Wer in Perugia morgens aus dem Haus geht, hat meistens einen klaren Plan. Das Brot kommt vom kleinen Forno in einer der Gassen unterhalb des Corso – nicht aus dem Supermarkt. Die Einkaufstasche abends enthält Käse vom Feinkosthändler, vielleicht ein paar Scheiben Norcineria-Aufschnitt, und Gemüse vom Markt. Was fehlt: Große Elektronikketten, Möbelhäuser, Markenflagships. Wer Laufschuhe einer bestimmten Marke braucht, fährt nach Foligno oder direkt nach Rom. Perugia versorgt den Alltag gut – alles darüber hinaus löst die Stadt auswärts.
Einkaufsstraßen
Der Corso Vannucci ist die schönste Straße – aber nicht die geschäftigste. Wer wirklich einkauft, läuft die Via dei Priori hinunter oder biegt in die Via Baglioni ein. Dort öffnen Dienstagvormittag die Tabacchi ihre Rollläden, eine ältere Frau kauft am Zeitungsstand, zwei Studenten betreten eine Copyshop-Buchhandlung. Die Läden sind eng, die Auslagen bescheiden, die Besitzer kennen ihre Stammkunden beim Namen. Touristen verlaufen sich selten hierher – zu wenig Aussicht, zu viel Normalbetrieb.
Luxus & Designer
Wer ein Hemd von Loro Piana oder Schuhe von Tod's will, fährt nach Rom. Von Perugia aus sind das zwei Stunden Zug – machbar für einen Samstag. In der Via Condotti findet man, was zuhause schlicht nicht existiert: Markenboutiquen mit Vollsortiment, geduldige Verkäufer, Platz zum Anprobieren. Perugia hat einige gepflegte Herrenbekleidungsläden im oberen Preissegment, aber keine Markenflagships. Wer einmal im Jahr gut einkauft, plant den Romausflug ein – und verbindet ihn meistens mit einem Abendessen.
Viertel & Boutiquen
Das Viertel rund um die Via Enrico dal Pozzo, außerhalb der Altstadt hangabwärts, läuft unter dem Radar. Dort kaufen Familien ein, die seit Generationen hier leben. Eine Metzgerei, ein Haushaltswarenladen mit Regalen bis zur Decke, ein Friseur ohne Onlinebuchung. Wer als Besucher nur den Corso kennt, sieht diesen Teil nie. Die Rolltreppen, die vom Parcheggio Minimetrò ins Zentrum führen, enden genau an der Grenze – dahinter beginnt die Stadt, in der die Peruginer wirklich wohnen.
Märkte & Spezialitäten
Am Dienstag und Samstag baut sich auf dem Piazzale Europa unterhalb der Altstadt ein handfester Wochenmarkt auf. Gemüsebauern aus dem Umland stellen Kisten mit Radicchio und Zwiebeln auf Tapeziertische, ein Händler verkauft Arbeitshosen und Gummistiefel, daneben liegt Haushaltsware. Wer früh kommt – vor zehn – bekommt den besten Salat. Die Rentner kennen jeden Stand. Touristen kommen kaum, weil der Platz unten liegt, weit weg von den Aussichtspunkten. Das ist kein Nachteil – eher der Grund, warum der Markt noch so ist, wie er ist.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Fernseher fährt man zum Ipercoop oder zu einem Mediamarkt am Stadtrand – der nächste liegt in Richtung Corciano, keine zwanzig Autominuten. Mit Parkplatz, Breite und Lager. Wer eine Waschmaschine kauft, lässt sie liefern und zahlt für die Installation. Der Samstagnachmittag ist voll, der Dienstagvormittag leer. Für Sportschuhe gibt es im Zentrum ein paar Läden, aber wer Auswahl will, fährt ebenfalls raus – oder bestellt online und lässt sich die Ware zur Bar an der Ecke liefern.
Besonderheiten
Perugina-Schokolade kauft jeder Tourist – aber die Einheimischen gehen zur Norcineria. In Norcia, eine Stunde entfernt, kauft man den echten schwarzen Trüffel und die Salamini, die anderswo nicht stimmen. Näher dran: Ein paar Geschäfte im Zentrum führen umbrischen Olivenöl und Sagrantino-Wein aus Montefalco. Wer zu Weihnachten verschenken will, was nach etwas riecht, kauft dort ein. Die Verpackungen sind schlicht, der Preis ehrlich, und der Verkäufer erzählt meistens, von welchem Hof das Öl kommt.