Shopping in Parma

Wer hier fünf Jahre lebt, versteht irgendwann das System. Morgens liegt Parmigiano Reggiano auf dem Tresen, eingewickelt in Papier vom Käsehändler im Zentrum – nicht vom Supermarkt. Die großen Ketten gibt es natürlich, aber die Parmesan kaufen dort nur Touristen. Was man wirklich sucht und nicht findet: Elektronik, große Sportmarken, Möbel aus dem Mittelsegment. Dafür fährt man raus. Die Einkaufstasche abends enthält Käse, Schinken, frisches Brot – und den Rest kauft man online oder außerhalb.

Einkaufsstraßen

Die Strada della Repubblica ist die Ader der Stadt. Zwischen neun und zwölf Uhr drängen sich dort Angestellte auf dem Weg zur Arbeit, Rentnerinnen mit Rollwagen, Mütter mit Kinderwagen. Die Schaufenster wechseln zwischen Optiker, Schuhgeschäft, Bar und Bekleidung. Keine Straße ist breiter, keine lauter. Wer ein neues Jackett braucht, fängt hier an. Wer Käse sucht, biegt vorher ab. Die Straße arbeitet von früh bis Mittag durch – dann schließt sie, wie alles andere auch.

Luxus & Designer

Wer in Parma ein Hemd von Zegna oder Schuhe von Tod's kaufen will, fährt nach Mailand. Das ist keine Niederlage – das ist Normalzustand. Zwei Stunden mit dem Zug, und man steht im Quadrilatero della Moda. Was Parma bietet, sind hochwertige lokale Herrenausstatter – kleine Läden, handverlesene Auswahl, Inhaber, die einen nach dem zweiten Besuch kennen. Das ist kein Ersatz für Mailand, aber etwas anderes: Man kauft ein Hemd und bekommt ein Gespräch dazu.

Viertel & Boutiquen

Das Oltretorrente, jenseits des kleinen Flusses, ist das Viertel der Einheimischen. Besucher verirren sich selten dorthin. Dort gibt es einen Haushaltswarenladen, dessen Schaufenster seit Jahren gleich aussieht – und dessen Inhaber jeden Stammkunden mit Namen kennt. Wer eine Bratpfanne, Wäscheklammern oder ein Messer braucht, geht nicht ins Zentrum. Er geht ins Oltretorrente, zahlt wenig, und der Händler packt die Tüte selbst. Das ist kein Geheimtipp – es ist einfach der Laden, in den man geht.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs und samstags öffnet der Markt am Piazzale della Pace. Wer früh kommt, findet Stände mit Gemüse aus der Poebene – Zucchini, Auberginen, dicke Tomaten. Die Händler kennen ihre Stammkunden, legen manchmal etwas extra dazu. Wer zu spät kommt, bekommt das, was übrig ist. Neben Lebensmitteln gibt es Kleidung, Haushaltswaren, Socken in großen Paketen. Die Einheimischen kaufen hier, weil es günstiger ist als der Laden – und weil der Händler vom letzten Samstag noch weiß, was man wollte.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man in die Peripherie – nordwärts aus dem Zentrum, wo die großen Elektronikmärkte stehen. Ein Mediaworld gibt es dort, auch ein paar Möbelhäuser entlang der Ausfallstraßen. Mit dem Auto dauert es fünfzehn Minuten. Wer kein Auto hat, nimmt den Bus – oder wartet, bis jemand mitfährt. Diese Fahrten passieren nicht oft, aber wenn sie passieren, plant man sie. Man kauft gleich zwei Dinge. Und hinterher isst man irgendwo an der Straße.

Besonderheiten

Wer echten Culatello di Zibello kaufen will, fährt in die Dörfer zwischen Parma und dem Po – in die sogenannte Bassa Parmense, die Niederung. Dort hängen die Schinken in Kellern, die nach Schimmel und Fleisch riechen, und der Erzeuger schneidet einem eine Scheibe ab, bevor man kauft. Das findet man nicht im Supermarkt, nicht in der Stadt, nicht online. Die Parmesan kaufen das zu Weihnachten, zum Geburtstag, wenn Besuch aus Deutschland kommt. Dann holt man das Beste – und das Beste liegt zwanzig Kilometer entfernt, nicht im Regal.