Shopping in Poggio Mirteto

Brot, Käse, das tägliche Gemüse – das besorgen die Leute hier in den kleinen Läden rund um die Altstadt, viele kennen die Verkäufer seit Jahren. Wer abends nach Hause kommt, trägt eine Tasche mit dem Nötigsten, eingekauft in zehn Minuten zu Fuß. Kleidung, Elektronikartikel, alles was über den Alltag hinausgeht – dafür steigt man ins Auto. Poggio Mirteto ist zu klein für Boutiquen, zu nah an Rieti und Rom, um es überhaupt zu versuchen. Das wissen alle hier, und niemand jammert deswegen.

Einkaufsstraßen

Der Corso Mazzini ist die Ader, auf der sich morgens das meiste abspielt. Zwischen neun und elf schieben sich die Frauen mit Einkaufstaschen an den Schaufenstern vorbei, ein Rentner grüßt den Zeitungsverkäufer, zwei Mütter bleiben vor der Bar stehen. Die Straße ist schmal genug, dass man jedem ins Gesicht sieht. Hier sitzt ein kleiner Lebensmittelladen, dort ein Haushaltswarengeschäft, dazwischen eine Apotheke. Nichts Glamouröses – aber an einem Dienstagvormittag ist hier mehr Leben als in manchem Einkaufszentrum.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd oder Schuhe einer bekannten Marke sucht, fährt nach Rieti – etwa zwanzig Kilometer, eine halbe Stunde auf der SS4. In Rieti gibt es Geschäfte mit echten Markennamen, ein Zentrum mit etwas Auswahl. Wer mehr will, fährt weiter nach Rom, neunzig Kilometer auf der gleichen Achse. Dort kauft man einmal im Quartal, plant den Tag durch, kehrt abends mit Tüten zurück. In Poggio Mirteto selbst kauft man das gute Hemd nicht – das ist kein Makel, das ist einfach die Rechnung.

Viertel & Boutiquen

In den Gassen unterhalb der Altstadt, wo die Häuser enger zusammenstehen und kein Fremder ohne Grund hinläuft, gibt es einen kleinen Laden, den man von außen kaum als Laden erkennt. Die Tür steht offen, drinnen riecht es nach Holz und altem Papier. Wer hier einkauft, kennt den Inhaber seit der Schulzeit. Solche Orte tauchen in keinem Reiseführer auf, weil sie keine Schilder haben. Touristen laufen daran vorbei. Einheimische kehren wöchentlich wieder, manchmal ohne genauen Grund – die Gewohnheit reicht als Grund.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs steht in Poggio Mirteto ein kleiner Wochenmarkt auf dem Platz in der Nähe des Stadtzentrums. Gemüse, ein paar Kleiderständer, Haushaltswaren aus Plastik. Die Tomaten kommen nicht vom anderen Ende Italiens – die Händler hier kennen die Bauern aus der Sabina-Ebene persönlich. Eine ältere Frau kauft Zucchini, verhandelt kurz, nickt. Um elf ist fast alles weg. Wer den Mittwoch verpasst, fährt zum nächsten Bauernhof oder kauft beim kleinen Gemüseladen in der Altstadt – beides dauert keine zwanzig Minuten.

Einkaufszentren & Outlets

Einen Kühlschrank kauft hier niemand vor Ort – das weiß jeder. Die nächste Adresse dafür ist Rieti, wo es ein größeres Elektrofachgeschäft gibt. Wer lieber die große Auswahl will, fährt Richtung Rom und hält an einem der Einkaufszentren entlang der Via Salaria. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde, man nimmt sich den Samstag dafür. Sportschuhe, Waschmaschinen, Fernsehgeräte – alles in einer Fahrt erledigt. Wer einmal im Jahr so einen Ausflug macht, kennt die Route auswendig und weiß genau, wo man mittags gut isst.

Besonderheiten

Das Olivenöl aus der Sabina gehört zu den besten Italiens – und Poggio Mirteto liegt mitten in diesem Anbaugebiet. Im Herbst, nach der Ernte, verkaufen manche Familien ihr Öl direkt vom Hof. Kein Etikett, kein Onlineshop, kein Zwischenhändler. Man fragt jemanden, der jemanden kennt, und kommt mit einem Kanister zurück. Einheimische kaufen so seit Generationen. Das Öl schmeckt anders als im Supermarkt – das ist keine Einbildung, das ist Geografie. Wer einmal so gekauft hat, will das Supermarkt-Regal danach kaum noch anfassen.