Mathi – Gemeinde in Italien
Wer von Turin aus die Stura di Lanzo aufwärts fährt, passiert irgendwann einen Ort, der sich nicht aufdrängt. Mathi liegt im Canavese, eingeklemmt zwischen dem breiten Kiesbett des Flusses und den ersten ernsthaften Ausläufern der Lanzo-Täler – rund 25 Kilometer nordwestlich von Turin. Etwa 3.500 Menschen leben hier. Die Gemeinde ist kein Ziel, sie ist eine Haltestelle, die man lernt zu schätzen, wenn man langsam reist. Am Morgen riecht es nach feuchtem Stein und Pappeln. Das Piemont beginnt hier ruhig zu werden.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
Die Chiesa di San Giovanni Battista steht im alten Ortskern, schlicht verputzt, mit einem Glockenturm, der an Dienstagvormittagen fast ausschließlich Tauben beschäftigt. Innen kühle Luft, gedämpftes Licht durch alte Fensterscheiben, der Geruch nach Kerzenwachs und feuchtem Putz. Draußen vor dem Portal sitzt manchmal ein alter Mann auf einer Bank, der mit niemandem spricht, aber alles beobachtet. Der zweite Anziehungspunkt ist kein Bauwerk: Die Stura di Lanzo fließt breit und flach am Ortsrand, ihr Kiesbett lädt zum Sitzen ein, nicht zum Fotografieren.
Natur & Umgebung
Die Stura di Lanzo ist nicht zahm. Nach Schneeschmelze trägt sie Baumstämme. Im Sommer liegt man auf flachen Kiesbänken in der Sonne, das Wasser ist kalt und klar. Hinter Mathi steigen die Hänge sofort an, bewachsen mit Kastanienwäldern und Wiesen, auf denen im Mai gelbe Blumen stehen, die niemand beim Namen nennt. Wer zu Fuß geht, erreicht von hier aus die Lanzo-Täler, eines der am wenigsten überlaufenen Wandergebiete Piemonts. Die Stille dort ist nicht romantisch inszeniert – sie ist einfach da.
Essen & lokale Spezialitäten
Im Canavese isst man anders als in Turin. Hier stehen Polenta und Tapulone auf dem Tisch – ein kräftiges Eselsfleischragout, das man entweder liebt oder respektiert. Lokale Agriturismo-Betriebe in der Umgebung servieren es mit rotem Erbaluce di Caluso, dem Wein dieser Region, der trockener und kantiger ist, als sein heller Name vermuten lässt. In Mathi selbst kauft man in der kleinen Bar am Platz morgens ein Cornetto, trinkt einen Espresso, der zu heiß und zu kurz ist – genau richtig also – und erfährt dabei mehr über den Ort als in jedem Text.
Praktische Infos
Mit dem Auto aus Turin sind es dreißig Minuten auf der Strada Statale 460. Einen Bahnhof hat Mathi nicht, aber Busse verbinden den Ort mit Ciriè, von wo aus der Zug nach Turin fährt. Wer übernachten will, sucht sich am besten einen Agriturismo in der näheren Umgebung – im Ort selbst gibt es keine Hotels. Die beste Reisezeit ist Mai bis September. Im Winter liegt oft Hochnebel im Tal, die Berge leuchten darüber in der Sonne, aber Mathi selbst liegt dann grau und still da. Wer das mag, kommt trotzdem.
Häufige Fragen
Kann man die Stura di Lanzo bei Mathi gefahrlos im Sommer schwimmen?
In ruhigen Abschnitten ja, aber der Fluss ist kein Freibad. Der Grund ist steinig, die Strömung wechselt. Kinder gehören in Sichtweite.
Gibt es in Mathi etwas zu essen, wenn man einfach durchfährt?
Die Bar am Ort macht Mittagspausen und hat meistens belegte Brötchen. Wer eine richtige Mahlzeit will, fährt nach Ciriè, zehn Minuten entfernt.
Lohnt sich Mathi als Ausgangspunkt für die Lanzo-Täler?
Ja, besser sogar als die größeren Orte, weil man hier noch parken kann, ohne zu suchen. Die Täler beginnen praktisch direkt hinter dem Ortsrand.
Fazit
Mathi ist nichts für Menschen, die abhaken wollen. Es ist ein Ort für alle, die das Piemont ohne Dekoration erleben möchten – ohne Weinkeller mit Verkostungspaket, ohne Altstadt mit Pflasterstein-Charme. Wer ein Flussufer, eine einfache Bar, Kastanienwälder und die Ruhe einer piemontesischen Kleinstadt sucht, die einfach sie selbst ist, der ist hier richtig. Alle anderen fahren durch – und das ist vollkommen in Ordnung.