Polignano a Mare – Gemeinde in Italien

Gemeinde in Italien

Dreißig Meter über dem Adriatischen Meer klebt eine weiß getünchte Altstadt an der Felskante Apuliens – und manchmal wirkt es, als hätte jemand vergessen, ihr zu sagen, dass das eigentlich nicht geht. Unten rauscht das Wasser in engen Grotten, oben hängen Geranien aus Fenstern, die kaum breiter sind als ein Mensch. Das ist Polignano a Mare, eine kleine Küstenstadt dreißig Kilometer südöstlich von Bari, die den Ruf besitzt, eine der dramatischsten Küstenkulissen Italiens zu besitzen – und die diesen Ruf täglich bestätigt, indem sie einfach existiert.

Sehenswürdigkeiten & Highlights

Das Centro Storico beginnt am Arco Marchesale, dem alten Stadttor, und endet abrupt an Klippen. Enge Gassen aus weißem Kalkstein führen zur Piazza Vittorio Emanuele II, wo abends die Stühle rücken und die Atmosphäre dicht wird. Direkt darunter liegt die Lama Monachile, ein natürlicher Meeresarm, der sich zwischen Felsen schiebt – das Wasser wechselt von Türkis zu Tiefblau, je nach Tageszeit. Am Rand steht die Statue von Domenico Modugno, dem Sänger aus Polignano, der Volare schrieb. Die Chiesa Matrice di Santa Maria Assunta hält die Piazza zusammen, ihr Inneres ist kühler als draußen. Vom Belvedere sul Mare schaut man senkrecht hinunter.

Natur & Umgebung

Die Küste hier ist kein Sandstrand, sondern Kalkfels. Das Meer gräbt sich in Grotten und Bögen, das Wasser ist klar genug, um den Grund zu sehen. Wer schwimmen will, klettert über Felsen, findet enge Buchten, springt vom Stein. Das Umland ist flaches Apulien: Olivenhaine, rote Erde, gelegentlich ein Trullo am Wegesrand. Zwischen Polignano und Monopoli verläuft die alte Küstenstraße nah am Wasser, Fahrrad oder Roller sind die richtige Fortbewegung. Im September ist das Meer warm und das Licht weich – dann gehören die Felsen nachmittags fast nur den Einheimischen.

Essen & lokale Spezialitäten

Apulien kocht einfach und stark: ricci di mare – frische Seeigel, direkt an der Küste geöffnet – sind in Polignano kein Restaurantgericht, sondern ein Straßenmoment. Dazu orecchiette mit cime di rapa, das bittere Rübsenkraut, das hier auf jedem Teller auftaucht. Im Zentrum gibt es Bars, in denen der caffè unter einem Euro kostet und die Cornetti morgens noch warm sind. Wer Fisch will, fragt nach dem Tagesfang. Der lokale Primitivo aus dem Umland ist dunkel und direkt. Ein Focaccia barese – mit Kirschtomaten und Olivenöl – kauft man beim Bäcker, nicht im Restaurant.

Praktische Infos

Bari ist dreißig Minuten entfernt, vom Flughafen Karol Wojtyła fahren Züge direkt nach Polignano. Der Bahnhof liegt außerhalb des alten Kerns, zu Fuß sind es zehn Minuten. Im Juli und August ist die Altstadt voll, die Gassen eng, die Parkplätze außerhalb der Stadt. Mai, Juni und September sind die Monate, in denen das Ort sich öffnet. Übernachten im Centro Storico bedeutet: weiße Wände, Meeresrauschen, wenig Platz und gute Preise verglichen mit der Amalfiküste. Wer ein Auto mietet, erkundet die Umgebung bis Alberobello und Monopoli.

Häufige Fragen

Kann man in <a href="https://italien.wiki/polignano-a-mare/" title="Polignano a Mare – Reiseführer & Tipps">Polignano a Mare</a> gut schwimmen, auch ohne Sandstrand?

Ja, aber anders als erwartet. Die Zugänge führen über Felsen und Stufen, direkt ins tiefe, klare Wasser. Die Cala Porto ist der bekannteste Einstieg, kleine Buchten in Richtung Süden sind ruhiger und weniger überlaufen.

Ist Polignano a Mare als Tagesausflug von Bari sinnvoll oder lohnt eine Übernachtung?

Ein Nachmittag und Abend reichen, um das Zentrum zu sehen. Wer aber das Morgenlicht auf den Felsen erleben will – und den Moment, bevor die Tagesgäste ankommen – bleibt eine Nacht.

Was hat Domenico Modugno wirklich mit dem Ort zu tun?

Er wurde 1928 hier geboren, wuchs in Polignano auf und schrieb später Nel blu dipinto di blu – bekannt als Volare. Die Stadt ist stolz auf ihn. Die Statue am Klippenrand zeigt ihn mit ausgebreiteten Armen, Blick aufs Meer.

Fazit

Wer Apulien verstehen will, fährt nicht nur nach Lecce oder zu den Trulli. Polignano zeigt das andere Gesicht der Region: rau, vertikal, direkt am Wasser. Die Stadt ist kein ruhiges Versteck mehr – sie wird geliebt und das merkt man. Aber wer früh aufsteht, im Mai anreist oder einfach eine Gasse weitergeht als die meisten, findet noch den Ort, der er wirklich ist. Empfehlenswert für alle, die Küste nicht als Kulisse brauchen, sondern als Boden unter den Füßen.