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Wer hier aufgewacht ist und Milch braucht, geht nicht in den Supermarkt – er geht zum kleinen Lebensmittelladen an der Ecke, wo die Inhaberin noch weiß, wie er seinen Kaffee trinkt. Brot holt man beim Bäcker, der morgens um acht schon ausverkauft sein kann. Eine neue Jacke? Die kauft man nicht in Poggiardo. Das wissen alle, und niemand macht sich etwas vor. Die Einkaufstasche abends enthält Käse, Olivenöl, vielleicht Wurst vom Fleischer – das war's.
Einkaufsstraßen
Das Zentrum ist klein, aber der Corso zieht das Leben an. Zwischen neun und zwölf Uhr passiert dort alles gleichzeitig: Die Nonna schleppt ihre Tasche, zwei Männer diskutieren vor dem Tabacchi, jemand hält mit dem Auto mitten auf der Fahrbahn an, weil er seinen Nachbarn erkannt hat. Die Läden sind schmal, die Türen stehen offen. Kein Schaufenster leuchtet, kein Lautsprecher dröhnt. Wer etwas braucht, fragt einfach – irgendjemand hier weiß es.
Luxus & Designer
Wer ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Geox sucht, fährt nach Lecce. Das sind etwa dreißig Kilometer, eine halbe Stunde auf der Schnellstraße. In Lecce gibt es Fußgängerzonen mit Markenboutiquen, mehrere Schuhgeschäfte, einen Stadtbummel, der sich lohnt. Manche kombinieren das mit einem Restaurantbesuch – man macht dann einen halben Tag daraus. Zurück in Poggiardo bringt man die Tüte mit, hängt das Hemd in den Schrank und erzählt beim nächsten Kaffee davon.
Viertel & Boutiquen
Hinter der Hauptkirche, ein paar Gassen weiter, kennt jeder einen Mann, der Olivenöl verkauft. Kein Schild, kein Laden, keine Website. Man klingelt, er öffnet, man nimmt eine Fünf-Liter-Kanne mit. Besucher laufen drei Mal vorbei, ohne es zu merken. Genauso funktioniert der Käsemann, den man nur durch Mundpropaganda findet. Diese Adressen gibt man nicht weiter – oder man gibt sie weiter, aber nur an wen, der wirklich fragt.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs ist Markt in Poggiardo – auf dem Platz stehen Stände mit Gemüse, Kleidung, Haushaltswaren. Die Tomaten kommen oft vom Bauer aus der Nachbarschaft, die Hosen vom Händler, der jede Woche dieselben drei Modelle mitbringt. Rentner kommen früh, um neun ist das Beste weg. Wer den Markt verpasst, kauft Gemüse im kleinen Lebensmittelladen – oder fährt die zwei Kilometer raus, wo ein Bauer an der Straße einen Tisch aufgestellt hat.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Maglie oder nach Lecce. Maglie liegt näher – zwanzig Minuten – und hat an der Ausfallstraße die üblichen Elektroketten mit großen Parkplätzen und Personal, das einen Liefertermin vereinbart. Sportschuhe kauft man dort auch, oder in Lecce, wo die Auswahl größer ist. Man fährt nicht für Kleinigkeiten dorthin – aber wenn man schon fährt, kauft man gleich mehreres. Die Fahrt plant man am Wochenende ein, nicht unter der Woche.
Besonderheiten
Das Salento steckt tief in Poggiardo drin – wer hier Primitivo kauft, kauft ihn direkt beim Winzer, der keine zwanzig Kilometer entfernt seine Reben hat. Aber auch der Käse aus dem Masseria, den es nirgendwo im Supermarkt gibt, gehört dazu. Und die handgemachten Orecchiette: Eine Frau im Dorf macht sie jeden Freitag frisch, man bestellt vorher telefonisch. Das ist kein Touristenangebot – das ist Freitag, halb elf, Tüte abholen, Pasta kochen.