Fontana Maggiore

Zeitaufwand 15–20 Min
💶 Eintritt kostenlos
📅 Beste Zeit früh morgens oder abends
👥 Besucheraufkommen tagsüber stark, besonders im Sommer

Mittags sitzen hier Studenten auf dem Pflaster und essen Tramezzini. Alte Männer streiten über Fußball. Ein Kind greift nach dem Wasser. Niemand hält inne. Dabei steht genau in der Mitte des Platzes eines der vollständigsten Bildprogramme des gesamten 13. Jahrhunderts – aus Stein gemeißelt, verwittert, aber noch lesbar wie eine aufgeschlagene Bibel. Wer einmal wirklich hinschaut, versteht Perugia besser als nach zwei Stunden im Museum.

Bronzeschale Nymphen Fontana Maggiore Perugia Detail
Bronzeschale mit Nymphen-Skulpturen an der Fontana Maggiore in Perugia © Livioandronico2013, CC BY-SA 4.0
Fontana Maggiore Perugia Reliefs Detailansicht Skulpturen
Detailansicht der Reliefarbeiten und Figurenprogramme der Fontana Maggiore © Diego Delso, CC BY-SA 4.0

Geschichte

Es war kein frommer Akt. Es war eine Machtdemonstration. Perugia hatte 1278 endlich eine Wasserleitung – die erste außerhalb Roms in ganz Mittelitalien. Der Kommunalrat bestellte sofort einen Brunnen. Nicola Pisano und sein Sohn Giovanni schufen ihn in nur drei Jahren. Die Dominikaner waren dagegen: Das Wasser floss genau an ihrer Kirche vorbei. Der Platz war damals Markt, Gericht und politische Bühne zugleich. Der Brunnen markierte: Diese Stadt regiert sich selbst. Das war die Botschaft der Kommunalzeit in Stein.

Erleben

Morgens gehört der Platz den Pendlern. Sie schneiden die Piazza diagonal ab, Kaffeebecher in der Hand. Gegen zehn kommen die ersten Besucher aus dem Dom nebenan und stehen ratlos vor den zwei Becken. Mittags explodiert der Platz. Die Universität ist keine hundert Meter entfernt – das merkt man an den Stimmen. Abends wechselt die Stimmung komplett. Die Beleuchtung trifft genau die Bronzefiguren im oberen Becken. Das Wasser wird golden. Wer dann schweigt, hört, wie es tatsächlich plätschert.

Insider-Tipp

Die 24 Tafeln des unteren Beckens zeigen Monate, Tierkreiszeichen, Handwerke – aber auch die sieben freien Künste und Bibelepisoden. Peruginer Kunsthistoriker nennen das Nordpanel das am häufigsten übersehene: Es zeigt Perugia selbst als allegorische Figur, mit Schlüssel in der Hand. Kein Schild weist darauf hin. Wer es findet, steht auf der Seite des Brunnens, die von der Domtreppe aus nicht sichtbar ist. Man muss einmal um den Brunnen herumgehen. Vollständig. Die meisten tun es nicht.

Besuchstipp

Geh kurz vor neun Uhr abends auf die Domtreppe und setz dich auf die dritte Stufe von oben. Von dort siehst du den Brunnen, dahinter den Palazzo dei Priori, und über allem den Himmel, der in Perugia im Sommer noch eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang leuchtet. Die Bar Sandri schräg gegenüber schenkt dann noch aus. Ein Glas Sagrantino in der Hand, der Stein im Gegenlicht – das nimmt man mit, nicht das Foto.

Äsop Relief Fontana Maggiore Perugia Pisano
Äsop-Reliefs an der Fontana Maggiore: Kranich und Wolf sowie Wolf und Lamm © G.dallorto, CC BY-SA 2.5
Fontana Maggiore Monatsrelief Juli Pisano Perugia
Monatsdarstellung Juli an der Fontana Maggiore von Nicola und Giovanni Pisano © Perugia_-_Fontana_Maggiore_-_1_-_Mesi_-_07_-_Luglio_-_Foto_G._Dall'Orto_5_ago_2006_1.jpg: Picture by Giovanni Dall'Orto, CC BY-SA 2.5

Häufige Fragen

Darf man bei der Fontana Maggiore ins Wasser greifen oder darin sitzen?

Nein. Der Brunnen steht unter Denkmalschutz und ist durch niedrige Absperrungen gesichert. Berühren der Reliefs ist nicht erlaubt – die Sandsteinoberfläche reagiert empfindlich auf Öle der Haut. Wer trotzdem nah ran will: morgens um acht ist der Platz fast leer, der Lichtwinkelist gut, und niemand drängt.

Wann wurde die Fontana Maggiore gebaut und wie lange hat das gedauert?

Der Bau begann 1275 und war 1278 abgeschlossen – drei Jahre für eines der komplexesten Skulpturenprogramme des italienischen Mittelalters. Nicola Pisano entwickelte den Entwurf, sein Sohn Giovanni meißelte einen Großteil der Figuren selbst. Die Wasserleitung, die den Brunnen speist, ist teilweise noch die originale mittelalterliche Röhre.

Gibt es die beste Tageszeit, um die Fontana Maggiore ohne Gedränge zu sehen?

Ja: Dienstags zwischen 7:30 und 9 Uhr morgens. Der Markt findet dann woanders statt, die Reisegruppen sind noch nicht da, und das Morgenlicht fällt von Osten genau auf die Ostseite des Brunnens. Die Reliefs werfen dann kurze Schatten – das macht die Details erst wirklich lesbar.

Bildnachweise