Monterosso al Mare – Gemeinde in Italien
Gemeinde in Italien
Der Zug taucht aus dem Tunnel, und plötzlich liegt das Meer direkt vor dem Fenster – keine Ankündigung, kein Übergang. Das ist Monterosso al Mare: die nördlichste und größte der fünf Cinque-Terre-Dörfer, eingeklemmt zwischen Klippen und Ligurischem Meer. Anders als die steilen Schachteldörfer Vernazza oder Manarola hat Monterosso einen echten Sandstrand. Hier legen alte Männer morgens ihre Stühle vor die Haustür, Fischerboote schaukeln im kleinen Hafen, und der Geruch von Zitronenlikör mischt sich mit Salzluft. Zwei Ortsteile, verbunden durch einen Felstunnel – das alte Dorf und der neuere Badeort Fegina.
Sehenswürdigkeiten & Highlights
Die Spiaggia di Fegina ist der längste Strand der Cinque Terre – feiner Sand, Liegestühle in Reih und Glied, dahinter Palmen und Fischerhäuser in verblasstem Gelb. Wer weiter nach Norden schaut, sieht ihn sofort: Il Gigante, einen über zehn Meter hohen Neptun aus Beton, der aus dem Fels wächst, von Meereswellen gezeichnet, beide Arme längst abgebrochen. Oben auf dem Hügel, der die beiden Ortsteile trennt, steht das Convento dei Cappuccini mit Blick über das gesamte Küstenpanorama – Zypressengarten, dicke Mauern, absolute Stille. Drumherum beginnt der Parco Nazionale delle Cinque Terre, der die gesamte Küstenlandschaft zusammenhält.
Natur & Umgebung
Die Hänge über dem Dorf sind mit Weinbergterrassen überzogen – Jahrhunderte alter Trockensteinmauern, die sich in die Steilhänge graben. Dazwischen Zitronen- und Olivenbäume. Der Sentiero Azzurro, der berühmte Küstenwanderweg, verbindet Monterosso mit den anderen vier Dörfern; der Abschnitt nach Vernazza ist der landschaftlich stärkste – ausgesetzte Klippen, Meerblick, der atmet. Wer lieber schwimmt, findet neben dem Hauptstrand auch kleine Felsbuchten südlich des alten Ortskerns, weniger überfüllt, zugänglich über schmale Treppenpfade. Im Frühling blühen Ginster und Wildrosmarin zwischen den Felsen.
Essen & lokale Spezialitäten
Monterosso ist das Zuhause des ligurischen Anchovis – der Acciughe sotto sale, eingesalzene Sardellen, die in kleinen Gläsern verkauft werden und nach echter Arbeit schmecken. Dazu: Focaccia mit Olivenöl, direkt aus dem Holzofen, morgens warm. In den Trattorie des alten Ortsteils gibt es Trofie al pesto, aber auch Pasta al sugo di pesce – bodenständig, keine Showküche. Ein Glas Sciacchetrà, der lokale Passito-Wein aus getrockneten Vermentino-Trauben, kostet seinen Preis und ist jeden Cent davon wert. Den kauft man am besten direkt bei einem der kleinen Weinproduzenten, die ihre Etiketten handgeschrieben kleben.
Praktische Infos
Der schnellste Weg hierher führt per Zug – von La Spezia in etwa 20 Minuten, von Genua in rund einer Stunde. Mit dem Auto endet die Fahrt meist im Chaos, denn Parkplätze im Dorf sind Mangelware und teuer. Übernachten kann man in kleinen Pensionen im alten Ortskern oder in den Hotels entlang der Fegina – letztere direkt am Strand, aber entsprechend voll im Sommer. Mai und September sind die vernünftigen Monate: Das Meer ist warm genug, die Wanderwege offen, die Strände nicht brechend voll. Im August kämpft man um jeden Quadratmeter Sandstrand.
Häufige Fragen
Kann man den Sentiero Azzurro komplett laufen?
Nur teilweise. Der Abschnitt Monterosso–Vernazza ist aktuell oft geöffnet und dauert rund 90 Minuten. Andere Teilstücke sind nach Erdrutschen häufig gesperrt – vor der Reise auf der Website des Parco Nazionale checken, nicht auf Reiseblogs verlassen.
Ist Monterosso wirklich so überlaufen wie alle sagen?
Im Juli und August: ja. Tagsüber quetschen sich Tagesausflügler durch die Gassen. Wer früh aufsteht – vor neun Uhr am Strand, abends nach neunzehn Uhr im Dorf – erlebt einen ganz anderen Ort. Übernachten statt Tagestour macht den entscheidenden Unterschied.
Brauche ich eine Eintrittskarte für den Parco Nazionale?
Ja, für die Wanderwege innerhalb des Parks wird eine Gebühr fällig – entweder als Tagesticket oder als Cinque Terre Card, die auch die Zugfahrten zwischen den Dörfern einschließt. An den Wanderwegeingängen gibt es Kontrollpunkte.
Fazit
Wer die Cinque Terre mit einem Rucksack und zwei Nächten erkundet, macht Monterosso zur Basis – hier schläft man besser, isst bodenständiger und hat den einzigen echten Strand. Wer nur Postkarten-Dörfer sucht, fährt nach Vernazza. Wer aber morgens mit Sardellen-Focaccia in der Hand am Hafen sitzt, den Fischern zusieht und abends Sciacchetrà trinkt, während die Klippen ins Dunkel fallen – der begreift, warum Menschen für diesen Küstenstreifen immer wieder aus dem Zug steigen.