Morgens läuft Pesaro ruhig an. Der Mann vom Fischhändler nahe dem Hafen trägt Kisten rein, die Bäckerin an der Via Branca stapelt Cornetti. Wer hier wohnt, kauft Brot, Käse und Gemüse fast täglich – nicht im Supermarkt, sondern bei den kleinen Läden im Zentrum. Den neuen Fernseher kauft niemand in der Stadt. Für Markenklamotten oder größere Elektronik fährt man raus. Die Einkaufstasche am Abend? Klein, frisch, lokal. Was man vergeblich sucht: ein breites Angebot an internationalen Marken.
Einkaufsstraßen
Die Via Branca ist die Straße, auf der Pesaro wirklich einkauft. Nicht glamourös, aber lebendig. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Mütter mit Kinderwagen an älteren Herren vorbei, die vor der Bar noch einen letzten Caffè stehen lassen. Die Läden sind eng, die Auslagen dicht. Ein Schuhgeschäft neben einem Leinenwaren-Laden neben einer Apotheke. Wer dort mit einer Tasche läuft, kauft tatsächlich etwas – er flaniert nicht. Die Straße arbeitet, sie posiert nicht.
Luxus & Designer
Wer ein Hemd von Loro Piana oder Schuhe von Tod's sucht, packt das Auto. Ancona liegt etwa eine Stunde südlich und hat die Läden, die Pesaro nicht hat. Manche fahren auch nach Rimini – knapp 40 Minuten Richtung Norden, mehr Auswahl, mehr Tempo. Was man in Pesaro dafür bekommt: gut sortierte lokale Modehändler im Zentrum, die ordentliche Qualität führen, aber keine zweite Reihe der großen Namen. Der Pesareser kauft das gute Hemd also auf Reisen – oder er wartet auf den Urlaub.
Viertel & Boutiquen
Wer in der Altstadt die kleinen Gassen hinter der Piazza del Popolo kennt, kauft anders ein. Dort sitzt ein Eisenwarenhändler, den kein Tourist je betritt – aber jeder Hausbesitzer der Stadt kennt ihn. Daneben ein Laden für Stoffe und Kurzwaren, dessen Inhaberin seit dreißig Jahren dieselbe Kasse bedient. Diese Läden haben kein Schild, das auffällt. Man findet sie, weil man jemanden kennt, der sie kennt. Besucher laufen daran vorbei, weil sie kein Schaufenster haben, das sie aufhält.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags baut sich der Wochenmarkt auf – entlang der Via Bovio und dem angrenzenden Bereich wird es eng und laut. Gemüsebauern aus dem Umland stellen Kisten mit Zucchini, Tomaten und Fenchel auf. Neben frischer Ware gibt es Stoffe, Haushaltswaren, billige Schuhe. Wer früh kommt, bekommt die besten Artischocken. Wer zu spät kommt, bekommt trotzdem noch etwas – aber nicht mehr das Beste. Die Marktfrauen kennen ihre Stammkunden. Ein neues Gesicht bezahlt ein paar Cent mehr.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Laufschuhe fährt man zum Fano-Pesaro-Korridor entlang der Küstenstraße – dort sitzen die großen Fachmärkte. Mediaworld und ähnliche Ketten haben Standorte in diesem Gewerbestreifen, knapp außerhalb des Zentrums. Die Fahrt dauert keine zwanzig Minuten. Man fährt hin, wenn man weiß was man will – kein Bummeln, kein Entdecken. Wer einen Fernseher vergleichen will, recherchiert vorher. Die Parkplätze sind groß, die Hallen kalt, der Kaffee an der Tankstelle daneben überraschend gut.
Besonderheiten
Pesaro ist die Heimatstadt von Gioachino Rossini – und der Rossini Opera Festival zieht jeden August die Welt in die Stadt. Rund um dieses Ereignis entstehen kurze Einkaufsmöglichkeiten, die sonst nicht existieren: limitierte Editionen, Kunstdrucke, handgebundene Programmhefte. Das andere, was man hier kauft und nirgendwo sonst findet: Keramik aus Pesaro und dem nahen Casteldurante, heute Urbania. Die Töpfer dort arbeiten nach alten Mustern. Wer ein Stück kauft, kauft es direkt in der Werkstatt – nicht im Souvenirladen, sondern dort, wo der Staub noch in der Luft liegt.