Shopping in Pienza

Wer in Pienza lebt, kauft Käse und Wurst beim Händler auf der Hauptgasse – und fährt für alles andere nach Montepulciano oder Chianciano Terme. Die Einkaufstasche am Abend ist klein: ein Stück Pecorino, ein Bund Salbei, vielleicht Brot vom Bäcker gleich neben der Piazza. Einen Drogeriemarkt sucht man vergeblich. Wer Waschmittel, Batterien oder Strumpfhosen braucht, plant die Fahrt ins Tal von vornherein mit ein.

Einkaufsstraßen

Der Corso il Rossellino ist die einzige Achse, auf der sich in Pienza wirklich etwas abspielt. Zwischen neun und zwölf Uhr öffnen die kleinen Läden ihre Holztüren, Einheimische holen schnell ihr Brot, Touristinnen fotografieren Käseräder im Schaufenster. Die Straße ist schmal – zwei Personen mit Taschen kommen kaum aneinander vorbei. Wer einkauft und nicht schaut, stört. Wer schaut und nicht kauft, gehört trotzdem irgendwie dazu.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd oder Schuhe einer bekannten Marke kaufen will, fährt nach Siena. Das sind knapp sechzig Kilometer, etwa eine Stunde – aber die Strecke lohnt sich. In Siena gibt es die Via Banchi di Sopra mit Läden, die in Pienza schlicht nicht existieren. Einige fahren auch nach Florenz, wenn der Anlass größer ist. Das Tal verlassen für Kleidung gehört hier zum normalen Rhythmus, niemand findet das besonders.

Viertel & Boutiquen

Direkt unterhalb der Stadtmauer, auf der Seite zum Val d'Orcia hin, gibt es eine kleine Gasse, die kein Reiseführer zeigt. Dort kaufen Familien beim Metzger, der keine Werbung macht und keine englische Speisekarte hat. Die Tür steht offen, auf dem Tresen liegt Papier statt Preisschilder. Besucher laufen vorbei, weil der Eingang aussieht wie ein Nebeneingang. Einheimische wissen, dass sie klingeln müssen, wenn die Tür ausnahmsweise zu ist.

Märkte & Spezialitäten

Einen wöchentlichen Markt mit Gemüseständen und Händlern aus der Umgebung gibt es in Pienza nicht – jedenfalls nicht in der Form, die man aus größeren Toskana-Städten kennt. Was es stattdessen gibt: Ein Bauer aus dem Umland liefert Gemüse direkt an einige Haushalte, fast ohne Ankündigung, fast ohne feste Zeit. Wer neu in die Stadt zieht, erfährt seinen Namen irgendwann beim Gespräch vor dem Café. Bis dahin fährt man nach Montepulciano zum Marktag.

Einkaufszentren & Outlets

Wer einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine braucht, fährt nach Chianciano Terme oder direkt nach Montepulciano – beide rund zwanzig Kilometer entfernt. Dort gibt es Elektronikmärkte und Baumärkte, die mit dem Auto in einer halben Stunde erreichbar sind. Manche fahren auch nach Sinalunga, wenn das Angebot besser passt. Die Fahrt plant man nicht spontan – man kombiniert sie mit Arzttermin, Bankgang und allem, was sich in Pienza nicht erledigen lässt.

Besonderheiten

Pecorino di Pienza ist der eigentliche Grund, warum viele hier einkaufen – und wer ihn einmal direkt beim Produzenten in der unmittelbaren Umgebung gekauft hat, kauft ihn nirgendwo anders mehr. Einige der kleinen Käsereien im Val d'Orcia verkaufen direkt ab Hof, ohne Laden, ohne Öffnungszeiten im herkömmlichen Sinn. Man fährt hin, klingelt, bekommt Käse eingewickelt in weißes Papier. Einheimische bringen Besuchern diese Adressen als Gastgeschenk mit – wichtiger als jede Empfehlung im Internet.