Morgens stehen die Leute beim Bäcker Schlange, mittags beim Metzger in der Nähe des Prato della Valle. Die Einkaufstasche am Abend enthält frisches Brot, Wein aus dem Veneto und vielleicht ein Stück Pecorino vom Käsehändler, den man nur findet, wenn man ihn schon kennt. Was man hier vergeblich sucht: ein großes, modernes Kaufhaus wie in Mailand. Wer Padova kennt, weiß – man kauft Alltägliches in der Stadt, Besonderes entweder auf dem Markt oder nirgendwo.
Einkaufsstraßen
Die Via Roma und ihr Übergang zum Corso del Popolo sind die Adern, durch die der Einkaufsalltag fließt. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Studenten, Rentner und Mütter mit Kinderwagen aneinander vorbei. Die Schaufenster wechseln zwischen Schuhläden mittlerer Preisklasse, Optikern und Handyshops. Es riecht nach frischem Kaffee aus der Bar an der Ecke, wo der Barista schon weiß, wer seinen Cappuccino ohne Zucker trinkt. Touristen laufen die Gasse einmal durch – Einheimische täglich.
Luxus & Designer
Wer in Padova ein Hemd von Loro Piana oder Schuhe von Tod's kaufen will, fährt nach Verona oder Mailand – und tut das bewusst. Verona liegt knapp vierzig Autominuten entfernt und hat eine dichte Auswahl an gehobenen Marken rund um die Via Mazzini. Padova selbst bietet solide Mittelklasse, aber keine Flagship-Stores. Die Padovaner, die ich kenne, machen daraus einen Ausflug – Einkaufen am Vormittag, Spritz am Nachmittag, Rückkehr mit Tragetasche.
Viertel & Boutiquen
Im Viertel rund um den Ghetto, nahe dem alten jüdischen Stadtkern, kaufen Einheimische Dinge, die in keinem Reiseführer stehen: Stoffe beim kleinen Händler, der seine Ballen unbeworben im Hinterzimmer lagert, Second-Hand-Kleidung in einem Laden ohne Schild, den man erst beim dritten Vorbeigehen wahrnimmt. Besucher laufen durch, weil die Gassen unspektakulär aussehen. Einheimische gehen dort hin, weil die Preise stimmen und weil die Inhaber noch wissen, wer man ist.
Märkte & Spezialitäten
Am Prato della Valle findet samstags einer der größten Märkte Norditaliens statt – und er ist wirklich groß. Zwischen den Standstatuen und den Wasserkanälen reihen sich Textilhändler neben Obst- und Gemüseverkäufern, dazwischen ältere Herren, die Werkzeug aus Plastikkisten verkaufen. Wer früh kommt, bekommt die besten Tomaten. Wer nach elf kommt, bekommt die günstigsten Preise, weil die Händler abbauen wollen. Unter der Woche kauft man Gemüse bei den kleineren Händlern rund um den Marktplatz – die kennen ihre Stammkunden beim Vornamen.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man an den Stadtrand, wo die großen Elektroketten ihre Flächen haben – MediaWorld ist mit dem Auto in etwa zwanzig Minuten erreichbar. Sportschuhe kaufen viele im Einkaufszentrum Le Brentelle nördlich der Stadt, das gut erreichbar ist und die üblichen Ketten vereint. Die Fahrt lohnt sich, wenn man weiß, was man will. Wer nur schaut, kommt mit leeren Händen zurück – die Auswahl ist breit, aber selten überraschend.
Besonderheiten
Der Erbauer des Heiligen Antonio hatte keinen schlechten Geschmack – und Padova auch nicht, wenn es um lokalen Wein geht. In den Enoteche rund um die Altstadt bekommt man Weine aus den Colli Euganei, den vulkanischen Hügeln südwestlich der Stadt, die man in deutschen Läden nie sieht. Ein guter Händler in der Nähe des Duomo kennt die kleinen Weingüter persönlich und öffnet Flaschen auf Wunsch. Wer einmal einen Moscato Fior d'Arancio aus diesen Hügeln gekostet hat, kauft danach nichts anderes mehr.