Centro storico di Ovada

Zeitaufwand 1–2 Stunden
💶 Eintritt kostenlos
📅 Beste Zeit Vormittags oder Abends
👥 Besucheraufkommen ganzjährig ruhig

Wer einmal durch das enge Tor in die Altstadt von Ovada tritt, erwartet einen weiteren ligurisch-piemontesischen Durchgangsort. Dann biegt man um die erste Ecke – und steht vor einer Häuserwand, die in sattem Ockergelb leuchtet, mit aufgemalten Fenstern, Gesimsen und Schatten, die es nicht gibt. Trompe-l'œil als gesamte Straßenfront. Kein Museum dahinter, nur ein Wohnhaus. Kaum jemand bleibt stehen.

Glockentürme Kirche Nostra Signora Assunta Ovada Altstadt
Die Glockentürme von Nostra Signora Assunta ragen über die Altstadtgassen Ovadas © Alessio Sbarbaro User_talk:Yoggysot, CC BY-SA 3.0

Geschichte

Ovada lag im Mittelalter an einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen dem ligurischen Genua und dem piemontesischen Hinterland. Die Genuesen kauften die Stadt 1386 und prägten sie dauerhaft: enge Vicoli, tiefe Lauben, Häuser die dicht aneinanderlehnen wie Kaufleute beim Handeln. Als der Barock seinen Höhepunkt erreichte, wurden die schlichten Fassaden mit jenen illusionistischen Malereien überlagert, die Ovada bis heute von anderen Kleinstädten unterscheiden. Genuesisches Kapital, piemontesischer Stolz – dieser Widerspruch steckt in jedem Stein.

Erleben

Die Gassen sind schmal genug, dass die Mittagssonne den Boden nur für zwanzig Minuten trifft. Dann zieht sie weiter. Die Hauswände fühlen sich rau an, der Putz blättert an Ecken ab und gibt darunter liegenden Kalkschichten frei, die wie Jahresringe eines Baumes wirken. Die Lauben im unteren Bereich der Via Cairoli tragen das Gewicht der Obergeschosse auf massiven Sandsteinpfeilern. Innen sind manche Durchgänge überraschend hoch, fast zeremoniell proportioniert für einen so kleinen Ort.

Insider-Tipp

Die beste Perspektive auf die gemalten Fassaden liegt nicht in der Gasse selbst, sondern vom kleinen Platz vor der Kirche Santa Maria delle Grazie aus, etwa zwanzig Meter Abstand, kurz nach acht Uhr morgens, wenn das Licht flach einfällt und die aufgemalten Schatten plötzlich echt wirken. Wer durch die Hintergasse hinter dem Palazzo Delfino geht, entdeckt dort Innenhöfe mit verwitterten Außentreppen – vollständig unrestauriert, vollständig unbeschriftet.

Besuchstipp

Geh an einem Werktag gegen halb neun Uhr morgens in die Via Cairoli. Die Bäcker haben gerade geöffnet, der Geruch von Focaccia liegt in den Lauben. Die Schatten der aufgemalten Fenster fallen exakt parallel zu den echten. Für einen Moment weißt du nicht mehr, was gemalt und was gebaut ist. Dieses kurze Zögern – das ist Ovada.

Campanile Nostra Signora Assunta Ovada Altstadt Gasse
Ein Glockenturm von Nostra Signora Assunta zwischen den Altstadtgassen Ovadas © Alessio Sbarbaro User_talk:Yoggysot, CC BY-SA 3.0

Häufige Fragen

Wie lange brauche ich für einen Rundgang durch das Centro storico di Ovada?

Ein ernsthafter Rundgang durch alle Vicoli und Lauben dauert anderthalb bis zwei Stunden. Wer die Fassadenmalereien wirklich sucht und findet, braucht eher drei.

Ist das Centro storico di Ovada auch außerhalb der Saison einen Besuch wert?

Gerade im November oder Februar zeigt sich die Altstadt ohne Ablenkung. Die Okker- und Rottöne der Fassaden wirken bei Herbstlicht intensiver als im Hochsommer, und die Lauben sind dann tatsächlich leer genug zum Stehbleiben.

Gibt es im Centro storico di Ovada Restaurants oder Bars direkt in historischen Gebäuden?

Ja. Die Bar unter den Lauben an der Piazza Garibaldi sitzt in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Die Decke ist niedrig, die Holztheke alt, der Espresso gut. Kein Schild weist darauf hin.

Bildnachweise