Shopping in Ragusa

Die Einkaufstasche am Abend sieht in Ragusa meistens gleich aus: Brot vom Bäcker in der Unterstadt, Käse vom kleinen Alimentari um die Ecke, Gemüse vom Stand am Marktplatz. Klamotten kauft kaum jemand hier – dafür fährt man nach Catania oder Palermo. Wer in Ragusa nach einem Elektronikladenkette sucht, sucht lange. Das Geld bleibt für Lebensmittel, Haushaltsware und Handwerker im Ort – der Rest wird auswärts erledigt.

Einkaufsstraßen

Der Corso Italia in Ragusa Superiore ist die Ader, an der sich der Alltag abspielt. Keine Glamourmeile – aber zwischen neun und zwölf Uhr morgens ist hier kaum durchzukommen. Ältere Herren stehen vor der Bar, Mütter schieben Kinderwagen an Schuhläden vorbei, der Tabaccaio hat immer eine Schlange. Die Läden sind klein, oft familiengeführt, die Auslagen manchmal noch von Großmutters Geschmack geprägt. Wer hier flaniert, kauft nebenbei – nicht umgekehrt.

Luxus & Designer

Wer ein Hemd von Lardini oder Schuhe von Tod's will, packt morgens den Wagen und fährt nach Catania – knapp anderthalb Stunden auf der Autostrada. Dort gibt es die Via Etnea mit den besseren Ketten, und wer wirklich sucht, findet auch ein paar Multibrand-Läden mit sizilianischen Designern. In Ragusa selbst bleiben diese Marken Lücken. Manche fahren sogar nach Palermo für einen Einkaufstag – und kommen mit Tüten zurück, die man hier nie sieht.

Viertel & Boutiquen

Ragusa Ibla, die Barockstadt auf dem Felssockel, sieht für Touristen wie ein Museum aus. Für Einheimische ist die kleine Drogherie nahe dem Giardino Ibleo ein Pflichtort: Da gibt's Waschmittel in losen Mengen, lokale Konserven, Olivenöl aus dem Dorf nebenan. Der Besitzer kennt jeden beim Namen. Besucher gehen an diesem Laden vorbei, weil er kein Schild hat, das sich lohnt zu fotografieren. Einheimische gehen rein, weil er seit dreißig Jahren da ist.

Märkte & Spezialitäten

Am Mittwoch und Samstag früh gibt es in Ragusa Superiore einen kleinen Wochenmarkt – nicht groß, nicht spektakulär, aber echt. Bauern aus dem Hinterland stellen Kisten mit Tomaten auf, die noch Erde haben. Eine Frau verkauft selbstgemachten Ricotta aus Tüchern. Wer um acht kommt, hat Auswahl; wer um elf kommt, findet noch die letzten Auberginen. Gehandelt wird kaum – aber ein kurzes Gespräch über die Ernte gehört zum Preis dazu.

Einkaufszentren & Outlets

Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man ins Gewerbegebiet an der Stadtrand-Umgehung – dort stehen die üblichen Elektrohäuser, ein Mediaworld-ähnliches Geschäft ist dabei. Sportschuhe in größerer Auswahl gibt es in einem Sportmarkt auf derselben Strecke. Die Fahrt dauert mit dem Auto keine zwanzig Minuten. Wer mehr will – IKEA, größere Modeketten – fährt nach Catania. Das macht man nicht jeden Samstag, aber wenn, dann richtig: Mittagessen inklusive.

Besonderheiten

Der Cioccolato di Modica – und damit ist nicht die Touristenversion gemeint – wird in Ragusa selbst verkauft, aber auch in den kleinen Laboratorios der Nachbarstadt Modica, zwanzig Minuten entfernt. Manche Konditoreien in Ragusa stellen ihn selbst her, kalt verarbeitet, ohne Emulgatoren, mit einer körnigen Textur, die man sonst nirgendwo bekommt. Einheimische kaufen ihn nicht als Souvenir – sondern als Gastgeschenk, wenn sie jemanden in Norditalien besuchen. Und immer in großen Mengen.