Area Marina Protetta di Tavolara-Punta Coda Cavallo
Das Wasser riecht nach nichts. Das ist das Erste, was auffällt. Kein Salz, kein Tang, kein Hafen-Mief. Nur Luft. Dann siehst du, warum: Das Meer hier ist so klar, dass der Boden in acht Metern Tiefe aussieht wie eine Handbreit unter dir. Vor dir ragt Tavolara aus dem Wasser, diese senkrechte Kalksteinplatte, 565 Meter hoch, als hätte jemand einen Kontinent einfach hochgeklappt.
Geschichte
Die Nuragiker kannten diese Küste. In der Vorgeschichte Sardiniens, über dreitausend Jahre vor dem ersten Reiseführer, lebten und fischten Menschen rund um den Golfo di Olbia. Tavolara selbst hat eine jüngere, fast groteske Geschichte: Im 19. Jahrhundert erklärte sich eine Familie Bertoleoni kurzerhand zum Königreich. König Carlo Alberto von Savoyen erkannte es tatsächlich an. Heute existiert noch ein Nachkomme. Er wohnt auf der Insel. Es gibt eine Kirche, eine Handvoll Häuser und ein Restaurant mit einer Speisekarte, die kein Sternelokal braucht.
Erleben
Juni, kurz nach Sonnenaufgang. Das Boot verlässt Porto San Paolo, als die Straßen noch leer sind. Das Wasser liegt glatt, fast ölig. Um diese Zeit haben Schnorchler die Posidonia-Wiesen für sich allein. Die Seegrasfelder beginnen in zwei Metern Tiefe und ziehen sich bis in die Dunkelheit. Im August dagegen: Boote an Boote, Musik aus Boxen, der Geruch von Sonnencreme. Beide Versionen existieren. Nur eine davon ist das echte Tavolara.
Insider-Tipp
Einheimische aus Olbia fahren nicht zum Hauptstrand bei der Anlegestelle. Sie ankern an der Ostseite der Insel, dort wo der Fels direkt ins Meer fällt und kein Ausflugsboot hinkommt. Wer kein eigenes Boot hat, fragt in Porto San Paolo bei den kleinen Bootsverleihern nach einer "gita privata" – nicht bei den organisierten Touren am Kai. Der Unterschied kostet meist dasselbe, aber man bestimmt wo man hingeht und wann man bleibt.
Besuchstipp
Schneorchel-Ausrüstung mitbringen, nicht mieten. Eigene Flossen sitzen besser und du verlierst keine Zeit am Strand. Plane mindestens einen vollen Tag ein. Ende September: Das Wasser hat 24 Grad, die Buchten sind ruhig, das Licht fällt nachmittags so auf den Kalkfels, dass er fast orange leuchtet. Du liegst im Wasser, schaust nach oben auf diese senkrechte Wand und kannst dir nicht vorstellen, dass das echt ist.
Häufige Fragen
Wie komme ich zur Area Marina Protetta di Tavolara-Punta Coda Cavallo, wenn ich kein eigenes Boot habe?
Von Porto San Paolo fahren täglich Fähren und Ausflugsboote zur Insel Tavolara. Die Überfahrt dauert etwa zwanzig Minuten. Alternativ bieten lokale Fischer in Porto San Paolo und San Teodoro private Transfers an – einfach direkt am Steg fragen.
Was darf ich in der Area Marina Protetta di Tavolara-Punta Coda Cavallo nicht tun?
Das Schutzgebiet ist in drei Zonen eingeteilt. In Zone A, dem Kernbereich rund um Tavolara, ist Ankern verboten und Schnorcheln nur mit Genehmigung erlaubt. Fischen ist im gesamten Schutzgebiet stark eingeschränkt. Steine, Korallen und Posidonia dürfen nicht mitgenommen werden – Kontrollen durch die Guardia Costiera gibt es tatsächlich.
Lohnt sich ein Besuch der Area Marina Protetta di Tavolara-Punta Coda Cavallo auch ohne Taucherausrüstung?
Ja. Schon vom Boot aus sieht man durch das Wasser bis auf den Grund. Wer einfach schwimmt, erlebt die Posidonia-Wiesen in den flacheren Bereichen bei Punta Coda Cavallo. Und die Wanderung auf den Tavolara-Gipfel – sofern die Militärzone geöffnet ist – liefert einen Blick auf die Küste, der jede Ausrüstungsfrage vergessen lässt.
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