Shopping in Pomigliano d Arco

Morgens um halb neun läuft Pomigliano d'Arco. Die Frauen aus dem Viertel nahe der Fiat-Werke tragen Beutel vom Gemüsehändler nach Hause, nicht vom Supermarkt. Brot holt man beim Fornaio um die Ecke, Käse beim kleinen Alimentari, der den Namen des Besitzers trägt. Was abends in der Tasche fehlt – ein bestimmtes Parfum, ein Markenrucksack – das kauft man in Neapel. Pomigliano versorgt den Tag. Für den Rest fährt man.

Einkaufsstraßen

Der Corso Vittorio Emanuele ist die Linie, auf der die Stadt läuft. Zwischen neun und zwölf schieben sich Mütter mit Kinderwagen an Schaufenstern vorbei, Rentner bleiben vor dem Zeitungskiosk stehen, ein Lieferant trägt Kartons in einen Schuhgeschäft. Die Läden sind klein, die Auslagen eng, kein Laden versucht zu beeindrucken. Wer hier einkauft, kennt den Inhaber beim Vornamen. Wer zum ersten Mal hereinkommt, merkt das sofort.

Luxus & Designer

Wer ein gutes Hemd will – nicht irgendeins, sondern eines mit einem Namen auf dem Etikett – fährt nach Neapel. Dreißig Minuten mit dem Auto, weniger wenn man früh aufbricht. Die Via Toledo und das Viertel rund um die Piazza dei Martiri bieten das, was Pomigliano nicht hat: Flagship-Stores, Boutiquen, Auswahl bei Schuhen, die mehr als hundert Euro kosten. Man fährt dorthin nicht täglich. Man fährt mit einem Ziel – und kommt mit einer Tüte zurück.

Viertel & Boutiquen

In den Seitenstraßen westlich des Zentrums liegt ein Ladentyp, den kein Besucher sucht: der Haushaltsladen ohne Schaufenster. Man sieht ihn nur, wenn man ihn kennt. Töpfe, Plastikwannen, Ersatzteile für Kaffeemaschinen, Haushaltswaren ohne Markenlogo. Die Frauen, die dort einkaufen, kommen seit Jahren. Der Besitzer lagert manchmal Dinge unterm Tresen für Stammkunden. Touristen kommen hier nicht vorbei – es gibt keinen Grund für sie, diese Gasse überhaupt zu betreten.

Märkte & Spezialitäten

Mittwochs und samstags baut sich auf dem Piazzale Belvedere der Wochenmarkt auf. Gemüse aus der Umgebung, Stoffe, billige Haushaltswaren, manchmal Oliven in Bottichen. Die Händler kommen früh, die Käufer auch – wer nach elf kommt, findet nur noch die Reste. Ein älterer Mann verkauft Zucchini, die er selbst anbaut, seine Preise nennt er mündlich. Auf dem Papier steht nichts. Wer ihn nicht kennt, zahlt mehr. Wer jeden Mittwoch kommt, zahlt weniger.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man nach Acerra oder direkt auf die großen Handelsflächen an der Statale 162, der Verbindungsstraße zwischen den Städten des Nolaner Beckens. Dort stehen die Elektromarkt-Ketten mit ihren riesigen Parkplätzen. Zwanzig Minuten Fahrt, manchmal weniger. Man fährt am Wochenende, man lädt den Kofferraum voll. Sportschuhe kaufen Jüngere auch online – aber wer das Modell erst anfassen will, fährt zum Einkaufszentrum Vulcano Buono in Nola.

Besonderheiten

Die Sfogliatella aus einer der Backwaren-Konditoreien im Zentrum schmeckt anders als in Neapel – schwerer, mit mehr Ricotta. Kein Schild erklärt das. Man erfährt es durch jemanden, der hier aufgewachsen ist. Zu Ostern kaufen Einheimische die Pastiera beim Konditor ihres Vertrauens – nicht beim nächstbesten, sondern bei dem, bei dem die Mutter schon bestellt hat. Diese Loyalität läuft über Generationen. Wer von außen kommt und nach der besten Pastiera fragt, bekommt drei verschiedene Antworten. Alle drei stimmen.