Die Einkaufstasche eines Reggiano enthält abends meistens drei Dinge: frisches Brot vom Bäcker in der Innenstadt, Parmigiano Reggiano direkt vom Käsehändler und irgendetwas aus einem der kleinen Läden rund um die Piazza Prampolini. Kleidung kaufen viele lieber in Parma oder Bologna – nicht weil Reggio nichts hätte, sondern weil die Auswahl dort einfach größer ist. Was man hier vergeblich sucht: ein wirklich großes Kaufhaus mitten in der City. Das gibt es nicht.
Einkaufsstraßen
Die Via Emilia ist die Ader, auf der alles läuft. Kein schöner Flanierort, aber der ehrlichste: Zwischen neun und zwölf Uhr schieben sich Rentner mit Trolleys an Müttern mit Kinderwagen vorbei, die Bäcker haben schon seit Stunden geöffnet, und vor den Schaufenstern der Schuhläden bleiben Leute stehen, die eigentlich woanders hinwollen. Die Straße ist laut, manchmal eng, und riecht nach Kaffee von der Bar an der Ecke. Wer hier einkauft, kommt meistens zu Fuß.
Luxus & Designer
Wer in Reggio ein wirklich gutes Hemd einer bekannten Marke sucht, fährt nach Bologna. Neunzig Kilometer, eine Stunde mit dem Auto oder knapp mehr mit dem Zug – und dann die Via Farini oder die Galleria Cavour, wo die großen Namen ihre Läden haben. Parma geht auch, ist näher, aber kleiner. Reggio selbst hat solide Herrenmoden, ein paar gute Schuhhändler, aber kein Flagshipstore, keine große Markenpräsenz. Wer einen besonderen Anlass hat, macht den Ausflug und kauft gleich zwei Sachen.
Viertel & Boutiquen
Rund um den Mercato Coperto, den überdachten Markt nahe der Piazza Camillo Prampolini, kennen Einheimische Läden, an denen Besucher einfach vorbeigehen. Kleine Delikatessenhändler, ein Gewürzhändler mit Tüten in der Auslage, die nach nichts Besonderem aussehen – aber genau dort kaufen Reggiani seit Jahren ihren Aceto Balsamico ein. Diese Läden haben keine Schilder auf Englisch, keine touristischen Preislisten. Man geht rein, nickt dem Inhaber zu und weiß, was man will. Wer neu ist, braucht eine Empfehlung.
Märkte & Spezialitäten
Mittwochs und samstags verwandelt sich die Piazza Prampolini und das Gebiet drumherum in einen richtigen Markt. Gemüsebauern aus dem Umland stellen ihre Kisten auf, ein paar Händler verkaufen Textilien, andere Haushaltswaren. Samstags ist es voller – Frauen prüfen Tomaten, Männer diskutieren über Käsepreise, Kinder laufen dazwischen. Das Beste liegt früh morgens noch auf dem Tisch: Zucchini mit Blüte, Kartoffeln mit Erde dran, Bohnen in der Schote. Wer um elf kommt, bekommt noch was – aber nicht mehr das Beste.
Einkaufszentren & Outlets
Für Kühlschrank, Waschmaschine oder ein größeres Elektronikgerät fahren die meisten in die Einkaufszentren außerhalb der Stadt, Richtung Tangenziale. Dort gibt es die üblichen Elektronikmärkte, ein paar Möbelhäuser, auch Sportgeschäfte mit breitem Angebot. Zwanzig Minuten mit dem Auto, kein großes Abenteuer. Sportschuhe kaufen viele aber auch in der Innenstadt – es gibt mehrere Läden in der Nähe der Via Emilia, die ganz ordentliche Auswahl haben. Die Fahrt an die Peripherie lohnt sich vor allem dann, wenn man wirklich vergleichen will.
Besonderheiten
Parmigiano Reggiano kauft man hier nicht im Supermarkt – man geht zum Käsehändler, der seine Laibe selbst aussucht und aufschneidet. In den Läden rund um den Mercato Coperto bekommt man Stücke, die nach Alter und Herkunft ausgesucht sind: vierundzwanzig Monate, sechsunddreißig, manchmal mehr. Ein guter Händler erklärt den Unterschied und lässt probieren. Wer einmal so gekauft hat, versteht, warum Reggiani beim Supermarktkäse die Nase rümpfen. Das ist kein Snobismus – das ist einfach der Unterschied zwischen gut und wirklich gut.