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Morgens läuft die Stadt auf zwei Spuren. Die einen gehen zum Bäcker und holen Pane di casa, noch warm, in einer Papiertüte. Die anderen kaufen im Supermarkt, weil es schneller geht – und schauen dabei ein bisschen schuldbewusst drein. Kleidung, Elektronik, alles über hundert Euro: das kauft man hier oft nicht. Man fährt nach Catanzaro oder bestellt online. In der Einkaufstasche am Abend liegen Bergamotten vom Stand um die Ecke, Fisch vom Hafen, manchmal eine Flasche Cirò.
EinkaufsstraĂźen
Der Corso Garibaldi ist die Ader, durch die alles fließt. Samstags kommt man kaum voran – Familien schieben Kinderwagen, alte Männer stehen vor Schuhläden und kommentieren Preise, die sie nie zahlen würden. Zwischen neun und zwölf gehört die Straße den Frauen mit Einkaufstaschen aus Stoff und den Ladeninhabern, die Ware auf den Bürgersteig ziehen. Die Geschäfte sind eng, laut, vollgestopft. Wer ein ruhiges Einkaufserlebnis sucht, ist hier falsch. Wer sehen will, wie Reggio kauft, steht genau richtig.
Luxus & Designer
Ein gutes Hemd einer bekannten Marke kauft man hier nicht – zumindest nicht sicher. Wer auf Labels besteht, fährt nach Catanzaro, knapp neunzig Kilometer die Autostrada hoch. Dort gibt es Geschäfte, die Marken führen, die in Reggio schlicht fehlen. Manche fahren auch nach Neapel, aber das ist ein Ausflug, kein Einkauf. Wer trotzdem in Reggio kauft, landet in kleinen Boutiquen auf dem Corso – gute Qualität, kein Markenschild, und der Inhaber kennt noch deinen Vater.
Viertel & Boutiquen
Hinter dem Marktbereich, Richtung alter Stadtteile wie Sbarre oder Gebbione, passiert das eigentliche Leben. Dort gibt es kleine Läden ohne Schaufenster, die hausgemachte Pasta, eingelegtes Gemüse und Käse verkaufen, der nicht auf einer Speisekarte steht. Kein Tourrist findet diese Läden, weil es keine Schilder gibt – man weiß, wo sie sind, weil die Mutter dort einkauft und die Mutter der Mutter auch. Man klingelt manchmal buchstäblich. Man zahlt bar. Man bekommt mehr als man bestellt hat.
Märkte & Spezialitäten
Am Hafen und in einigen Stadtvierteln gibt es morgens Stände mit Gemüse, Fisch und gelegentlich Kleidung – kein fester, großer Wochenmarkt im klassischen Sinn, aber eine lebendige Straßenpräsenz, die früh beginnt und gegen Mittag endet. Der Fischmarkt nahe dem Lungomare ist der lauteste Ort der Stadt vor zehn Uhr. Männer in Gummistiefeln rufen Preise, die Ware liegt auf Eis, das schmilzt. Wer frischen Schwertfisch will, kommt hierher – nicht in den Supermarkt.
Einkaufszentren & Outlets
Für einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine verlässt man die Stadt. Richtung Norden, auf dem Weg nach Villa San Giovanni oder weiter, liegen die großen Elektronikmärkte und Einrichtungsketten am Stadtrand beziehungsweise in den umliegenden Gemeinden. Die Fahrt dauert zwanzig bis vierzig Minuten, je nach Verkehr auf der Statale. Man fährt nicht spontan – man fährt mit Liste, mit jemand anderem im Auto, und man macht einen Tag daraus. Sportschuhe kaufen manche auch so, andere bestellen online und lassen zum Nachbarn liefern, weil tagsüber niemand zuhause ist.
Besonderheiten
Die Bergamotte wächst fast nur hier – auf dem schmalen Küstenstreifen zwischen Reggio und Melito di Porto Salvo. In Parfüm, Tee und Süßigkeiten steckt sie überall auf der Welt, aber frisch kaufen kann man sie fast nur hier. Im Herbst liegen sie auf kleinen Ständen am Straßenrand, gelb und schwer, und riechen nach nichts, was man kennt. Einheimische kaufen das Öl in Apotheken und kleinen Spezialitätenläden auf dem Corso. Zu Weihnachten gibt es kandierte Bergamotten als Geschenk – für Menschen außerhalb Kalabriens, die noch nie davon gehört haben.