Palau – Gemeinde in Italien

Gemeinde in Italien

Die Fähre legt ab, und schon nach wenigen Minuten liegt La Maddalena hinter dem Bug – aber Palau selbst ist kein bloßer Hafen. Es ist das Tor zum nördlichsten Zipfel Sardiniens, dort wo der Golfo di Arzachena auf die Bocche di Bonifacio trifft und Korsika an klaren Tagen so nah wirkt, als könnte man hinüberschwimmen. Der Granit hier ist uralt und rosa und rau. Das Wasser ist türkis auf eine Weise, die keine Kamera einfängt. Palau lebt vom Meer, riecht nach Salzluft und Dieselabgas vom Fährkai, und hat trotzdem etwas Ruhiges.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Hoch über dem Ort thront die Roccia dell'Orso – ein Granitfelsen, den Wind und Regen über Jahrmillionen in die Form eines liegenden Bären geschliffen haben. Man steigt zwanzig Minuten hinauf, der Bär wird größer, und von oben sieht man gleichzeitig La Maddalena, Korsika und die Küstenlinie bis Santo Stefano. Das Forte Balbiano, auch Fortino di Palau genannt, sitzt auf einem Hügel direkt am Meer – ein kleines napoleonisches Fort aus dem 19. Jahrhundert, das die Meerenge bewachte. Der Parco Nazionale dell'Arcipelago di La Maddalena beginnt technisch auf dem Wasser vor Palaus Küste, und von Capo d'Orso aus überblickt man das gesamte Archipel auf einen Blick.

Natur & Umgebung

Der Granit prägt alles hier. Er ragt aus dem Wasser, liegt am Strand, bestimmt die Farbe der Hügel. Zwischen Palau und dem Capo d'Orso führen Pfade durch Macchia-Gestrüpp, das nach Rosmarin und Zistrose riecht. Die Cala di Trana und die Spiaggia di Porto Faro liegen nah genug, um morgens früh hinzufahren bevor andere ankommen. Das Wasser ist klar bis auf den Grund. Wer ein Kajak mietet, paddelt zwischen Felsbrocken hindurch, die aus dem Meer wachsen wie vergessene Skulpturen. Juni und September sind die Monate, in denen die Natur nicht mit den Menschen um Platz kämpft.

Essen & lokale Spezialitäten

Sarde al finocchietto selvatico – Sardellen mit wildem Fenchel – kommen hier auf den Tisch, bevor man bestellt hat. Die Fischtheken am Hafen sind morgens um acht noch nass vom Fang. Bottarga, der gepresste und getrocknete Meeräschenrogen, kommt aus Cabras, aber er landet in den Küchen von Palau wie selbstverständlich. Ein Glas Vermentino di Gallura dazu – ein trockener, leicht mineralischer Weißwein aus den Hügeln direkt hinter der Küste. Die Bars am Hafen servieren Caffè shakerato, wenn es heiß wird, und niemand schaut schief, wenn man erst um zehn frühstückt.

Praktische Infos

Flughafen Olbia-Costa Smeralda liegt etwa 45 Kilometer südlich, von dort fährt man mit dem Mietwagen in unter einer Stunde. Eine Busverbindung existiert, aber sie erfordert Geduld und Umsteigen in Arzachena. Die Fähren nach La Maddalena fahren von Palau aus mehrmals täglich, im Sommer fast stündlich. Unterkünfte gibt es von kleinen Pensionen bis zu Appartements direkt am Hafen – Juli und August sind voll, man bucht dann Monate vorher. Ende Mai und September sind die vernünftigen Monate: das Meer ist warm genug, die Straßen nicht verstopft, und Restaurants haben noch Tische frei ohne Reservierung.

Häufige Fragen

Muss ich nach La Maddalena übersetzen, oder reicht Palau selbst für ein paar Tage?

Palau reicht für zwei bis drei Tage, wenn man die Felsen, das Forte und die nahen Strände erkundet. La Maddalena ist ein halber Tag extra – und lohnt sich, besonders wenn man weiter auf die Insel Caprera will, wo Garibaldis Haus steht.

Kann man ohne Auto auskommen?

Palau selbst ist zu Fuß erreichbar, aber die schönsten Strände und der Capo d'Orso liegen außerhalb. Ohne Mietwagen oder Motorroller kommt man nur mit Taxen oder Shuttles hin – teurer und abhängiger.

Wann wird es wirklich überfüllt?

August. Dann stauen sich die Autos auf der SS125, die Strände sind morgens um neun besetzt, und der Hafenplatz klingt abends nach Norddeutschland und Mailand gleichzeitig. Wer Ruhe will, reist davor oder danach.

Fazit

Wer Sardinien kennenlernen will, ohne sofort in den Massentourismus der Costa Smeralda zu geraten, ist in Palau richtig. Es ist kein verträumtes Dorf und kein Geheimtipp mehr – aber es hat noch Substanz. Den Bärenfelsen, das alte Fort, das klare Wasser vor dem Archipel. Familien, Schnorchler, Leute die Fähren mögen und Granit schön finden – für die ist Palau gemacht. Wer Abendunterhaltung und Luxushotels sucht, fährt nach Porto Cervo. Die anderen bleiben.