Wer morgens in Recanati seine Einkaufstasche packt, landet zuerst beim Bäcker oder im kleinen Lebensmittelgeschäft in der Altstadt. Die Frau vom Gemüsehändler kennt jeden beim Namen. Abends liegt in der Tasche: Brot, etwas Käse, vielleicht ein Fläschchen Verdicchio aus der Region. Was fehlt: ein Kaufhaus, eine Modekette, ein Elektronikladen. Wer das braucht, fährt nach Macerata oder Civitanova Marche. Recanati versorgt den täglichen Bedarf – alles andere holt man sich woanders.
Einkaufsstraßen
Die Corso Persiani ist die Ader, auf der Recanati wirklich läuft. Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Rentner, Mütter mit Kinderwagen und Ladenbesitzer aneinander vorbei. Der Tabacchi öffnet als erster, gleich danach die Bar – dort steht der erste Kaffee schon auf dem Tresen, bevor man bestellt hat. Die Geschäfte sind klein, die Schaufenster nicht immer neu. Aber hier erledigt man alles, was sich zu Fuß erledigen lässt.
Luxus & Designer
Wer ein gutes Hemd einer bekannten Marke kaufen will, steigt ins Auto. Macerata liegt knapp zwanzig Kilometer entfernt und hat eine ordentliche Auswahl an Modehäusern im Zentrum. Wer es größer will, fährt nach Civitanova Marche – dort sind die Schaufenster heller, die Auswahl breiter, die Preisschilder manchmal mutiger. In Recanati selbst gibt es ein paar Bekleidungsläden, aber die leben vom Stammkunden, nicht vom Markenbewussten.
Viertel & Boutiquen
Die Gassen unterhalb der Piazza Leopardi kennen Besucher meist nicht – die laufen hoch zum Denkmal und wieder zurück. Einheimische aber wissen: dort unten sitzt ein alter Mann, der seit dreißig Jahren Schuhe repariert. Zwei Türen weiter gibt es Haushaltswaren, die aussehen, als hätte sich das Angebot seit 1987 nicht verändert – aber alles, was man für die Küche braucht, liegt irgendwo im Regal. Man muss nur fragen.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags baut sich auf dem Piazzale auf der Stadtrandseite ein kleiner Markt auf. Wer früh kommt, bekommt Gemüse, das am Morgen noch auf dem Feld war. Ein paar Händler aus der Region stellen ihre Kisten hin: Zucchini, Tomaten, Paprika je nach Saison. Dazwischen ein Stand mit Unterwäsche, einer mit Haushaltswaren. Keine große Bühne – aber die Nonna neben einem weiß genau, welcher Händler die besseren Tomaten hat, und sagt es einem ungefragt.
Einkaufszentren & Outlets
Wer einen Kühlschrank braucht oder neue Sportschuhe, fährt nach Civitanova Marche. Die Stadt an der Küste hat Elektronikmärkte und Schuhketten, die man aus Deutschland kennt. Dreißig Minuten mit dem Auto, und man steht in einer anderen Einkaufswelt. Manche fahren auch nach Porto Recanati direkt an der Küste – kleiner, aber mit ein paar Ketten, die den Abstecher sparen. Recanati selbst schickt einen für diese Einkäufe freundlich, aber bestimmt weiter.
Besonderheiten
Der Verdicchio dei Castelli di Jesi wächst in den Hügeln rund um Recanati, und wer direkt beim Weingut kauft, zahlt weniger und trinkt besser. Einheimische kennen die Adressen – Besuchern zeigt man sie manchmal, manchmal nicht. Dazu kommt der lokale Pecorino aus den Marken: kräftiger als der toskanische, weniger bekannt, deshalb ehrlicher bewertet. Den kauft man nicht im Supermarkt. Man kauft ihn dort, wo die Käsetheke nach echtem Käse riecht.