Shopping in Prato

Morgens um acht steht die ältere Frau aus dem Stadtzentrum schon beim Bäcker. Brot und Schiacciata kauft sie nie im Supermarkt – das wäre hier fast eine Beleidigung. Die Einkaufstasche am Abend enthält Käse vom kleinen Alimentari, vielleicht Stoff vom Meterwarenhändler, wenn gerade genäht wird. Was man vergeblich sucht: große internationale Modeketten sind dünn gesät. Wer ein Markthemd will, fährt nach Florenz. Wer aber Stoff für ein Hemd will – der bleibt in Prato.

Einkaufsstraßen

Die Via Garibaldi und der Corso ist das Rückgrat, auf dem sich zwischen neun und zwölf Uhr alles abspielt. Keine besonders schöne Straße – aber eine lebendige. Rentner trinken stehend ihren Espresso an der Bar, Frauen mit Rollwagen schieben sich an Schaufenstern vorbei, ein Lieferwagen blockiert kurz die halbe Fahrbahn. Die Läden hier verkaufen Schuhe, Haushaltsware, Kleidung für den Alltag. Wer die Straße um elf Uhr betritt, braucht kein Ziel – die Straße zieht einen einfach mit.

Luxus & Designer

Wer in Prato ein Hemd von Boglioli oder Schuhe von Tod's kaufen will, fährt nach Florenz. Das sind keine zwanzig Minuten mit dem Schnellzug – Prato Centrale nach Santa Maria Novella, und man steht mitten drin. Was Florenz gibt, das Prato nicht gibt: die Via Tornabuoni mit ihren Markenläden, das Gewühl des Luxus. Pratenser fahren das gezielt an, einmal pro Saison, gut geplant. Sie kaufen nicht spontan – sie kommen mit einer Liste und wissen vorher, was es kosten wird.

Viertel & Boutiquen

Der Macrolotto, das chinesische Produktionsviertel am Stadtrand, ist kein Ort für Touristen – aber Einheimische wissen, was es dort gibt. In kleinen Lagerhallen und Großhandelsräumen verkaufen chinesische Händler Stoffe, Zubehör und Fertigware direkt. Ein Pratenser, der clever einkauft, kennt mindestens einen Laden dort. Man spricht kein Italienisch, man zeigt auf Muster, man zahlt bar. Besucher aus Deutschland würden den Ort nie finden – er liegt hinter Industriegebäuden, ohne Schild, ohne Google-Eintrag.

Märkte & Spezialitäten

Dienstags und freitags gibt es auf der Piazza del Mercato Nuovo einen Markt – genau dort, wo der Name es verspricht. Gemüsestände, Textilien, ein Mann mit einem Berg Socken, eine Frau die Oliven aus Plastikwannen schöpft. Wer früh kommt, kauft gut. Wer um elf kommt, kauft was übrig ist. Die Pratenser Nonna mit dem karierten Trolley ist kein Klischee – sie ist dort jeden Dienstag, kennt den Tomatenverkäufer beim Namen, und zahlt nie den ersten genannten Preis.

Einkaufszentren & Outlets

Wer einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine braucht, fährt zum Ikea oder zu einem der großen Elektronikhändler – die nächsten stehen im Gewerbegebiet Richtung Florenz oder in Calenzano. Zwanzig Minuten mit dem Auto, nicht mehr. Sportschuhe kaufen viele im Delphi Center am Stadtrand von Prato selbst – ein mittelgroßes Einkaufszentrum, nüchtern, praktisch, mit Parkplatz vor der Tür. Samstagnachmittag ist kein guter Zeitpunkt. Wer unter der Woche fährt, parkt direkt, findet alles offen, und ist in einer Stunde wieder zuhause.

Besonderheiten

Prato ist Textilstadt – und das spürt man beim Einkaufen. In kleinen Wollgeschäften und Stoffhändlern im Zentrum verkaufen Händler Reste und Endstücke direkt aus den umliegenden Fabriken. Ein Meter Wollstoff in einer Qualität, die in einem deutschen Kaufhaus nicht existiert – für wenig Geld, wenn man den richtigen Laden kennt. Der Museo del Tessuto zeigt die Geschichte, aber der echte Kauf passiert zwei Straßen weiter, in einem Laden ohne Aushängeschild, wo die Verkäuferin den Stoff noch selbst in der Hand gehalten hat, bevor er produziert wurde.