Morgens kaufen die Leute in Ravenna ihr Brot beim Bäcker um die Ecke, nicht im Supermarkt. Die Einkaufstasche abends enthält frisches Pasta vom kleinen Laden in der Innenstadt, vielleicht ein paar Tomaten vom Stand auf dem Piazza. Was man hier vergeblich sucht: ein breites Angebot an internationalen Marken, große Kaufhäuser, Flagship-Stores. Wer das will, fährt nach Bologna. Ravenna versorgt sich selbst gut im Kleinen – aber wer Auswahl will, plant einen Ausflug ein.
Einkaufsstraßen
Die Via Diaz und die Via Cavour sind die echten Einkaufsachsen – nicht die hübscheste Kulisse, aber die, auf der zwischen neun und zwölf Uhr das meiste passiert. Frauen mittleren Alters schieben Rolltaschen an Schaufenstern vorbei. Ein Café macht kurz auf, die ersten Gäste trinken ihren Espresso im Stehen. Kleine Schuhläden, ein Haushaltswarengeschäft, eine Apotheke. Die Gasse ist schmal genug, dass zwei Kinderwagen nebeneinander schon ein Problem werden.
Luxus & Designer
Wer in Ravenna ein gutes Hemd von Boggi oder Schuhe von Tod's kaufen will, fährt nach Bologna. Mit dem Zug dauert das gut eine Stunde, manchmal etwas weniger. Dort trifft er auf die Via dell'Indipendenza und die Galleria Cavour – Läden, die in Ravenna schlicht nicht existieren. Die Fahrt lohnt sich für einen ganzen Tag: Einkaufen, Mittagessen, zurück. Wer nur kurz hin will, ärgert sich über Parkplatzsuche und Rückreiseverkehr am frühen Abend.
Viertel & Boutiquen
Im Viertel rund um den Mercato Coperto kaufen Einheimische ein, ohne darüber nachzudenken. Besucher laufen daran vorbei, weil sie zu den Mosaiken wollen. Drinnen kennt der Käsehändler seine Stammkunden mit Namen. Wer neu ist, fällt sofort auf. Man kauft hier keine Souvenirs – man kauft Pecorino, eingelegte Paprika, frische Eiernudeln. Die Preise stehen nicht immer auf einem Schild. Man fragt, man bekommt eine Antwort, man bezahlt bar.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags steht auf der Piazza Farini ein richtiger Markt. Die Händler bauen früh auf, gegen sieben ist schon alles aufgebaut. Auf den Tischen liegt, was die Saison gerade hergibt: im Herbst Kürbisse und Radicchio, im Sommer Pfirsiche und Zucchini. Die Standbesitzer kommen teils aus der Umgebung, manche schon seit Jahren. Wer gegen elf kommt, findet noch gute Ware – wer zwölf wartet, nimmt, was übrig blieb.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine fährt man raus – Richtung Ravenna-Peripherie oder bis nach Lugo, wo es größere Elektronikmärkte gibt. Mit dem Auto dauert das eine halbe Stunde, manchmal weniger. Sportschuhe kaufen viele lieber online oder bei einem Ausflug nach Bologna. Die Fahrt in die Peripherie lohnt sich erst bei größeren Anschaffungen – für ein einzelnes Ladekabel nimmt man lieber den kleinen Elektronikhändler nahe der Innenstadt, der kennt seine Ware noch selbst.
Besonderheiten
In Ravenna selbst gibt es Läden, die Mosaik-Kunsthandwerk verkaufen – aber nicht als Touristenware, sondern als echtes Handwerk. In kleinen Werkstätten nahe der Altstadt kaufen Einheimische handgefertigte Stücke als Hochzeitsgeschenke oder für besondere Anlässe. Wer Glück hat, kommt zum richtigen Zeitpunkt: Der Handwerker sitzt selbst im Laden, erklärt das Stück, nennt den Preis ohne Verhandlung. Das bekommt man in dieser Kombination aus Qualität, Tradition und Direktheit nirgendwo anders.