Shopping in Piano di Sorrento

Morgens um acht ist die Sache klar: Brot und Cornetti holt man beim Bäcker um die Ecke, nicht im Supermarkt. In der Einkaufstasche am Abend liegen Tomaten vom Gemüsehändler, vielleicht eine Flasche Limoncello als Geschenk für jemanden aus dem Norden. Was fehlt, ist schnell aufgezählt: Designerläden, ein Kaufhaus, internationale Ketten. Wer das braucht, fährt nach Neapel. Wer es nicht braucht, bleibt – und kauft lieber beim Mann, den er seit Jahren kennt.

Einkaufsstraßen

Die Corso Italia ist die Ader, durch die der Alltag fließt – nicht elegant wie in Sorrento, aber lebendiger. Vor zehn Uhr parken hier die Lieferwagen schräg auf dem Gehweg, der Gemüsehändler stapelt Kisten, die Bar an der Ecke schiebt die ersten Espressos über den Tresen. Wer morgens zwischen neun und zwölf hier entlangläuft, begegnet denselben Gesichtern wie immer: den Rentnern vor dem Tabakwarenladen, den Müttern mit Kinderwagen, dem Metzger, der kurz rauskommt und jemanden kennt.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd will – wirklich gut, mit einem Namen auf dem Etikett –, fährt nach Neapel. Die Strecke dauert knapp eine Stunde, je nachdem wie der Verkehr auf der SS145 mitspielt. In Neapel, auf der Via Toledo oder in der Galleria Umberto I, findet man das, was in Piano di Sorrento schlicht nicht existiert: Flagship-Stores, Boutiquen, Auswahl. Manche fahren auch nach Sorrento, das näher liegt – aber ehrlich gesagt kaufen die wenigsten dort, weil die Preise auf Touristen ausgerichtet sind und nicht auf Einheimische.

Viertel & Boutiquen

Die Rione Trinità, das ältere Viertel hinter dem Corso, kennen die meisten Besucher nicht. Dort gibt es eine kleine Metzgerei, die keine Schaufensterdekoration braucht, weil die Kundschaft ohnehin jeden Dienstag kommt. Kein Schild, kein Englisch, kein Menü auf Hochglanzpapier. Man weiß, wo es ist, weil man es irgendwann gezeigt bekommen hat. Wer neu in der Stadt ist, findet diese Läden nicht beim ersten Mal – sondern erst, wenn jemand Einheimisches mitläuft und die richtige Gasse einbiegt.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs entfaltet sich auf dem kleinen Platz nahe der Via delle Rose ein Wochenmarkt – überschaubar, aber ernst gemeint. Gemüse aus der Umgebung, ein Stand mit Haushaltsware, einer mit Unterwäsche und Socken in Plastikfolie. Die Bauern kommen aus den Hügeln hinter Meta und Sant'Agnello. Was auf den Tischen liegt, hängt von der Jahreszeit ab: im Sommer Zucchini und Auberginen, im Herbst Nüsse, im Winter Zitrusfrüchte, die nach echten Zitronen riechen und nicht nach Supermarkt.

Einkaufszentren & Outlets

Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Castellammare di Stabia. Dort gibt es die großen Elektronikmärkte und Möbelhäuser, die auf der Halbinsel fehlen. Die Fahrt über die SS145 dauert zwanzig bis dreißig Minuten – bei normalem Verkehr, was auf dieser Strecke eine Annahme ist, keine Garantie. Manche fahren auch nach Neapel, wenn sie gleichzeitig anderes erledigen wollen. Für Sportschuhe gilt dasselbe: Man fährt nicht für ein Paar Laufschuhe eigens los, man kombiniert es mit einem anderen Termin.

Besonderheiten

Die Zitronen der Halbinsel sind kein Klischee – sie sind tatsächlich anders. Größer, dicker in der Schale, intensiver im Geruch. Wer in Piano di Sorrento beim richtigen Händler kauft oder direkt an einem der kleinen Hofstände an der Straße Richtung Meta hält, bekommt Früchte, die nicht für den Export gezüchtet wurden. Den Limoncello, den die Großmutter damit ansetzt, gibt es nicht im Supermarkt. Den bekommt man in der Küche dahinter – wenn man fragt, wenn man bekannt ist, wenn man Zeit mitbringt.