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Wer morgens in Palermo unterwegs ist, trägt abends Brot, Käse und frischen Fisch nach Hause – alles vom Markt, nichts aus dem Supermarkt, wenn es sich vermeiden lässt. Die Supermärkte gibt es, klar, aber die meisten Einwohner benutzen sie für Haushaltsartikel und verpackte Waren. Für Kleidung jenseits der Ketten fährt man raus oder bestellt online. Was man hier vergeblich sucht: einen großen, gut sortierten Buchladen auf Weltstadtniveau. Den gibt es in Palermo schlicht nicht.
Einkaufsstraßen
Die Via Ruggero Settimo ist die Achse, auf der sich zwischen neun und zwölf Uhr alles ballt. Keine schöne Straße im postkartensinne – breit, laut, voller Menschen, die wirklich einkaufen wollen, nicht flanieren. Die Zara ist hier, die H&M, die Banken mit langen Schlangen davor. Wer frühmorgens kommt, findet noch Platz vor den Schaufenstern. Wer um elf kommt, kämpft sich durch Kinderwagen, Schulranzen und Rentner, die sich vor der Bar die Beine vertreten.
Luxus & Designer
Wer in Palermo ein Hemd von Canali oder Schuhe von Tod's kaufen will, steht vor einem echten Problem – das gibt es hier nicht wirklich. Die meisten Palermitaner, die ich kenne, fahren dann nach Catania oder direkt nach Mailand, wenn der Anlass groß genug ist. Catania hat eine etwas geschlossenere Luxuszone rund um die Via Etnea. Palermo hat ein paar Boutiquen in der Altstadt, aber die wirken oft wie gehobene Multibrand-Läden, kein reines Markenerlebnis.
Viertel & Boutiquen
Im Viertel rund um den Capo-Markt gibt es Läden, die Besucher schlicht nicht betreten – Haushaltswaren-Händler, die seit Jahrzehnten dieselben Töpfe und Pfannen verkaufen, Schneider, die Uniformen für Schulkinder kürzen. Der Laden ist oft unscheinbar, ohne Schild, ohne Öffnungszeiten an der Tür. Man kennt ihn, weil die Mutter einen geschickt hat. Wer von außen kommt, läuft dran vorbei. Genau das macht ihn zur verlässlichsten Adresse im Viertel.
Märkte & Spezialitäten
Der Ballarò ist der älteste Markt der Stadt – und er arbeitet laut. Schon um acht Uhr rufen die Händler ihre Preise in den Gassen, Thunfisch liegt aufgeschnitten auf Eis, Artischocken stapeln sich auf dem Pflaster. Hier kaufen Einwohner Gemüse, Fisch, Gewürze, billiges Geschirr. Der Ballarò ist kein Touristenerlebnis, auch wenn Touristen mittlerweile mit Kameras durch die Gassen laufen. Die Nonna vor dir an der Theke kauft dasselbe wie seit vierzig Jahren – und zahlt weniger.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man zu den großen Elektronikmärkten am Stadtrand – MediaWorld hat eine Filiale in der Nähe des Einkaufszentrums Forum Palermo, draußen an der Autobahn Richtung Norden. Man plant dafür einen halben Tag ein: Fahrt, Parkplatz, Beratung, Liefertermin vereinbaren. Für Sportschuhe lohnt sich die Fahrt oft schon wegen der Auswahl – die Filialen im Zentrum haben nicht alle Größen. Wer kann, bestellt online und lässt liefern.
Besonderheiten
Wer einmal eine echte Palermitaner Stigghiola gegessen hat – Innereien vom Grill, gerollt, gesalzen – kauft sie nirgendwo sonst. Die besten bekommt man bei den Straßenhändlern am Ballarò oder am Vucciria-Markt, abends, wenn der Grill läuft und der Rauch durch die Gasse zieht. Kein Supermarkt verkauft das. Kein Restaurant kocht es so. Es ist Straßenessen, das an diesen Ort gebunden ist wie die Pflastersteine darunter – und Einheimische kaufen es ohne nachzudenken, weil es einfach dazugehört.