Wer morgens in Pistoia die Haustür aufmacht, geht zuerst zum Bäcker – nicht in den Supermarkt. Die Einkaufstasche am Abend ist gemischt: Brot vom Bäcker, Gemüse vom Markt am Mittwoch, Käse von einem der kleinen Alimentari in der Altstadt. Was fehlt, sind große Modeketten und Elektrohändler. Wer einen Fernseher braucht oder eine bekannte Schuhmarke sucht, fährt nach Florenz. Pistoia versorgt sich täglich – und vertraut dabei Leuten, deren Eltern man auch schon kannte.
Einkaufsstraßen
Die Via Cino da Pistoia ist die Straße, auf der wirklich etwas passiert. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Rentnerinnen mit Trolleys an jungen Müttern vorbei, Ladeninhaber stehen in ihren Türrahmen und reden mit Stammkunden. Die Straße ist nicht spektakulär – Schaufenster mit Handtaschen neben einer Apotheke neben einem Textilladen, der seit dreißig Jahren dieselbe Schrift am Schild hat. Kein Fotograf hält hier an. Aber wer etwas braucht und jemanden fragt, landet hier.
Luxus & Designer
Florenz liegt vierzig Minuten mit dem Regionalzug – und fast jeder Pistoiese, der ein gutes Hemd oder Schuhe von Gucci oder Prada will, macht genau diese Fahrt. Auf der Via de' Tornabuoni findet man das, was in Pistoia schlicht nicht existiert: flagship stores, großes Angebot, Auswahl in allen Größen. Manche fahren auch nach Prato, das näher liegt und einen anderen Mix hat – mehr Streetwear, mehr Mittelpreisiges. Für wirklich Schönes aber nimmt man den Zug Richtung Florenz, meistens samstags, meistens mit Plan.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Dom, in den Gassen rund um die Piazza della Sala, gibt es Läden, an denen Touristen vorbeigehen, weil sie wie Lagerräume aussehen. Einheimische wissen, dass man dort Olivenöl aus der Region kauft oder hausgemachte Pasta, die keine Speisekarte ziert. Ein Alimentari, dessen Besitzer jeden Kunden beim Namen nennt, drei Stufen unter Straßenniveau – das ist kein Geheimtipp, das ist einfach Alltag. Wer dort zum ersten Mal kauft, wirkt als Fremder. Beim dritten Mal nickt der Besitzer schon, bevor man etwas sagt.
Märkte & Spezialitäten
Mittwoch und Samstag gehört die Piazza del Duomo und ihr Umfeld den Marktständen. Samstags ist es voller, lauter, die Tische dichter gestellt. Gemüsebauern aus dem Umland bringen Zucchini, Tomaten, Fenchel – je nach Jahreszeit. Daneben: Socken, Haushaltswaren, billige Gürtel. Wer frisches Fleisch will, geht nicht zum Markt, sondern zur Macelleria im Viertel. Die Markthändler kennen ihre Stammkunden und legen zur Seite, was abgesprochen war. Wer neu ist, stellt sich einfach an und schaut, was die Frau vor ihm in die Tasche bekommt.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder Sportschuhe fährt man Richtung Auchan oder zu den Gewerbegebieten an der Peripherie von Pistoia selbst – an der Strada Statale 64 gibt es Möbel- und Elektrohändler, die man mit dem Auto in einer Viertelstunde erreicht. Wer konkrete Markensportschuhe will, fährt nach Florenz oder nutzt das Einkaufszentrum Il Padule in Sesto Fiorentino. Die meisten planen solche Fahrten – Samstag, Auto voll, Kofferraum leer, Liste dabei. Spontaneinkäufe dieser Art passieren in Pistoia nicht.
Besonderheiten
Das Panforte aus Pistoia gibt es nicht – das ist Siena. Was Pistoia hat, ist echter Montagna Pistoiese-Käse, der in Läden außerhalb der Region kaum auftaucht. Im Herbst bringen Händler auf dem Samstagsmarkt Maronen aus den Wäldern über Abetone – geröstete Kastanien, die man in Tüten kauft und auf dem Heimweg isst. Außerdem: Pistoia ist Italiens Hauptstadt der Baumschulpflanzen. Wer gärtnert, fährt in die Comuni um die Stadt – direkt beim Erzeuger, mit Lkw-Anhänger, zu Preisen, die kein Gartencenter bietet.