Castello di Nichelino (Palazzina di Caccia di Stupinigi)

Zeitaufwand 1,5–2,5 Std
💶 Eintritt 12–14 Euro
📅 Beste Zeit April–Oktober, vormittags
👥 Besucheraufkommen Wochenenden stark, wochentags moderat

Ein Hirsch aus vergoldetem Kupfer dreht sich im Wind. Er sitzt auf der höchsten Kuppel, zwölf Meter über dem Dach, und zeigt immer in die Richtung aus der gerade die Brise kommt. Kein Schmuck. Kein Symbol der Macht. Ein Jagdanzeiger. Wer das weiß, versteht sofort worum es hier wirklich geht: Dieses Gebäude war nie ein Schloss. Es war ein Sportgerät.

Deckengemälde Innenraum Jagdschloss Stupinigi
Aufwendig verzierte Decke im Inneren des Jagdschlosses Stupinigi © TorinoDoc, CC BY-SA 4.0
Van Loo Diana Nymphen Deckengemälde Stupinigi
Charles André van Loo: Diana und ihre Nymphen, Deckengemälde von 1732-33 © Paris Orlando, CC BY-SA 4.0

Geschichte

Als der Barock in Piemont seinen letzten großen Atem holte, beauftragte Viktor Amadeus II. von Savoyen im Jahr 1729 den Architekten Filippo Juvara mit einem Jagdpavillon. Kein Repräsentationsbau, sondern ein funktionaler Treffpunkt für die Hofgesellschaft nach der Pirsch. Juvara starb kurz nach dem Entwurf, sein Schüler Giovanni Tomaso Prunotto führte den Bau fort. Die Flügel wurden über Jahrzehnte ergänzt, das ursprüngliche Mittelkreuz wuchs zu einer fast 130 Meter breiten Anlage. Napoleon ließ später Teile als Residenz umnutzen.

Erleben

Von außen wirkt der zentrale Kuppelbau kleiner als er ist, weil die niedrigen Flügel ihn optisch einrahmen und erden. Dann tritt man ein. Der große Saal unter der Kuppel öffnet sich nach allen vier Seiten gleichzeitig, Licht fällt aus Fenstern auf drei Ebenen herein. Der Stuck ist nicht weiß, sondern warm getönt, cremig fast. Der Boden aus poliertem Stein reflektiert das Licht nach oben. Innen fühlt sich das Gebäude dreimal so groß an wie außen.

Insider-Tipp

Geh nicht durch den Haupteingang, sondern geh zunächst nach links entlang des Südflügels bis zum Ende der Achse. Von dort aus siehst du das gesamte Mittelgebäude mit der Kuppel in einer Flucht, wie Juvara es auf seinen Entwurfszeichnungen angelegt hat. Morgens gegen neun Uhr liegt die Kuppel im Gegenlicht und der Hirsch obendrauf wird zur Silhouette. Die Rückseite öffnet sich auf einen Parkbereich, der kaum besucht wird und alte Baumreihen zeigt, die noch aus dem 18. Jahrhundert stammen.

Besuchstipp

Komm um kurz nach zehn, wenn das Innere noch leer ist und das Licht aus Osten durch die Saalpfenster zieht. Stell dich in die Mitte des großen Saals unter die Kuppel und schau direkt nach oben. Der vergoldete Hirsch auf dem Dach ist von dort unten durch ein kleines Oberlicht sichtbar. Diesen Moment hat kein Reiseführer beschrieben.

Zentraler Saal Decke Palazzina Stupinigi Barock
Decke des zentralen Saals der Palazzina di Caccia di Stupinigi © Paris Orlando, CC BY-SA 4.0
Kronleuchter Prunk Jagdschloss Stupinigi Piemont
Prunkvoller Kronleuchter im Jagdschloss Stupinigi © TorinoDoc, CC BY 4.0

Häufige Fragen

Kann man das Castello di Nichelino (Palazzina di Caccia di Stupinigi) auch ohne geführte Tour besichtigen?

Ja, der Eintritt ist unabhängig von Führungen möglich. Die Prunkräume im Hauptgebäude sind frei begehbar, einige Seitenflügel nur mit Führung erreichbar. Lohnt sich, die Öffnungszeiten vorab auf der Website des Museo dell'Arredamento zu prüfen, da montags und dienstags oft geschlossen ist.

Wie viel Zeit sollte ich für das Castello di Nichelino (Palazzina di Caccia di Stupinigi) einplanen?

Für das Hauptgebäude mit den wichtigsten Sälen reichen zwei Stunden. Wer die Parkanlage und die Außenachsen ablaufen will, braucht einen halben Tag. Die Entfernung vom Turiner Stadtzentrum beträgt etwa zehn Kilometer, mit dem Bus Linie 41 ab Porta Nuova rund 40 Minuten.

Ist das Castello di Nichelino (Palazzina di Caccia di Stupinigi) für Kinder geeignet?

Ja, besonders der kupferne Hirsch auf der Kuppel und die Erklärung was ein Jagdpavillon überhaupt ist fesseln Kinder sofort. Im Park gibt es genug Raum zum Laufen. Die Innenräume sind nicht kindergesichert, schmale Treppen und offene Galerien erfordern Aufmerksamkeit.

Bildnachweise