Shopping in Ozieri

Die Einkaufstasche am Abend in Ozieri ist klein, aber gezielt befüllt. Brot holt man beim Bäcker, nicht im Supermarkt – das ist hier keine Nostalgie, das ist Gewohnheit. Die Supermärkte in der Stadt decken den täglichen Bedarf ab: Nudeln, Öl, Waschmittel. Wer aber etwas Bestimmtes sucht – ein Hochzeitsgeschenk, neue Schuhe, einen Fernseher – der fährt. Das weiß hier jeder. Ozieri versorgt sich selbst im Kleinen und lässt die großen Fragen offen, bis jemand Zeit hat, nach Sassari zu fahren.

Einkaufsstraßen

Der Corso Vittorio Emanuele ist die Ader, auf der der Vormittag pulsiert. Zwischen neun und zwölf Uhr läuft dort alles zusammen: die Frau mit dem Stoffbeutel, der Rentner vor dem Bar-Tresen, die Mutter, die schnell noch Wechselgeld braucht. Die Straße ist nicht breit, aber sie reicht. Kleine Läden reihen sich aneinander – ein Schreibwarenhändler, eine Apotheke, ein Lebensmittelgeschäft mit offener Tür. Wer hier langsam geht, kommt ins Gespräch. Wer schnell geht, hat es eilig – das fällt auf.

Luxus & Designer

Wer in Ozieri ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Geox kaufen will, fährt nach Sassari. Die Strecke dauert etwa eine halbe Stunde auf der Staatsstraße – kein Drama, aber ein Entschluss. In Sassari gibt es das, was Ozieri nicht hat: Markenboutiquen, ein größeres Angebot, Umkleidekabinen ohne Zeitdruck. Die Einwohner kennen das seit Jahren und planen entsprechend. Ein Einkaufstag in Sassari ist kein Ausflug, er ist ein Termin – mit Liste, mit Parkplatz, manchmal mit Mittagessen danach.

Viertel & Boutiquen

Wer die Altstadt von Ozieri kennt, kennt auch die kleinen Läden, die keine Schilder brauchen. In den Gassen rund um die Kathedrale San Antioco kaufen Einheimische seit Jahrzehnten beim selben Händler ein – Käse, Aufschnitt, manchmal Hausgemachtes, das nicht auf einem Schaufensterschild steht. Besucher laufen daran vorbei, weil die Tür halb geschlossen wirkt. Sie ist es nicht. Man muss nur reingehen. Der Laden öffnet, wenn der Besitzer da ist – und der ist meistens da.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs findet in Ozieri ein Wochenmarkt statt. Wer früh kommt, kauft besser: Die Gemüsehändler aus der Region stehen mit Auberginen, Tomaten und wildem Fenchel, der noch nach Erde riecht. Dazwischen Kleidungsstücke auf Klappständern, Haushaltswaren, manchmal Schuhe. Der Markt ist nicht groß – er füllt keinen Platz, er belegt eine Straße. Die Einheimischen kennen die Händler mit Namen. Wer neu ist, kauft trotzdem gut, wenn er fragt. Schweigen gilt hier als Desinteresse.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank fährt man nach Sassari oder, wenn das Angebot dort nicht reicht, nach Cagliari – das ist weiter, fast zwei Stunden, aber manchmal der einzige Weg zu einem größeren Elektronikmarkt. Für Sportschuhe oder Haushaltsgeräte genügt Sassari meistens. Die Einwohner fahren nicht spontan – sie fahren gebündelt. Wer einen Kühlschrank braucht, nimmt auch die Winterjacke auf die Liste. Die Fahrt lohnt sich, wenn die Liste lang genug ist. Das haben hier alle verinnerlicht, ohne darüber nachzudenken.

Besonderheiten

Das Besondere an Ozieri liegt im Brot. Der Pane di Ozieri – ein Sauerteigbrot mit fester Kruste und dichter Krume – gehört zu den bekanntesten Broten Sardiniens. Beim Bäcker im Ort kauft man es noch warm, manchmal mit Sesamkörnern, manchmal ohne. Wer einmal damit nach Hause kommt, kauft das Supermarktbrot danach ungern. Dazu kommt der lokale Pecorino, der in der Umgebung produziert wird – schärfer als der aus dem Supermarktregal, mit einer Textur, die zeigt, dass er Zeit hatte. Beides kauft man hier, nicht anderswo.