten. Der Granatkrater oben ist heute noch offen – ein kreisrundes Loch mitten im Fels, stumm und unübersehbar. Unten im Tal, in Arabba selbst, zeigt das Museo della Grande Guerra Uniformen, Briefe, Feldflaschenfunde – alles geborgen aus dem Berg direkt über dem Ort. Der Passo Pordoi, nur Minuten entfernt, öffnet den Blick auf die Sella-Gruppe: senkrechte Dolomitenwände, UNESCO-Welterbe, die man nicht erklärt, sondern einfach angaffen muss.

Natur & Umgebung

Die Gemeinde liegt mitten in der Dolomiten-Hochlandschaft des Fodom-Tals, das ladinisch Fodom heißt und auf drei Seiten von Dreitausendern eingerahmt wird. Im Sommer führen Wanderwege direkt vom Dorf auf den Sellaronda – den Höhenweg rund um die Sellagruppe, einer der am besten markierten Felspfade der Alpen. Der Cordevole-Bach schlängelt sich durch das Tal, schmal und kalt, gespeist vom Schmelzwasser des Marmolada-Gletschers. Im Winter liegt Arabba auf der gleichnamigen Skiparade: Die Pisten fallen direkt ins Dorf, kein Bus, keine Transferzeit.

🚗 Ausflüge & Touren

Essen & lokale Spezialitäten

In Livinallongo isst man ladinisch, nicht norditalienisch. Das bedeutet: Schlutzkrapfen mit Spinat-Ricotta-Füllung, Gerste-Minestrone, Canederli mit Speck – alles Gerichte, die aus den langen Wintervorräten der Bergbauern entstanden. In der Bar in Arabba beginnt der Dienstagvormittag mit einem Cappuccino und einem Stück Apfelstrudel, der nicht auf einer Karte steht, sondern einfach da ist. Lokale Agritur-Betriebe verkaufen selbstgemachten Speck und Bergkäse, der nach Almgras riecht. Wein kommt nicht von hier – die Höhe verbietet es – aber ein Lagrein aus Bozen passt zum Abend ohne weiteres Erklären.

Praktische Infos

Arabba liegt an der Staatsstraße SS48, der sogenannten Dolomitenstraße, die Canazei mit Cortina d'Ampezzo verbindet. Mit dem Auto ist man von Bozen in knapp 1,5 Stunden da, von Venedig in etwa 2,5 Stunden. Öffentliche Busse fahren, aber selten – wer flexibel sein will, braucht ein eigenes Fahrzeug. Unterkunft gibt es hauptsächlich in kleinen Familienhotels und Pensionen direkt in Arabba, viele davon mit Skiverleih im Keller. Die beste Zeit: Juli bis September für Wanderungen, Dezember bis März für Skifahrer. Im Mai und November schläft das Dorf, und das muss man mögen.

🏨 Hotels & Unterkunft

Häufige Fragen

Muss ich wirklich auf den Col di Lana gehen, oder reicht das Museum im Tal?

Beides ergänzt sich. Das Museum erklärt den Kontext mit Fotos und Fundobjekten. Aber erst oben am Krater, wenn der Wind über die abgesprengte Kuppe pfeift, versteht man körperlich, was hier passiert ist. Der Aufstieg dauert rund zwei Stunden ab Pieve di Livinallongo.

Ist Arabba auch ohne Ski im Winter einen Besuch wert?

Ehrlich: Weniger. Im Winter dreht sich hier alles um den Skibetrieb. Wer nicht fährt, sitzt abends schön beim Essen, aber tagsüber gehört die Straße den Skistiefeln. Im Sommer hat das Dorf mehr Raum für alle anderen.

Spricht man hier Deutsch?

Ja, verlässlich. Die ladinische Bevölkerung wächst dreisprachig auf, und in Hotels, Restaurants und Läden funktioniert Deutsch ohne Umwege. Wer ein paar ladinische Brocken riskiert – „Mërcí" statt „Grazie" – erntet sofort ein echtes Lächeln.

Fazit

Livinallongo del Col di Lana ist nichts für Leute, die eine belebte Piazza und Abendspaziergang suchen. Das Dorf ist klein, die Stille ist groß, und der Berg ist immer präsenter als jede Menschenmenge. Wer aber verstehen will, wie Weltkriegsgeschichte und Dolomitenlandschaft auf einem einzigen Berggipfel zusammenstoßen – und wie eine ladinische Minderheit ihre Sprache mitten in den Alpen lebendig hält – der findet hier etwas, das kein Reiseführer vollständig aufschreibt. Man muss oben am Krater stehen. Einmal reicht. Danach sieht man Berge anders.