Morgens läuft hier fast jeder erst zur Bar – Cappuccino, zwei Worte mit dem Barista, dann weiter. Brot holt man beim Bäcker, Gemüse beim kleinen Händler an der Ecke, Fleisch beim Metzger, den man seit Jahren kennt. Die Einkaufstasche am Abend ist voll mit Dingen, die man hier in Gehweite besorgt hat. Was fehlt: größere Modeketten, Elektronikhändler, alles was Marke heißt. Wer ein Hemd mit Etikett oder neue Laufschuhe braucht, fährt nach Agrigent – das weiß hier jedes Kind.
Einkaufsstraßen
Die Hauptstraße durchs Zentrum ist keine schöne Promenade, aber sie trägt den ganzen Handelstag. Zwischen neun und zwölf Uhr wird hier mehr geredet als eingekauft – zwei Frauen vor dem Gemüsestand, ein Mann der wartet bis der Bäcker frische Brötchen aus dem Ofen zieht, ein Kind das auf dem Gehweg steht und niemanden stört. Die Läden sind klein, die Auslagen schlicht. Wer hier langsam geht, kommt trotzdem an – und hat unterwegs erfahren, dass der Fisch heute besonders frisch war.
Luxus & Designer
Wer ein Hemd von Boggi oder Schuhe von Geox kaufen will, packt die Tasche und fährt nach Agrigent. Dreißig Minuten, kurvenreiche Straße, dann die Einkaufszone der Provinzhauptstadt. Dort stehen die Ketten, die in Porto Empedocle fehlen. Einheimische machen daraus einen Halbtagsausflug – Mittagessen inklusive. Palermo wäre weiter und größer, aber für ein ordentliches Hemd reicht Agrigent. Wer wirklich etwas Besonderes sucht, fährt trotzdem lieber in die Innenstadt von Palermo als in ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese.
Viertel & Boutiquen
Zwei Gassen hinter dem Hafen gibt es Läden, an denen man als Besucher einfach vorbeiläuft – keine Schilder die auffallen, kein Schaufenster das einlädt. Drinnen kaufen Fischer Arbeitsmaterial, Hausfrauen Stoffe, alte Männer Ersatzteile für Dinge die längst nicht mehr hergestellt werden. Diese Läden öffnen wann sie wollen und schließen wenn der Besitzer müde ist. Wer nicht aus dem Ort kommt, weiß nicht warum er rein sollte. Wer aus dem Ort kommt, weiß nicht warum er woanders hingehen sollte.
Märkte & Spezialitäten
Einen großen, festen Wochenmarkt mit langen Tischreihen und Marktrufen gibt es hier nicht. Wer frisches Gemüse will, kennt seinen Händler – einen kleinen Laden, einen Lieferwagen der zweimal die Woche kommt, oder tatsächlich einen Bekannten mit Garten außerhalb des Ortes. In den Sommermonaten tauchen gelegentlich Stände auf, wenn Saison ist und jemand mehr Tomaten hat als er selbst essen kann. Aber das ist kein Markt im Sinne einer Institution. Das ist ein Nachbar mit einer Kiste Zucchini und einem fairen Preis.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht, fährt nach Agrigent – oder wartet auf den nächsten Samstag, wenn Zeit und Laune stimmen. Rund um Agrigent gibt es Elektronikmärkte und Möbelhäuser, die man aus Deutschland kennt: große Parkplätze, breite Gänge, Verkäufer die einen in Ruhe lassen. Die Fahrt lohnt sich auch für Sportschuhe, Kindersachen in größerer Auswahl, alles was einen Vergleich braucht. Wer nur einen Toaster kaufen will, schaut zuerst in Porto Empedocle – irgendjemand im Ort hat das sicher noch im Lager.
Besonderheiten
Der Hafen arbeitet nicht nur für Touristen – er arbeitet für den Tisch. Frischer Schwertfisch, Calamari, Gamberi, die direkt von den Booten kommen: das kauft man hier, und man kauft es nirgendwo sonst in dieser Frische und zu diesem Preis. Wer nicht selbst am Hafen wartet, kennt den Fischhändler, der es für ihn tut. Zu besonderen Anlässen – ein Familienfest, ein Sonntag der zählt – kommt der ganze Fisch direkt vom Fischer. Kein Etikett, kein Kühlregal. Nur Salz, Meer und ein Preis der sich lohnt.