Die Einkaufstasche am Abend verrät viel über diese Stadt. Brot und Aufschnitt kommen aus der Salumeria um die Ecke, Kaffee hat man in der Bar an der Piazza XX Settembre getrunken, nicht mitgenommen. Kleidung sucht man hier – wenn man ehrlich ist – oft vergeblich. Wer eine bestimmte Marke will, fährt nach Udine oder Triest. Was bleibt, ist der tägliche Kram: Käse, Gemüse, Zeitungen. Den kauft man hier gut, nah, ohne Umwege.
Einkaufsstraßen
Der Corso Vittorio Emanuele II ist die Achse, auf der sich Pordenone entscheidet. Kein breiter Boulevard, eher ein langer, geradliniger Korridor mit Arkaden, unter denen man auch im Regen trocken bleibt. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Mütter mit Kinderwagen an Rentnern vorbei, Ladenbesitzer stehen in ihren Türrahmen. Die Schaufenster wechseln zwischen Schuhläden, Optikern und Bars. Wer hier zweimal pro Woche vorbeiläuft, grüßt irgendwann automatisch denselben Mann vor der Tabacchi.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd einer bekannten Marke will, fährt nach Udine – vierzig Minuten mit dem Auto, etwas mehr mit dem Zug. Dort gibt es das, was Pordenone nicht hat: mehrere Stockwerke, bekannte Namen, Verkäuferinnen mit Maßband. Manche fahren auch nach Triest, vor allem für Schuhe. Das klingt nach Aufwand, aber es ist Gewohnheit. Man verbindet es mit einem Mittagessen, kommt mit zwei Taschen zurück. Pordenone selbst bietet gute mittlere Qualität – wer mehr will, muss eben fahren.
Viertel & Boutiquen
Wer nicht weiß, wo die Via Mazzini in die Seitenstraßen übergeht, verpasst die kleinen Läden, an denen keine Tourismusbroschüre klebt. Dort kaufen Einheimische Haushaltswaren bei Händlern, deren Eltern denselben Laden geführt haben. Kein Schaufenster-Design, keine Kreditkartenschilder an der Tür – aber der Mann dahinter weiß, welche Pfanne zu welchem Herd passt. Besucher gehen dort nicht rein, weil von außen nicht erkennbar ist, was drinnen wartet. Einwohner gehen dort rein, weil sie es immer schon taten.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags baut sich der Markt auf dem Largo San Giorgio auf. Wer früh kommt, findet noch die besten Tomaten – wer um elf kommt, kauft trotzdem. Einheimische kennen ihre Stände, grüßen kurz, greifen gezielt. Ein älterer Herr verkauft Käse aus dem Friaul, eine Frau Mitte sechzig hat immer Kräuter dabei, die man im Supermarkt nicht findet. Touristen stehen oft nur daneben und schauen. Wer kaufen will, drängelt sich einfach vor – das gehört hier dazu, niemand nimmt es übel.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschränke, Waschmaschinen oder neue Laufschuhe fährt man raus – Richtung Pordenone-Nord, wo sich die großen Fachmarktzentren an der Ausfallstraße aneinanderreihen. Zwanzig Minuten mit dem Auto, praktisch unmöglich ohne. Dort gibt es MediaWorld, Sportfachgeschäfte, Baumärkte. Man fährt nicht spontan dorthin – man macht einen Tag daraus, plant, vergleicht. Samstagvormittag sind die Parkplätze voll, die Eingänge laut. Wer unter der Woche fährt, hat mehr Platz, mehr Zeit, manchmal auch mehr Geduld beim Personal.
Besonderheiten
Das Friaul steckt in den Regalen, wenn man die richtigen Läden kennt. Lokale Produzenten liefern Montasio-Käse und Prosciutto di San Daniele direkt an Salumerien in der Stadt – nicht das abgepackte Supermarkt-Pendant, sondern das Stück, das noch nach Reifekammer riecht. Einheimische kaufen das zu Weihnachten und zu Ostern, manchmal auch einfach so, wenn Besuch kommt. Wer fragt, woher der Schinken stammt, bekommt einen Ortsnamen und eine Geschichte. Das ist der Unterschied zu allem, was man online bestellen könnte.